Nordkorea verlegt Rakete an die Ostküste

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Pjöngjang - Nordkorea lässt seinen Drohungen Taten folgen und verlegt offenbar Raketen an die Ostküste. Sie könnten möglicherweise Japan und Südkorea gefährden.

Nordkoreas Führung baut weiter an ihrer Drohkulisse gegen die USA. Südkoreas Verteidigungsminister Kim Kwan Jin sagte vor Abgeordneten am Donnerstagmorgen in Seoul, das nordkoreanische Militär habe eine Rakete mit einer „erheblichen Reichweite“ an seine Ostküste verlegt. Die Rakete könne jedoch nicht das amerikanische Festland erreichen, sagte er entgegen japanischen Medienberichten.

Die Reichweite der Raketen könnte laut anderslautenden Medienberichten etwa 3000 Kilometer betragen, sodass Japan und Südkorea potenzielle Ziele wären. Kim sagte, er kenne Nordkoreas Gründe für die Aktion nicht, möglicherweise sei die Verlegung für einen Test oder eine Übung vorgenommen worden. Er sagte, es gebe bislang keine Anzeichen dafür, dass Nordkorea für einen Angriff mobil mache. Dennoch sei Südkoreas Militär bereit, mit jeder Art von Provokation umzugehen.

Wenige Stunden zuvor genehmigte die Regierung dem Militär des Landes einen Atomangriff auf die USA. Die Streitkräfte seien autorisiert, Aggressionen der USA mit dem Einsatz von Atomwaffen zu begegnen, teilte ein Armeesprecher mit.

Die USA hatten am Mittwoch die Stationierung eines Raketenabwehrsystems auf der Pazifikinsel Guam angekündigt. Davor hatten sie bereits Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe in die Region verlegt. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel nannte die fortgesetzten Kriegsdrohungen Nordkoreas eine echte Gefahr für die USA und ihre Verbündeten. Seine Regierung werde alles tun, um diese Gefahr zu entschärfen.

Offenbar hat Nordkorea bereits damit begonnen, die teilweise stillgelegte Atomanlage in Yongbyon wieder aufzubauen, so dass sie schneller als erwartet einsatzfähig sein könnte. Das US-Korea-Institut an der John Hopkins Schule für Internationale Studien teilte nach der Auswertung von Satellitenbildern mit, dass möglicherweise bereits Anfang Februar mit dem Wiederaufbau begonnen worden sei. Nordkorea hatte erst am Dienstag angekündigt, die Anlage wieder in Betrieb zu nehmen. Dort könnten dann auch Bestandteile für Atomwaffen produziert werden.

So inszeniert sich Bubi-Diktator Kim Jong Un

So inszeniert sich Bubi-Diktator Kim Jong Un

Kim Jong Un besucht ein Munitionsdepot im Süd-Westen Nordkoreas. Alle Bilder wurden von der offiziellen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA herausgegeben und können als Propagandamaterial verstanden werden, das den jungen Diktator im besten Licht zeigen soll © dpa/AP
Bevor er das Depot besichtigt, hält er vor den Soldaten eine Ansprache und ermahnt sie zu "höchster Wachsamkeit" angesichts des potenziellen Krieges © dpa/AP
Anschließend lässt er sich von den anwesenden Militärs als Herrscher des Landes feiern © dpa/AP
Kim Jong Un wird bei einem Besuch des Militärstützpunktes auf der Insel Mu von Offizieren umringt © dpa/AP
Zusammen mit ranghohen Militärs inspiziert er in Pjöngjang die Langstrecken-Artillerie © dpa/AP
Es ist beinahe immer das selbe Bild: Egal wo Kim Jong Un auftaucht, jubeln ihm die Soldaten zu - hier bei einem Besuch des Stützpunktes auf der Insel Jangjae © dpa/AP
Es ist beinahe immer das selbe Bild: Egal wo Kim Jong Un auftaucht, jubeln ihm die Soldaten zu - hier bei einem Besuch des Stützpunktes auf der Insel Jangjae © dpa/AP
Kim Jong Un bei einer Besprechung mit Offizieren. Scheinbar fachmännisch erteilt er Anweisungen © dpa/AP
Auch auf der Insel Wolnae schaut der junge Diktator bei seinen Truppen vorbei © dpa/AP
Kim Jong Un nimmt eine Waffe genauer unter die Lupe © dpa/AP
Ein Lächeln für die Kamera: Kim Jong Un zeigt sich gerne mit Militärs und insziniert sich dabei als gelassener Machthaber, der der Lage Herr ist © dpa/AP
Kim Jong Un hat alles genau im Blick. Das zumindest scheint dieses Foto ausdrücken zu wollen. © dpa/AP
Überhaupt lässt sich Kim Jong Un gerne mit einem Fernglas vor dem Gesicht ablichten © dpa/AP
Hier beobachtet er eine Truppenübung, bei der auch geschossen wird © dpa/AP
Kim Jong Un beobachtet Störe in einem Becken auf einer Fisch-Farm im Süd-Westen des Landes © dpa/AP
Während Kim Jong Un seinen Soldaten auf der Insel Wolnae zuwinkt, müssen sich mehrere Männer die Füße naßmachen, damit der Diktator trockenen Fußes über das Meer schippern kann © dpa/AP
Kim Jong Un mit ernster Miene auf einem Boot © dpa/AP
Kim Jong Un im Gespräch mit Offizieren, die ihn auf der Bootsfahrt begleiten © dpa/AP
Und tatsächlich: Dann finden die Männer doch noch etwas, worüber es sich zu lachen lohnt. © dpa/AP
Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un grüßt im April 2012 bei einer Parade in Pjöngjang sein Volk © dpa/AP

Derweil knackten Hacker offenbar die offiziellen Kanäle der nordkoreanischen Führung in mehreren sozialen Netzwerken. Vier Kurzmitteilungen mit dem Wort „gehackt“ wurden am Donnerstag über das Twitter-Konto der nordkoreanischen Regierung, @uriminzok, veröffentlicht. Ein fünfter Tweet lautete „Tango Down“, was im Militärjargon für die Ausschaltung eines Feindes steht.

Ein Link führte schließlich weiter auf die Regierungsseite beim Bilderdienst Flickr. Auch dort hatten sich Hacker offenbar Zugang verschafft: Auf der Seite waren Inhalte zu sehen, die stark von dem üblichen Propagandamaterial der Regierung abwichen, unter anderem ein Steckbrief von Staatschef Kim Jong Un, auf dem dessen Gesicht mit Schweineohren und -nase und dessen Brust mit einem Micky-Mouse-Konterfei entstellt war. Ein Bild zeigte eine schwarze Fläche auf der in weißen Buchstaben eine Referenz an die Hackergruppe „Anonymous“ geschrieben stand. In einer mutmaßlich von „Anonymous“ stammenden Online-Mitteilung bekannte sich die Gruppe zu dem Übergriff.

Nordkorea führt seit 2010 unter dem Namen „uriminzokkiri“ offizielle Konten bei Twitter, Flickr und YouTube.

AP

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