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Lage könnte kippen

RKI-Chef: Corona-Lage in Deutschland verschlechtert sich

Lothar Wieler
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«Wir sehen immer mehr Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen»: RKI-Chef Lothar Wieler. Foto: Tobias Schwarz/AFP POOL/dpa

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland erreicht einen Höchststand - und auch die Zahl der Todesfälle steigt weiter. Der RKI-Chef warnt eindringlich davor, dass die Lage kippen kann.

Berlin (dpa) - Nach wochenlanger Stagnation auf hohem Niveau steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder. Am Dienstag wurde gar ein neuer Höchststand gemeldet.

Das Robert Koch-Institut (RKI) drängt nun darauf, Lockerungen der Corona-Beschränkungen auch schon für Weihnachten zu verhindern, wie RKI-Präsident Lothar Wieler in Berlin deutlich machte. In der Politik wird das bisher großteils eher mit Blick auf die Zeit nach Weihnachten diskutiert.

Zuvor hatten die Gesundheitsämter binnen 24 Stunden 23.679 neue Fälle gemeldet, wie aus RKI-Zahlen von Donnerstagmorgen hervorgeht. Der bisherige Rekordwert war am 20. November mit 23.648 gemeldeten Fällen erreicht worden.

Zudem wurden dem RKI in 24 Stunden 440 neue Todesfälle gemeldet. Der bisherige Höchststand war am Mittwoch mit 590 Toten erreicht worden. Insgesamt stieg die Zahl der Toten über die Marke von 20.000 auf 20 372. Bund und Länder diskutieren, ob eine weitere Chef-Beratung über eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen sinnvoll ist; voraussichtlich würde eine solche Schaltkonferenz dann am Wochenende stattfinden.

Wieler plädierte nachdrücklich gegen Lockerungen der Corona-Maßnahmen über die Feiertage. Das Plateau, auf dem man sich befinde, sei «äußerst fragil». Die Fallzahlen könnten rasch wieder exponentiell steigen, dafür reichten wenige zusätzliche Fälle aus.

«Das müssen wir verhindern», betonte der RKI-Chef. Einen harten Lockdown vom 24. Dezember bis mindestens 10. Januar hatte in dieser Woche die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina empfohlen - unter den Unterzeichnern war auch Wieler.

Die Gesundheitsämter seien zunehmend erschöpft, sagte Wieler. In einigen Regionen hätten Krankenhäuser ihre Belastungsgrenze erreicht. «Wir sehen immer mehr Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen.» Und auch die Zahl der schweren Verläufe und Todesfälle nehme zu. Das Virus zirkuliere zunehmend in Risikogruppen. Mehr als 13.000 der 20.372 Toten nach Corona-Infektionen in Deutschland seien 80 Jahre und älter.

Nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) wurden am Donnerstag 4339 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen behandelt. 58 Prozent von ihnen wurden invasiv beatmet. «Wir haben jetzt eine wirkliche Krisensituation», sagte Divi-Präsident Uwe Janssens der Deutschen Presse-Agentur. Er sei enttäuscht, dass es überhaupt zur jetzigen Lage kommen musste. «Die Warnungen waren ja schon lange da.»

Für ganz Deutschland gab das RKI einen neuen Höchstwert von 149 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen an. Zu Beginn des Teil-Lockdowns im November waren es um die 120 gewesen. Bund und Länder wollen erreichen, dass es weniger als 50 werden - dann könnten Gesundheitsämter Infektionsketten wieder nachverfolgen.

Beim Infektionsgeschehen gibt es in den Bundesländern jedoch große Unterschiede: Mit 310 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen hatte Sachsen am Donnerstag den mit Abstand höchsten Wert, gefolgt von Thüringen (192) und Bayern (186). Die niedrigsten Werte hatten Schleswig-Holstein (59), Mecklenburg-Vorpommern (66) und Niedersachsen (79).

Bundesweit hat das RKI seit Beginn der Pandemie 1.242.203 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 registriert (Stand: 10.12., 00.00 Uhr). Nach Schätzungen sind rund 922,100 Menschen inzwischen genesen. Damit gibt es derzeit rechnerisch rund 300,000 aktive Corona-Fälle.

Um Ansteckungen zu verhindern, müssten alle konsequent mitmachen, appellierte der RKI-Chef mit Blick auf die Regeln zu Mindestabständen, Hygiene, Alltagsmaske und Lüften. Alle sollten Kontakte auf das «zwingend Notwendige» reduzieren, appellierte er. Man solle auf Treffen verzichten und Freunde und Familie schützen. Die Trendwende sei nur gemeinsam zu schaffen.

Die Verringerung der Kontakte im aktuellen Teil-Lockdown reiche nicht aus. «Wir kommen auf etwa 40 Prozent», sagte Wieler. Nötig seien aber über 60 Prozent - so wie im Frühjahr. Als Gründe für die Negativ-Entwicklung in Deutschland nannte er eine gewisse Ermüdung, sich an die Schutzmaßnahmen zu halten. Das Risikobewusstsein habe sich teilweise verändert.

Bisher erkrankten dank der Maßnahmen aber weniger Menschen an anderen Atemwegsinfektionen als in den Vorjahren, schilderte Wieler. Die meisten erfassten Fälle seien nun auf Corona zurückzuführen. Denn hier gebe es eine geringere Immunität. Nach Schätzungen hätten inklusive der Dunkelziffer weniger als zehn Prozent der Bundesbürger bisher eine Corona-Infektion gehabt, so der RKI-Chef.

© dpa-infocom, dpa:201210-99-640089/8

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