Ruf nach Ude wird zum Chor

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Ohne jede Abstimmung ist sich die SPD einig: Münchens OB Christian Ude soll bei der Landtagswahl 2013 Spitzenkandidat werden.

Münche - Bayerns SPD ist sich ohne jede Abstimmung in den Gremien einig: Der Münchner SPD-Oberbürgermeister Christian Ude soll 2013 Spitzenkandidat werden. Wenn Ude will, ist die Nominierung Formsache.

In Bayerns SPD ist akute Sehnsucht nach einem Siegertyp ausgebrochen: Einer Spitzenkandidatur des Münchner Oberbürgermeisters Christian Ude bei der Landtagswahl 2013 steht praktisch nichts mehr im Weg. Der Ruf nach Ude wurde in der SPD-Landtagsfraktion am Mittwoch zum lauten Chor der Unterstützung. Der Fahrplan samt Termin für eine Nominierung soll bereits im Herbst stehen. Neben Fraktionschef Markus Rinderspacher sprachen sich am Mittwoch auch mehrere andere führende SPD-Abgeordnete für Ude aus. “Wir werden im Herbst das Gespräch mit Christian Ude führen und den Fahrplan festlegen“, sagte Rinderspacher. Ude habe sich gegenüber den Medien bereits eindeutig geäußert. “An Signalen fehlt es nicht mehr.“ Mehrere von Rinderspachers Landtagskollegen erklärten, sie seien sehr erfreut über die Entwicklung. “Für uns ist der Ude ein Rennpferd“, sagte die stellvertretende Fraktionschefin Inge Aures aus dem oberfränkischen Kulmbach. “Er genießt über die Parteigrenzen hinweg ein ganz hohes Ansehen.“ Aures' unterfränkischer Amtskollege Volkmar Halbleib sagte: “Unterm Strich absolut positiv.“ Der Parlamentarische Geschäftsführer Harald Güller meinte: “Ich glaube, dass Christian Ude als Spitzenkandidat eine super Wahl wäre.“

Ude ist zwar eingefleischter Münchner - genießt aber in anderen SPD-Bezirksverbänden breite Unterstützung. Auch in Mittelfranken hat Ude viele Freunde: “Ich begrüße das außerordentlich“, sagte der Wirtschaftsexperte Thomas Beyer. In Niederbayern sagte die frühere langjährige Vizefraktionschefin Johanna Werner-Muggendorfer: “Wenn er sich bereit erklärt, sollten wir das so früh wie möglich klären. Einholen kann man das sowieso nicht mehr.“ Der Augsburger Abgeordnete Linus Förster kommentierte: “Das wird in dieser Partei nicht aufzuhalten sein, wenn er kandidieren will.“ Die ehemalige Bundesministerin und frühere SPD-Spitzenkandidatin Renate Schmidt sagte der Münchner “tz“ (Donnerstag): “Es ginge endlich wieder aufwärts.“

Udes Parteifreunde verbinden eine Kandidatur mit der großen Hoffnung, dass die SPD 2013 tatsächlich zum ersten Mal seit 1953 eine bayerische Landtagswahl gewinnen könnte - Werner-Muggendorfer sprach von “Aufbruchstimmung“. “Wenn ein erfolgsgewohnter Profi wie Christian Ude die Landtagswahl 2013 als chancenreiches Projekt sieht, dann ist das ein sehr gutes Zeichen“, sagte Halbleib. Der Finanzexperte riet allerdings zur “Entschleunigung“. Zuallererst müsse sich Ude selbst entscheiden.

Der eigentliche Zeitplan für die Auswahl des Spitzenkandidaten ist damit faktisch außer Kraft - denn eigentlich hatte die Parteispitze vereinbart, nicht vor Sommer 2012 öffentlich über das Thema zu sprechen. Ude hatte aber am Dienstag selbst das Heft in die Hand genommen und erklärt, er wolle eine Klärung bis zum Herbst. Manche Sozialdemokraten grummeln ganz leicht, dass die Parteigremien übergangen wurden - aber die Zustimmung überwiegt bei weitem. Es handle sich um eine “Eigenkür“ Udes, scherzte ein Sozialdemokrat.

Für diesen Herbst ist ein kleiner Parteitag zur Gesundheitspolitik geplant - in der SPD wird mittlerweile schon überlegt, ob das Treffen zur offiziellen oder inoffiziellen Nominierung Udes genutzt werden könnte. Doch spruchreif ist das nicht.

In der CSU wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt. Ude sei ein starker Gegner, es gebe aber keine Angst oder Panik, hieß es übereinstimmend. Ein Spitzenmann erinnerte daran, dass auch der frühere Münchner SPD-Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel sehr populär gewesen sei, die Landtagswahl 1974 aber klar verloren habe. Damals hatte die CSU ihren Vorsprung sogar noch ausgebaut. Allgemein erwartet wird in der CSU, dass die SPD mit einem Spitzenkandidaten Ude im oppositionsinternen Wettstreit mit Grünen und Freien Wählern klar dominant sein wird.

dpa

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