Neue Proteste gegen Maduro

Militär besetzt deutsche Kolonie in Venezuela

Umwabert von Rauch und Tränengaswolen protestierten Tausende in Caracas gegen die Regierung. In der Hauptstadt kam es beim "Marsch der Millionen" zu schweren Ausschreitungen. Foto: Ariana Cubillos
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Umwabert von Rauch und Tränengaswolen protestierten Tausende in Caracas gegen die Regierung. In der Hauptstadt kam es beim "Marsch der Millionen" zu schweren Ausschreitungen. Foto: Ariana Cubillos
Demonstranten marschieren über eine Autobahn. Das von einer schweren Wirtschaftskrise gebeutelte erlebt regelmäßig schwere Proteste gegen die Regierung und Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Foto: Ariana Cubillos
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Demonstranten marschieren über eine Autobahn. Das von einer schweren Wirtschaftskrise gebeutelte erlebt regelmäßig schwere Proteste gegen die Regierung und Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Foto: Ariana Cubillos
Mit seiner Vision eines "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" hat Präsident Maduro das Land in eine Wirtschaftskrise und an den Rand des Bürgerkriegs gebracht. Foto: Prensa Miraflores
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Mit seiner Vision eines "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" hat Präsident Maduro das Land in eine Wirtschaftskrise und an den Rand des Bürgerkriegs gebracht. Foto: Prensa Miraflores
Protest gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro. Die Kluft zwischen Gegnern und Anhängern der Regierung scheint kaum zu überwinden. Foto: Fernando Llano
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Protest gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro. Die Kluft zwischen Gegnern und Anhängern der Regierung scheint kaum zu überwinden. Foto: Fernando Llano
Der 1843 von Einwanderern aus Deutschland gegründete Ort Colonia Tovar. Der Ort ist bis auf weiteres unter Militärkontrolle gestellt worden. Foto: Georg Ismar/Archiv
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Der 1843 von Einwanderern aus Deutschland gegründete Ort Colonia Tovar. Der Ort ist bis auf weiteres unter Militärkontrolle gestellt worden. Foto: Georg Ismar/Archiv
Venezolanische Sicherheitskräfte nehmen in Caracas einen Demonstranten fest. Im Laufe der seit Wochen andauernden Proteste wurden fast 2000 Demonstranten festgenommen. Foto: Fernando Llano
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Venezolanische Sicherheitskräfte nehmen in Caracas einen Demonstranten fest. Im Laufe der seit Wochen andauernden Proteste wurden fast 2000 Demonstranten festgenommen. Foto: Fernando Llano

50 Tage wird in Venezuela schon demonstriert, immer mehr Menschen begehren gegen den Lebensmittelmangel und eine drohende Diktatur auf. In einer deutschen Schwarzwald-Kolonie marschiert das Militär auf.

Caracas (dpa) - 50 Tage nach Beginn der Massenproteste gegen eine drohende Diktatur sind in Venezuela erneut Hunderttausende auf die Straßen gegangen. Bei heftigen Ausschreitungen wurden nach Angaben der Behörden allein in Caracas rund 50 Menschen verletzt.

In der Hauptstadt setzte die Polizei beim "Marsch der Millionen" massiv Tränengas ein. Es war eine der größten Kundgebungen gegen den sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro bisher, eine riesige Menschenmenge zog über eine Autobahn durch Caracas.

Seit April starben bei Protesten und Plünderungen 48 Menschen, es kam zu über 2000 Festnahmen. Die Opposition wirft Maduro vor, das von einer dramatischen Versorgungskrise erschütterte Land mit den größten Ölreserven in eine Diktatur zu verwandeln. Sie fordert Neuwahlen.

Maduro verlieh dem Militär Sondervollmachten, er wirft der Opposition vor, mit US-Unterstützung einen Putsch vorzubereiten und warnte den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, seine "schmutzigen Hände" von Venezuela zu lassen. Zudem zog er zuletzt einen fragwürdigen Vergleich: "Wir sind die neuen Juden des 21. Jahrhunderts", meinte Maduro zu Anhängern. "Wir tragen keinen gelben Stern, sondern haben ein rotes Herz", sagte der bis 2019 gewählte Präsident und versprach: "Wir werden kämpfen."

Auch in der von deutschen Einwanderern gegründeten Stadt Colonia Tovar kam es erstmals zu größeren Ausschreitungen. Der Ort mit seinen rund 20 000 Einwohnern wurde bis auf weiteres unter Militärkontrolle gestellt. Bei Protesten gegen Maduro war dort zuvor der Sitz der Nationalparkbehörde angegriffen worden, Autos gingen in Flammen auf.

Zunächst wurde mit Straßenblockaden versucht, ein Einmarschieren des Militärs zu verhindern. Die Nationalgarde soll ein 13-jähriges Mädchen angefahren haben, das verletzt wurde. Bilder zeigten Tränengaswolken vor dem malerischen Stadttor - Colonia Tovar erinnert mit Fachwerkhäusern und Einkehrmöglichkeiten wie dem Café "Muhstall" an den Schwarzwald. Der Ort liegt eine Stunde von Caracas entfernt.

"Das ist eine sehr angespannte Situation", sagte eine Mitarbeiterin des Hotels "Bergland" der Deutschen Presse-Agentur. Das Militär sei mit vielen Lastwagen angerückt und kontrolliere die Ortseingänge. Die Hotels seien wegen der gefährlichen Lage derzeit geschlossen.

Der Ort ist bei Tagestouristen beliebt. Deutsche Wurst und Brot sind der Renner, aber die dramatische Versorgungskrise geht auch an Colonia Tovar nicht spurlos vorbei. Es kommen weit weniger Gäste als früher. Gegründet wurde die Siedlung von 392 Badensern, die 1842 aus dem Kaiserstuhl hierhin kamen. Bis heute haben sich die alemannische Kultur und der Dialekt der Heimat erhalten. Die Kolonisten waren von Venezuela angeworben worden, der spätere Präsident Manuel Felipe de Tovar schenkte ihnen das Land, auf dem sie Obst und Gemüse anbauten.

Bericht El Nacional

Geschichte Colonia Tovar

Video Maduro mit umstrittener Aussage

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