Dritte Startbahn

Ude und Seehofer auf einmal ein Team

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Selten sind sich Horst Seehofer (links) und Christian Ude (rechts) in politischen Dingen so einig, wie bei der dritten Startbahn.

München - Kurz vor dem Bürgerentscheid zur dritten Startbahn des Münchner Flughafens sind sich CSU SPD und FDP im Kabinett ungewohnt einig. Es gibt aber auch Abweichler. 

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) warben in einer Aktuellen Stunde in ungewohnter Eintracht für das umstrittene Milliardenprojekt. „Die Münchnerinnen und Münchner haben es in der Hand zu bekennen: Zukunft statt Blockade“, betonte Seehofer in einem gemeinsamen Appell mit Ude. Ude erklärte darin, es gehe am Sonntag um mehr als nur um den Ausbau des Münchner Flughafens: „Es geht um Tausende neue Arbeitsplätze, um mehr Wirtschaftskraft und um Mobilität für die gesamte Region. Es geht um die Zukunft unserer Stadt.“

Finanzminister Markus Söder (CSU) sprach im Landtag von einer strategischen Entscheidung: „Wer hungrig auf die Zukunft ist, der muss für die dritte Startbahn sein.“ Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) warnte, ohne neue Piste könne der Flughafen nicht mit der wirtschaftlichen Entwicklung mithalten und werde zur Bremse für Wachstum und Wohlstand. „Unsere Verpflichtung ist, heute die Weichen für die Zukunft des Freistaats zu stellen - mit dem gleichen Mut, den frühere Generationen hatten.“ Der Münchner SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann nannte die Ausbaupläne ein Projekt von großer Bedeutung weit über München hinaus und rief dazu auf, für den Ausbau zu stimmen.

Die Freien Wähler und die Grünen erinnerten dagegen daran, dass der Flughafen in den vergangenen Jahren seine eigenen Passagierprognosen regelmäßig unterschritten habe. „Das ist eine Menschen missachtende Entscheidung“, kritisierte der Freisinger Freie-Wähler-Abgeordnete Manfred Pointner. Die Ortschaft Attaching solle künftig in 60 Meter Höhe von 540 Jets am Tag überflogen werden. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie man da noch leben kann.“

Der Grünen-Abgeordnete Christian Magerl sagte, die Zahl der Starts und Landungen werde heuer wieder den Stand des Jahres 2005 erreichen - weit unter den einst für 2010 prophezeiten 480 000 Flugbewegungen. Der steigende Ölpreis werde dazu führen, dass die Airlines wegen des Kostendrucks nicht mehr, sondern immer größere Flugzeuge einsetzten.

„Das ist die übliche Allianz der Neinsager, die zu allem Nein sagen, was Zukunft bringt für unser Land“, hielt der Münchner CSU-Abgeordnete Markus Blume dagegen. Unter den Neinsagern sind aber auch drei CSU-Abgeordnete aus den Kreisen Freising, Erding und Dachau. „Wir im Umfeld des Flughafens erbringen seit geraumer Zeit ein Sonderopfer für ganz Bayern, weil wir mit den negativen Folgen eines Großflughafens zu kämpfen haben, während alle anderen den Nutzen davon haben“, sagte der Freisinger CSU-Abgeordnete Florian Herrmann. Abweichend von der ganz großen Mehrheit der Redner kritisierte Herrmann den Münchner Bürgerentscheid grundsätzlich als grotesk - weil die meisten Münchner anders als die Bewohner des Umlands gar nicht direkt vom Flughafenausbau betroffen sind.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz warben auch der Flughafen, die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) sowie Münchner CSU und SPD einmütig für das Projekt. vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt nannte den Flughafen-Ausbau dringend notwendig, um den Airport als zentrales Drehkreuz im Luftverkehr Süddeutschlands und damit als wesentlichen Standortfaktor für die bayerische Wirtschaft zu erhalten. Flughafen-Chef Michael Kerkloh betonte: „Die dritte Bahn ist ein Stück Zukunftssicherung für die Landeshauptstadt und für Bayern.“

dpa

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser