Ticker zum Treffen in London

Nach Nato-Gipfel: Trump überrascht mit Aussage zu Merkel

Der Nato-Gipfel in London ist beendet. Donald Trump fühlt sich als Gewinner und feiert seinen Erfolg. Ein Botschafter entlockt ihm ein überraschendes Lob für Angela Merkel.

  • Die Staatschefs tagten am 3. und 4. Dezember in London auf dem Nato-Gipfel.
  • Dabei zeigte sich Donald Trump einmal mehr angriffslustig und nahm besonders Emmanuel Macron ins Visier.
  • Nach der Abreise aus Großbritannien feiert sich der US-Präsident für seine Leistungen.

Update vom 5. Dezember, 22.15 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat trotz seiner Kritik an den seiner Ansicht nach zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel gelobt. „Sie ist wirklich eine fantastische Frau“, sagte Trump am Donnerstag bei einem Mittagessen mit Botschaftern der im UN-Sicherheitsrat vertretenen Staaten im Weißen Haus. Zum Auftakt des Treffens hatte Trump jene Nato-Staaten kritisiert, die nach seiner Überzeugung hinter den selbstgesteckten Nato-Zielen zurückzubleiben - ohne allerdings die betroffenen Länder zu nennen. In der Vergangenheit hatte er in diesem Zusammenhang ausdrücklich immer wieder Deutschland kritisiert.

Der deutsche UN-Botschafter Christoph Heusgen sorgte in der Runde im Weißen Haus für Gelächter, als er an die Adresse Trumps sagte: „Ich habe mich nur gefragt, wen Sie gemeint haben, als Sie über die Nato gesprochen haben.“ Trump antwortete, das sei eine sehr interessante Konversation, die er auch „mit Angela“ gehabt habe - der US-Präsident und die Kanzlerin waren am Mittwoch beim Nato-Gipfel in Großbritannien zusammengekommen. „Sie ist eine fantastische Frau“, sagte er am Donnerstag. „Sie ist wirklich eine fantastische Frau.“

Nach Nato-Gipfel: Trump feiert sich für „nie zuvor erreichten“ Erfolg 

Update von 14.08 Uhr: Für Donald Trump war seine Reise zum Nato-Gipfel ein voller Erfolg. Im Überschwang der Gefühle lobt er seine in London gewonnenen Errungenschaften via Twitter als „gewaltig“. Der Republikaner ist stolz, für sein Land etwas erreicht zu haben, was keinem Präsidenten zuvor in so kurzer Zeit gelungen sei. Ohne dass die USA höhere Beiträge zahlen müsse, würden andere Länder zwischen 130 und 400 Millionen US-Dollar - umgerechnet 117 respektive 360,5 Milliarden Euro - zusätzlich beisteuern. Trump beschließt seine Botschaft mit reichlich Eigenlob: „So etwas wurde noch nie zuvor erreicht.“

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Update vom 5. Dezember, 12.25 Uhr: Der Nato-Gipfel in Großbritannien ist beendet, doch die vermeintlichen Lästereien mehrere Staatschefs über Donald Trump und auch das Verhalten des US-Präsidenten wirken nach. In der „ARD“-Sendung von Sandra Maischberger kritisierte Susan Link die mächtigen Männer: „Das hat tatsächlich etwas von Geburtstag, aber auch Affenhügel und Kindergarten. Also allein der Auftritt von Trump gemeinsam mit Herrn Macron - wer sitzt breiter da? Wer quetscht wem mehr die Hand ab, wenn man sich Guten Tag sagt?“

Die „ARD“-Moderatorin fuhr fort: „Danach geht man zur Queen und lästert in kleiner Gruppe über den, der gerade nicht dabei ist. Das ist zwar alles sehr unterhaltsam. Wenn man am Ende sagt, man stehen doch wieder alle zusammen, hat es eine geringe Glaubwürdigkeit.“

Derweil konnte sich ein anderer Gast der Talkshow einen Seitenhieb auf Trump nicht verkneifen. Dessen geschmackloser Hinweis auf den Zustand der Nato nutzte Thomas Gottschalk, um festzustellen: „Es geht mir besser als der Nato. Hirntot bin ich nicht.“ Nach dem Radio-Aus Gottschalks beim BR hatte er zuletzt mit Gerüchten um seine Gesundheit zu kämpfen. Allerdings stellte er bereits mehrmals klar, dass er sich gut fühle und aus anderen Gründen einen Schritt kürzer treten wolle.

Update 18.30 Uhr: Trotz vieler Differenzen haben sich die Nato-Staaten bei ihrem Gipfel zum 70. Gründungsjahr der Organisation auf eine gemeinsame Abschlusserklärung geeinigt. Darin erneuern die Verbündeten ihre gegenseitige Beistandsverpflichtung und positionieren sich erstmals zum militärisch aufstrebenden China, ohne das Land ausdrücklich als Bedrohung einzustufen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wertete es auch als Erfolg, dass die Nato nun einen Reflexionsprozess über ihre Zukunft startet.

Das zweitägige Treffen in London und im britischen Watford habe "einmal mehr gezeigt, dass die Nato der einzige Ort bleibt, an dem Europa und Nordamerika jeden Tag gemeinsam diskutieren, entscheiden und handeln", sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Alle 29 Staats- und Regierungschefs hätten bekräftigt, dass sie zur kollektiven Beistandsklausel des Nordatlantikvertrages stünden nach dem Motto "Alle für einen und einer für alle."

Update von 16.57 Uhr: Man müsse bei dem Thema mit Russland ins Gespräch kommen, sagt sie - aber das Angebot für ein Moratorium bei atomaren Mittelstreckenwaffen lehnt Angela Merkel ab. „Ich glaube, dass man das Moratorium nicht so einfach akzeptieren kann“, sagte die Bundeskanzlerin in London. Die USA waren Anfang 2019 aus dem INF-Vertrag mit Russland zur Begrenzung atomar bestückbarer Mittelstreckenraketen ausgestiegen. Washington und die Bündnispartner werfen Moskau schon lange vor, das Abkommen durch neue Marschflugkörper zu verletzen. Die Nato will bis Mitte 2020 über ihre Reaktion entscheiden.

Donald Trump indes lobte die stark steigenden Militärbudgets der europäischen Nato-Staaten: „Das ist beispiellos und wird die Nato stärker machen.“ Seine Dauerkritik an den deutschen Militärausgaben wiederholte der US-Präsident nur in sehr milder Form. Deutschland sei „ein bisschen unter dem Limit“ des Nato-Ziels von zwei Prozent der Wirtschaftskraft.

In den USA läuft währenddessen weiterhin das Impeachment-Verfahren gegen Trump. Melania Trump schritt, als über Baron Trump ein Witz gemacht wurde, stellvertretend für Donald Trump über Twitter ein. 

Nato-Gipfel: Trump twittert über Verteidigungsausgaben

Update von 15.42 Uhr: US-Präsident Donald Trump* wird keine Abschlusspressekonferenz halten. In einem ersten Tweet am Mittwochnachmittag lobte er die Ergebnisse des Nato-Gipfels, twitterte gleich darauf aber mit Blick auf die Nato-Verteidigungsausgaben: „...Komme gerade aus den Treffen mit Türkei und Deutschland. Jetzt stehen die Treffen mit den Ländern an, die das Ziel der Verteidigungsausgaben von zwei Prozent erreicht haben, gefolgt von Dänemark und Italien...“, stichelte er gegen Merkel. Trump drängt bekanntlich auf die Einhaltung des Zwei-Prozent-Ziels für Deutschland bei den Rüstungsausgaben.

Weiter schrieb der US-Präsident: „Wenn die heutigen Treffen vorbei sind, werde ich mich zurück auf den Weg nach Washington machen. Wir halten keine Pressekonferenz zum Abschluss des Nato-Gipfels ab, weil wir die letzten zwei Tage schon so viele hatten. Eine gute Reise an euch alle!“ Ein Bruch mit der Tradition.

Nato-Gipfel: Nach Merkel-Treffen stichelt Trump - und bricht mit Tradition

Update von 15.17 Uhr: Das große Zerwürfnis mit Recep Tayyip Erdogan ist ausgeblieben. Der türkische Präsident hatte gedroht, den Gipfel zu blockieren, falls die Nato die Kurdenmiliz YPG nicht als Terrororganisation einstuft. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte jetzt in einer Pressekonferenz, die Türkei habe den Plan für die baltischen Staaten und Polen akzeptiert: „Da gab es ja noch Uneinigkeiten, bevor das Treffen begann.“

Positiv fiel auch ihre Bilanz des Treffens mit Donald Trump aus. Der US-Präsident habe sie „sehr eindrücklich“ auf die Verteidigungsausgaben hingewiesen, die Deutschland seit seiner Amtszeit ja auch gesteigert habe. Es wachse das „gegenseitige Verständnis“ besonders in Bezug auf die „unterschiedlichen geographischen Lagen“. Aber das heiße nicht, dass man „immer einer Meinung“ sei, sagte Merkel diplomatisch.

Die Journalisten vor Ort fragten Merkel auch nach dem Mord an einem Georgier in Berlin - werde das die Gespräche mit Wladimir Putin in der kommenden Woche belasten? Die Bundesregierung hat am Mittwoch angekündigt, zwei russische Diplomaten auszuweisen. Bei dem Treffen am Montag (9. Dezember) werde es um die Ukraine und den Minsker Friedensplan gehen, antwortet Merkel. Sie hob aber hervor: „In den bilateralen Beziehungen ist es schon ein Ereignis, dass wir von Russland keine Hilfe bei der Aufklärung des Falls bekommen haben.“

Nato-Gipfel: Erdogan droht Trump, Merkl und Macron mit radikalem Schritt

Update von 12.19 Uhr: Zum Auftakt des Nato-Gipfels zeigen sich tiefe Risse im Bündnis. Kurz vor dem Treffen forderte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Bündnismitglieder dazu auf, die in Nordsyrien tätige Kurdenmiliz YPG als „Terrororganisation“ einzustufen. Passiere dies nicht, „dann werden wir gegen alle hier anstehenden Schritte sein“, sagte Erdogan, der dafür bekannt ist, dass er resolut gegen Dissidenten in der Türkei vorgeht.

Nach türkischen Medienberichten hat die Türkei bereits ein Veto gegen die weitere Verstärkung der Nato-Verteidigung in den baltischen Staaten und Polen gegenüber Russland eingelegt. Frankreich befürchtet einem Nato-Diplomaten zufolge, dass Erdogan die Abschlusserklärung des Gipfels blockieren könnte. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) suchte die Wogen zu glätten. Sie bewertete ein Vierertreffen mit Erdogan, dem französischen Präsidenten Emmanuel  Macron und dem britischen Premier Boris Johnson am Dienstagnachmittag zu Syrien positiv. Es habe gezeigt, "dass Begegnungen doch immer gut sind", auch wenn noch ein "längerer Diskussionsprozess" bevorstehe. Macron nannte das Vierertreffen "nützlich", auch wenn "nicht alle Unklarheiten" ausgeräumt seien. 

Nato-Gipfel in London: Bei Eröffnung fehlen viele Royals - Merkel äußert sich zu Trump/Macron

Update vom 4. Dezember 2019: Seit Dienstagabend (3. Dezember) ist der Nato-Gipfel in London offiziell eröffnet - mit einem Empfang bei Königin Elizabeth II. im Buckingham Palace. US-Präsident Donald Trump und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron trugen bereits am Dienstag offen Streit aus. 

Trump ging Macron wegen dessen„Hirntod“-Diagnose am Dienstag scharf an - doch der gab Kontra. Trotz des Streits äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel „relativ optimistisch“. Denn immerhin einigten sich 29 Bündnispartner vorab auf eine „Londoner Erklärung“. Darin bekräftigen sie den Kern der Nato: den gegenseitigen Beistand

Angela Merkel (CDU) mit Queen Elizabeth II. während des Nato-Gipfel-Empfangs im Buckingham Palace

Nicht alle Royals waren bei dem Empfang dabei: Prinz Andrew trat kürzlich bis auf Weiteres von allen öffentlichen Aufgaben für das Königshaus zurück. Er ist in den Missbrauchsskandal um den verstorbenen US-Geschäftsmann Jeffrey Epstein verwickelt. 

Prinz William ist zur Zeit auf seinem ersten offiziellen Besuch in Kuwait und im Oman. Sein Bruder Prinz Harry und dessen Frau Herzogin Meghan hatten den Empfang ebenfalls abgesagt. Sie haben eine mehrwöchige Pause von öffentlichen Verpflichtungen eingelegt. Meghan galt vor ihrer Hochzeit mit Harry zudem als scharfe Trump-Kritikerin und war auch bei früheren Gelegenheiten nicht dabei, wenn der US-Präsident in Großbritannien zu Besuch war.

Trump überrascht Macron mit absurder Frage vor aller Augen

Update vom 3. Dezember 2019: US-Präsident Donald Trump hat die Nato in der Vergangenheit zwar schon als „obsolet“ bezeichnet - nun aber den französischen Präsidenten Emmanuel Macron für seine massive Kritik an der Nato abgekanzelt und die Militärallianz überraschend verteidigt. Die Aussage von Macron, die Nato sei „hirntot“, sei „beleidigend“, „gefährlich“ und „respektlos“, sagte Trump am Dienstag vor dem offiziellen Beginn eines zweitägigen Nato-Gipfels in London. „Die Nato dient einem großartigen Ziel“, sagte Trump.

Macron dagegen hat auf dem Gipfel seine Kritik an der Nato erneuert, was eine Mehrheit der Deutschen stützt: „Meine Äußerungen haben Reaktionen hervorgerufen. Aber ich stehe dazu.“ Es gehe um die strategische Ausrichtung des Militärbündnisses. Dazu zähle eine gemeinsame Definition von Terrorismus, sagte Macron. Diese fehle bisher. Die Türkei kämpfe in Nordsyrien gegen jene, die vorher an der Seite der westlichen Partner gegen die Terrororganisation Islamischer Staat gekämpft hätten. 

„Das ist ein Problem, das ist ein strategisches Problem“, sagte Macron. Gemeint sind kurdische Milizen, gegen die die Türkei mit ihrer Militäroffensive in Nordsyrien vorgeht. Trotz seines heftigen Angriffs auf Macron äußerte sich Trump bei dem gemeinsamen Auftritt zurückhaltend.

Trump bietet Macron „nette IS-Kämpfer“ an

Für Aufsehen erregte dann auch ein Treffen zwischen Trump und Macron am Rande des Gipfels. Bei dem Treffen nörgelte Trump einmal mehr, dass europäische Regierungen in Syrien gefangen genommene IS-Kämpfer aus ihren Staaten nicht zurücknehmen. Den französischen Präsidenten stieß Trump vor den Kopf als er vor Journalisten fragte: „Möchten Sie ein paar nette IS-Kämpfer?“ „Sie können jeden nehmen, den sie wollen.“

Der verdutzte Macron antwortete ausweichend, nach langer Rede sagte er aber, nicht die ausländischen Kämpfer seien das Problem, sondern der Umstand, dass der IS noch nicht besiegt sei. Der US-Präsident antwortete spöttisch: „Deswegen ist er ein so großartiger Politiker. Das war eine der großartigsten Nicht-Antworten, die ich jemals gehört habe.“ Mit Macron liegt Trump auch noch bei einem anderen Thema im Clinch. Weil Frankreich mit der Einführung einer Digitalsteuer liebäugelt, erwägen die USA, französische Produkte mit Strafzöllen zu belegen.

In der Folge der Pressekonferenz kam Macron übrigens mit seinen Präsidentenkollegen Johnson, Trudeau und Rutte ins Gespräch. Dabei fielen Aussagen, die Trump nicht gefallen haben

Verteidigungsausgaben: Trump wettert gegen Deutschland

Seine Kritik an Deutschland wegen Verteidigungsausgaben erneuerte Trump indes.Aus seiner Sicht nützt die Nato den Europäern mehr als den USA. Trotz versöhnlicherer Töne beklagte der US-Präsident in London erneut die unfaire Lastenverteilung unter den Bündnispartnern und erneuerte seine Kritik an den Verteidigungsausgaben Deutschlands. Dabei nannte er jedoch Zahlen, die deutlich unter den Nato-Angaben liegen. Die USA zahlten 4,0 bis 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung, während Deutschland nur 1,0 bis 1,2 bei einem deutlich niedrigeren BIP ausgeben würde, sagte Trump. „Das ist nicht fair.“

Deutschland gab nach der offiziellen Nato-Statistik in diesem Jahr 1,38 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus und die USA 3,42 Prozent. Die Nato hat sich mindestens zwei Prozent jedes einzelnen Mitgliedstaats zum Ziel gesetzt. Die Bundesregierung will bis 2024 1,5 Prozent erreichen, 2014 waren es noch 1,2 Prozent.

Erdogan nennt Macron „hirntot“ - Frankreich bestellt Botschafter ein

Update vom 29. November 2019: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat vor einem Nato-Gipfel in der kommenden Woche den französischen Präsidenten Emmanuel Macron scharf angegriffen. Zu dessen jüngsten Bemerkungen über die Nato sagte Erdogan am Freitag während einer Rede an einer Universität in Istanbul, dass sie das „Beispiel einer kranken Ideologie“ seien. „Was sagt er? ‚Die Nato ist hirntot.‘ Herr Macron, sehen Sie, ich sage es aus der Türkei und ich werde bei der Nato wiederholen: Lassen Sie erstmal Ihren Hirntod überprüfen.“

Frankreich bestellte am Freitag den Botschafter der Türkei in Paris ein. Die Einbestellung des türkischen Botschafters ins Pariser Außenministerium sei eine Reaktion auf die "Beleidigungen" Erdogans, erklärte der Elysée-Palast. Erdogan und Macron treffen am kommenden Dienstag beim Nato-Gipfel in London aufeinander.

Macron hatte der Nato kürzlich in einem Interview mit dem Economist (siehe unten) den „Hirntod“ bescheinigt. Es gebe bei strategischen Entscheidungen keine Koordinierung zwischen den USA und anderen Nato-Partnern. Erdogan sagte nun, "solche Äußerungen passen nur zu Leuten deiner Art, die im Zustand des Hirntods sind". 

Erdogan will kommende Woche am Nato-Gipfel in London teilnehmen. Im Vorfeld ist ein Treffen mit Macron, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem britischen Premier Boris Johnson zum türkischen Einmarsch in Syrien geplant. Der Einsatz gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) war bei den Nato-Partnern auf breite Kritik gestoßen.

Macron hatte den Alleingang der Türkei am Donnerstag angegriffen und darauf aufmerksam gemacht, dass sie Erfolge im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Gefahr gebracht habe. Erdogan erwiderte am Freitag, dass Frankreich in Syrien nichts zu suchen habe. Macron habe außerdem keine Ahnung vom Kampf gegen den Terror. Er sei „sehr unerfahren“.

„Hirntod“ der Nato? So bewertet Außenminister Maas die Vorwürfe aus Frankreich

Update vom 12. November 2019: Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat teilweise Verständnis für die umstrittenen Äußerungen von Emmanuel Macron zur Nato gezeigt. Dem französischen Präsidenten gehe es darum, Probleme und Herausforderungen "offen anzusprechen", sagte Maas beim Pariser Friedensforum. In der Tat gebe es "Handlungsbedarf in der internationalen Zusammenarbeit", und "auch innerhalb der Nato".

Aus Sicht der Bundesregierung gehe es aber darum, "alle in Europa in dieser Diskussion mitzunehmen, auch die anderen Verbündeten innerhalb der Nato", betonte Heiko Maas. "Dazu muss man offen sprechen können, das ist richtig, aber man muss vor allem miteinander sprechen", unterstrich der Außenminister. Angesprochen auf Macrons Vorwurf der "Zimperlichkeit und Heuchelei" in Richtung seiner Kritiker sagte Maas, er habe sich davon "nicht angesprochen gefühlt".

Emmanuel Macron hatte der Nato in einem Interview mit der Zeitschrift The Economist den "Hirntod" diagnostiziert. Er begründete dies unter anderem mit einer mangelnden Koordination der USA mit den Europäern und einem "aggressiven" Vorgehen des Nato-Mitglieds Türkei in Syrien.

Drastisches Urteil: Macron spricht von Nato-„Hirntod“ - Merkel kontert

Update 22.30 Uhr: Der französische Präsident Emmanuel Macron reist am Sonntag zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Berlin. Im Anschluss an die Treffen am Sonntagabend sei ein Abendessen mit Zeitzeugen des 9. November 1989 geplant, erklärte der Elysée-Palast am Donnerstag.

Heiko Maas beim EU-Außenministertreffen in Brüssel am Montag.

Es handele sich um einen "Moment des Nachdenkens über das Erbe von 1989 und den Sinn des europäischen Projektes, bei dem die Betonung auf die Bedeutung des deutsch-französischen Tandems gelegt wird", erklärte das französische Präsidialamt weiter.

Mit scharfer Kritik am Zustand der Nato hatte Macron am Donnerstag für Irritationen bei den Nato-Partnern gesorgt.

Macron fällt drastisches Urteil über Nato - und kassiert Konter von Merkel

Update von 16.36 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich zu der Bewertung der Nato durch Emmanuel Macron geäußert. Der französische Präsident bezeichnete das Verteidigungsbündnis als „hirntot“ - jetzt weist Merkel die drastische Kritik zurück. 

Nato: Angela Merkel übt Kritik an der Aussage von Emmanuel Macron

„Ich glaube ein solcher Rundumschlag ist nicht nötig, auch wenn wir Probleme haben, auch wenn wir uns zusammenraufen müssen“, sagte die Kanzlerin am Donnerstag nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Berlin. 

„Macron hat ja drastische Worte gewählt, das ist nicht meine Sicht der Kooperation in der Nato“, kritisierte Angela Merkel. „Die transatlantische Partnerschaft ist unabdingbar für uns.“ Ihrer Ansicht nach gebe es viele Bereiche, in denen die Allianz gut arbeite. Stoltenberg schloss sich der Sichtweise der Kanzlerin an. „Die Nato ist stark“, betonte er.

Drastisches Urteil von Macron: Präsident spricht von „Hirntod“ der Nato

Erstmeldung vom 7. November 2019, 14.16 Uhr: Paris/Brüssel - Wenige Wochen vor dem Nato-Gipfel zum 70-jährigen Jubiläum der Allianz hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron das Verteidigungsbündnis infrage gestellt. „Was wir derzeit erleben, ist der Hirntod der Nato“, sagte Macron der britischen Zeitschrift The Economist in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview. Es gebe „keinerlei Koordination bei strategischen Entscheidungen zwischen den USA und ihren Nato-Verbündeten“.

Frankreich: Präsident Emmanuel Macron übt harsche Kritik an Nato in Brüssel

„Wir finden uns das erste Mal mit einem amerikanischen Präsidenten wieder, der unsere Idee des europäischen Projekts nicht teilt“, sagte Macron weiter. Zudem zeige das Nato-Land Türkei ein „unkoordiniertes, aggressives“ Vorgehen in einem Bereich, in dem die Sicherheitsinteressen aller berührt seien. Damit spielte er auf die türkische Militäroffensive gegen die Kurden in Nordsyrien an.

Nato: Macron spricht in Bezug auf Europa von einer „außergewöhnlichen Schwäche“

Europa müsse seine militärische Souveränität wiedererlangen, forderte Macron in dem Interview, das der Economist im Pariser Elysée-Palast führte. Die internationale Sicherheitslage und die aufstrebende Macht China hätten zu einer "außergewöhnlichen Schwäche Europas" geführt. „Wenn Europa sich nicht als Weltmacht sehen kann, wird es verschwinden“, warnte Macron.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte in Berlin, die Nato bleibe „der Anker der Sicherheit Europas“. Gemeinsames Ziel sei „ein handlungsfähiges Europa“ und keine „Konkurrenz“, wie sie unter Anspielung auf die USA betonte.

Der NATO-Gipfel findet am 3. und 4. Dezember in London statt. In diesem Jahr feiert das Bündnis den 70. Jahrestag seiner Gründung. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ist am Donnerstag zu Besuch in Berlin. Erst kürzlich hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Meinungsverschiedenheiten mit Macron eingeräumt.

Interview mit Emmanuel Macron vor Jubiläumsgipfel der Nato 

Die Veröffentlichung des Macron-Interviews fiel in eine Zeit intensiver diplomatischer Aktivität: Neben Stoltenberg ist derzeit auch US-Außenminister Mike Pompeo in Deutschland zu Gast, der zum Gedenken an 30 Jahre Mauerfall anreiste und unter anderem mit Soldaten der US-Armee am Truppenübungsplatz Grafenwöhr in Bayern sprach.

Aus dem Umfeld Macrons verlautete, der Präsident habe mit dem Interview „nicht die Nato in ihrer Gesamtheit in Frage stellen wollen, wohl aber die Strategie und Politik der Institution“. Der Jubiläumsgipfel des Bündnisses findet am 3. und 4. Dezember in London statt.

Zum zehnjährigen Bestehen der Stiftung Auschwitz-Birkenau besucht Kanzlerin Angela Merkel (CDU) das ehemalige deutsche Vernichtungslager. Überlebende bewerten ihren Besuch als besonders wichtig

jw/AFP/frs

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Rubriklistenbild: © dpa / Michael Kappeler

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