Rösler streichelt die griechische Seele

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Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (r, und der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos geben im Parlament in Athen nach ihren Gesprächen eine gemeinsame Pressekonferenz.

Berlin - Es ist der Auftritt in der Höhle des Löwen. Nach seiner Pleitewarnung, die Griechenland empörte, ist Wirtschaftsminister Rösler in Athen um Entspannung bemüht. Er zollt den Griechen Respekt.

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In ihrem Stolz hat Philipp Rösler mit seiner international beachteten Staatspleiten-Warnung viele Griechen verletzt. Jetzt gab der Vizekanzler beim 24-Stunden-Besuch sein Bestes, um den Schmerz der langjährigen Partner zu lindern: “Alle Deutschen sind voller Respekt über die Opfer, die Sie erbracht haben“, rief er am Donnerstagabend den 250 Gästen beim griechisch-deutschen Managertreff zu.

Zeitgleich war das kleine Grüppchen Demonstranten am falschen Ort. Die aufgebrachten Griechen protestierten in der anbrechenden Nacht vor der Deutschen Botschaft in Athen - doch der Bundeswirtschaftsminister, der ihren Zorn wohl abbekommen sollte, hielt da eine Rede in einem Küstenhotel weit vom Zentrum entfernt. Der heiklen Situation war sich Rösler - bewacht von mehreren BKA-Personenschützern - sehr wohl bewusst.

Zehntausende Griechen verlieren ihre Jobs, dazu kommen radikale Einschnitte bei Renten und Gehältern. Zuletzt gab es wieder blutige Auseinandersetzungen auf Athens Straßen. Rösler will Mut machen: “Wir dürfen diesen Transformationsprozess nicht den Pessimisten überlassen.“

Der FDP-Chef erklärt den Gastgebern, auch Deutschland habe rund um die Agenda 2010 schmerzhafte Reformen und Proteste erlebt und durchgestanden - bei der Rosskur des damaligen SPD-Kanzlers Gerhard Schröder in der Sozialhilfe.

Und an diejenigen im Saal, die im deutschen Vizekanzler unverändert eine Art Untergangspropheten oder Pleitegeier sehen, richtet Rösler die eindringliche Botschaft: “Nochmals, verstehen Sie unseren Besuch als Zeichen der Unterstützung und der Freundschaft!“ Deutschland wolle alle Euro-Staaten in der Währungsgemeinschaft halten - inklusive Griechenland.

Der Applaus der griechischen Unternehmer ist kurz, aber herzlich. Rösler hat Eindruck gemacht, eine engagierte Rede gehalten - wie immer frei. Doch so schnell ist der verbale Tiefschlag von der geordneten Insolvenz natürlich nicht vergessen. Ein konservativer Abgeordneter aus dem griechischen Parlament meint sarkastisch, es sei ja schon ein Erfolg, dass Rösler die bösen Worte nicht wiederholt habe.

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Ansonsten wird gerätselt, welche Grausamkeiten die europäische Schuldenkrise noch bereithält. Wie hoch zum Beispiel der Preis sein wird, den deutsche Banken und am Ende die Steuerzahler für die Euro-Rettung bezahlen müssen.

Längst wird in Berlin, Paris, Brüssel und Washington nach einer Exit-Strategie gesucht, wie die Griechen mit einem Schuldenschnitt wieder Luft zum Atmen bekommen. Und gleichzeitig Europas Banken nicht unter Abschreibungen und möglichen Domino-Effekten in anderen Euro-Südländern zusammenbrechen. An diesem Sonntag werden Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy darüber in Berlin beraten.

Der griechische Wirtschaftsminister Michalis Chrysochoidis, der sich mit Rösler duzt, schwört “Philipp“ in die Hand, dass sein Land die Kurve kriegen wird. Griechenland werde beweisen, dass es ein Leben nach dem Tod, ein Leben nach der Schuldenkrise gebe.

“Griechenlands Zukunft liegt im Euro und in Europa. Das ist ein unveräußerliches Gut“, sagt Chrysohoidis. Und räumt selbstkritisch ein, die griechische Gesellschaft und Wirtschaft hätten schlicht versagt. Selbst wenn man den “Reset“-Knopf drücken und alles ungeschehen machen könnte, würden die Griechen ohne Reformen und Mentalitätswandel wieder in der Schuldenfalle landen: “Mit mathematischer Sicherheit.“

dpa

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