Ausschreitungen in der Türkei

Erdogan-Fans wollen Protestler "zerschmettern"

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Erdogans Anhänger empfingen ihren Präsidenten am Flughafen mit Jubelschreien

Istanbul - Erdogans Anhänger haben ihrem Präsidenten einen jubelnden Empfang bereitet. Der schlug prompt einen unversöhnlichen Ton an. Seine Fans wollten losziehen und die Demonstranten "zerschmettern".

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyib Erdogan hat vor tausenden jubelnden Anhängern einen unversöhnlichen Ton gegen regierungskritische Demonstranten angeschlagen. Bei seiner Rückkehr von einer viertägigen Nordafrikareise sagte er am frühen Freitagmorgen in Istanbul: „Diese Proteste grenzen an Illegalität und müssen sofort aufhören.“ Er fügte hinzu: „Wir sind nie dafür gewesen, Spannungen zu erzeugen und zu polarisieren. Aber wir können nicht der Brutalität applaudieren.“

Die Menge reagierte mit Drohungen gegen die Demonstranten auf dem Istanbuler Taksim-Platz, wo am Donnerstag wieder Tausende den sechsten Tag in Folge demonstrierten. „Lasst uns losziehen, lasst sie uns sie zerschmettern“, riefen die Anhänger Erdogans. „Istanbul ist hier, wo sind die Plünderer?“ Erdogan hatte zu Beginn der Proteste die Demonstranten als Plünderer und Unruhestifter bezeichnet, dann aber auch gesagt, dass die Polizei unverhältnismäßig Gewalt angewandt haben könnte.

Anhänger: "Schlafe nicht, Istanbul, verteidige deinen Führer"

Seit einer Woche demonstrieren Zehntausende gegen Erdogans Regierungsstil, am Donnerstag neben Istanbul mehr als 10.000 in Ankara. Ausgelöst wurden die Proteste vom harten Vorgehen der Polizei bei einer Demonstration gegen ein Bauprojekt in Istanbul, dem ein Park weichen soll. Inzwischen werfen Demonstranten Erdogan einen autokratischen und zunehmend arroganten Regierungsstil vor - Vorwürfe, die der Regierungschef zurückweist.

Sie sagen, ich bin der Ministerpräsident von nur 50 Prozent“, sagte er in Anspielung auf seinen Wahlsieg vor zwei Jahren. „Das ist nicht wahr. Wir haben allen 76 Millionen vom Osten bis in den Westen gedient.“ Erdogan hatte vor seiner Abreise aus Tunesien einen etwas versöhnlicheren Ton angeschlagen, in der Sache aber - Umbaumaßnahmen im Zentrum Istanbuls - nicht nachgegeben. Seine Anhänger feierten ihn mit Sprechchören wie „Wir sind mit Ihnen, Erdogan“, „Schlafe nicht, Istanbul, verteidige deinen Führer“ und „Denen, die die Hand gegen Polizisten erheben, sollte die Hand gebrochen werden“. Es war die erste große Bekundung von Unterstützung für Erdogan nach gut einer Woche Proteste gegen seine Regierung.

Anti-Erdogan-Proteste in der Türkei

Anti-Erdogan-Proteste in der Türkei

Seit vergangenem Freitag haben Zehntausende in 78 türkischen Städten gegen Erdogan demonstriert. Drei Menschen kamen bei Zusammenstöße mit der Polizei ums Leben- zwei Demonstranten und ein Polizist.

Die Türkische Menschenrechtsstiftung teilte mit, bisher hätten sich 4300 Menschen wegen Beschwerden nach Tränengaseinsätzen behandeln lassen. Nach Angaben von Innenminister Muammer Güler wurden bei 746 Protesten mehr als 500 Polizisten verletzt. Bei den Protesten wurden nach amtlichen Angaben auch sieben Ausländer festgenommen, darunter ein Deutscher.

AP

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