Kommt der Autobauer wieder in die Spur?

Opel-Aufsichtsrat winkt Sanierungsplan durch

Detroit - Opels neuer Sanierungsplan fällt milde aus: keine Werkschließungen, keine Entlassungen. Zunächst. Doch kann der sanfte Umbau den Traditionshersteller retten?

Das waren noch Zeiten, als die Jungs vom FC Bayern mit dem Opel-Logo auf ihren Trikots auf Torejagd gingen. Lothar Matthäus oder Jürgen Klinsmann trugen das Emblem, wenn sie auf dem Platz standen. Doch 2002 war Schluss: Das Sponsoring wurde Opel zu teuer. Heute ist es die Schwestermarke Chevrolet, die Abermillionen für einen Werbevertrag mit dem englischen Top-Club Manchester United locker macht. Opel muss noch immer sparen.

Am Donnerstag hat Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke seinen Sanierungsplan vorgestellt, mit dem er den angeschlagenen Autobauer wieder in die Spur bringen will. Kernpunkt ist die Zusammenarbeit mit dem französischen Autokonzern PSA Peugeot Citroën. Auf Entlassungen oder gar Werksschließungen verzichtet das Management - zumindest vorerst. Doch reicht diese sanfte Sanierung, die vor allem auf Investitionen in neue Produkte und Märkte baut? Oder ist es nur eine weitere Station beim unaufhaltsamen Niedergang?

Seit 1999 ist es Opel nur einmal gelungen, auf Jahressicht Gewinn zu schreiben - das war 2006. Ansonsten: Verluste, Verluste, Verluste. Und immer wieder fand das Opel-Management einen Schuldigen für das schlechte Abschneiden: Vor vier Jahren war es die Finanz- und Wirtschaftskrise, heute ist es die Schuldenkrise in Europa.

Schlechte Zahlen

Alleine in den ersten fünf Monaten diesen Jahres gingen die Opel-Neuzulassungen in Deutschland um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Europaweit büßten die Rüsselsheimer und ihre britische Schwester Vauxhaull nach Daten des Automobil-Verbandes ACEA sogar um 16 Prozent ein.

Dass es derzeit schwer ist, in Europa Autos zu verkaufen, will niemand bestreiten. Renault, Peugeot oder Fiat müssen noch größere Einbrüche verkraften. Trotzdem: Es gibt auch Gewinner - und Opels Marktanteil schrumpft.

Wie es anders geht, zeigt ausgerechnet Chevrolet. Mit ihren vergleichsweise günstigen Preisen hat es die Hauptmarke des Autokolosses General Motors geschafft, im krisengeschüttelten Europa im gleichen Zeitraum um 14 Prozent zu wachsen, wenn auch auf niedrigem Niveau. Die Technik stammt aus dem GM-Teileregal, die Autos werden zumeist in Südkorea gebaut und die Marke ist so amerikanisch wie Burger und Coca-Cola.

Das Rezept scheint Europas Autokäufern zu munden. Kein Wunder, bei dem Angebot. So basiert der kompakte Chevrolet Cruze auf der gleichen Plattform wie der Opel Astra. Der Elektrowagen Chevrolet Volt und der Opel Ampera sind bis auf kleine Unterschiede sogar baugleich. Da stellen sich viele Kunden die Frage: Warum 42 900 Euro für den Opel-Stromer ausgeben, wenn es den Chevy für einen Tausender weniger gibt?

Ist GM die Tochter Opel egal?

Die viel weitergehende Frage lautet dann: Warum braucht es Opel, wenn die Europäer auch Chevrolet kaufen? Noch liegen die verkauften Stückzahlen zwar weit auseinander: Opel kam bis Mai in Europa auf knapp 370 000 Wagen, Chevrolet auf 84 000. Doch wenn der Trend anhält, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Kräfteverhältnisse umkehren.

Die für die Opelaner traurige Wahrheit ist: Der Konzernspitze in Detroit kann eigentlich egal sein, welche ihrer Töchter denn in Europa Autos unters Volk bringt. Hauptsache, am Ende stimmt die Rechnung. Der GM-Strategiechef und Opel-Aufsichtsratsvorsitzende Stephen Girsky stellte schon im vergangenen Dezember die Frage in den Raum, ob Opel- und Chevrolet-Modelle zukünftig nicht noch ähnlicher werden könnten.

Als Vorbild führte Girsky ausgerechnet den Erzrivalen Volkswagen ins Feld: Die Marken VW, Skoda oder Audi grenzten sich erfolgreich ab, aber arbeiteten bei der Technik wo nötig zusammen, erklärte er. “Wenn wir das genauso gut hinkriegen, können wir auch gewinnen.“ Ob es dann allerdings noch Werke in Deutschland braucht, um die Chevrolet-Opels zu bauen, ließ er offen.

dpa

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