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Geringe Wirksamkeit des Teil-Lockdowns

Leopoldina fordert härteren Corona-Lockdown: Angela Merkel alarmiert - „Pandemie droht zu entgleiten“

  • Franziska Schwarz
    VonFranziska Schwarz
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Die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina dringt auf deutlich schärfere Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus. Kanzlerin Merkel und Ministerpräsident Söder stärken diese Position.

  • Die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina plädiert vor Weihnachten für einen schärferen Lockdown.
  • Das öffentliche Leben soll wegen der Pandemie* bis in den Januar hinein „weitgehend ruhen“, erklären die Experten.
  • Ohne Komplett-Lockdown in der zweiten Welle* drohe ein längerer Teil-Lockdown - und zwar für Monate.
  • Bundeskanzlerin Merkel und Bayerns Ministerpräsident Söder stellen sich hinter die Forderungen (siehe Update vom 9. Dezember, 13.45 Uhr).

Update vom 9. Dezember, 13.45 Uhr: Es war eine ebenso emotionale wie deutliche Bekräftigung: Bundeskanzlerin Merkel (CDU) unterstützt die Vorschläge der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina auf ganzer Linie. Das machte sie am Mittwoch bei einer Rede im Bundestag deutlich. „Die Zahl der Kontakte ist zu hoch. Die Reduktion der Kontakte ist nicht ausreichend“, so Merkel. Die Politik tue gut daran, dass, was die Wissenschaft sage, „auch wirklich ernst zu nehmen“. Die Pandemie drohe sonst zu entgleiten. Sie betonte ausdrücklich, wie wichtig es sei wissenschaftlichen Fakten Glauben zu schenken und entsprechend zu handeln. „Ich habe mich in der DDR zum Physikstudium entschieden, weil ich ganz sicher war, dass man
vieles außer Kraft setzen kann, aber die Schwerkraft nicht, die Lichtgeschwindigkeit nicht und andere Fakten nicht, und das wird auch weiter gelten.“

Corona-Lockdown: Markus Söder hält Schließung von Geschäften ebenfalls für denkbar

Zuvor hatte sich bereits Bayerns Ministpräsiden Makus Söder (CSU) den Lockdown-Forderungen der Leopoldina angeschlossen. In einer Regierungserklärung am Dienstag stellte er seinen 10-Punkte-Plan zur Bekämpfung des Coronavirus in Bayern vor. Darüber hinaus könne es laut Söder zudem noch weitere Einschränkungen geben - zum Beispiel die Schließung aller Geschäfte, die nicht den täglichen Bedarf abdecken. Vom 24. Dezember bis zum 10. Januar könnte eine solche Regelung gelten.

Söder hatte zuvor gesagt, wenn die Regierungschefs der Länder zusammen mit Angela Merkel eine solche Schließung der Geschäfte beschlössen, werde Bayern dabei sein. Er reagierte damit auch auf die Empfehlung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina vom Dienstag.

Leopoldina fordert harten Lockdown mit Verschärfung in zwei Stufen

Erstmeldung vom 8. Dezember:

Halle - Experten der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina fordern für die Feiertage und den Jahreswechsel einen harten Lockdown. In einer Mitteilung vom 8. Dezember warnen sie, dass in den vergangenen sieben Tagen mehr Menschen an oder mit Sars-CoV-2* gestorben wären als es das gesamte Jahr 2019 Tote im Straßenverkehr gegeben habe. „Die gegenwärtige Situation ist nach wie vor ernst und droht sich weiter zu verschärfen“, erklärten sie. „Die Krankenhäuser und insbesondere das medizinische Personal sind bereits jetzt an der Grenze des Leistbaren.“

„Schnell eingesetzte, strenge Maßnahmen über einen kurzen Zeitraum tragen erheblich dazu bei, die Infektionszahlen deutlich zu senken“, schreiben sie - und nehmen die anstehenden Feiertage, die ein besonderes Risiko darstellten, nicht aus: „In ihnen liegt aber auch die Chance, einen großen Schritt voranzukommen.“ Länder wie Belgien oder Irland seien da Vorbilder.

Coronavirus in Deutschland: Leopoldina fordert Lockdown-Verschärfung

Die Rahmenbedingungen (geschlossenen Schulen und Behörden, Urlaub in Unternehmen) würden den Kampf gegen Corona begünstigen - allerdings nur, wenn man auch privat äußerst vorsichtig sei. Der aktuelle geltende Teil-Lockdown in Deutschland sei bislang deutlich weniger effektiv als der erste vom Frühjahr. Damals sei es gelungen, die Kontakte um etwa 63 Prozent zu reduzieren, wohingegen es nun nur etwa 43 Prozent seien.

Die Leopoldina schlägt deshalb einen Zwei-Stufen-Plan vor:

Die wichtigsten Maßnahmen vom 14. Dezember an:

  • Schulpflicht schon jetzt aufheben - nicht erst zu den Weihnachtsferien
  • Kontakte auf ein Mindestmaß reduzieren
  • Arbeitgeber müssen - sofern es möglich ist - Home Office erlauben

Die wichtigsten Maßnahmen vom 24. Dezember an (bis mindestens zum 10. Januar):

  • Die Schul-Weihnachtsferien bis zum 10. Januar verlängern
  • Auf Urlaubsreisen verzichten
  • Nur Geschäfte das täglichen Bedarfs geöffnet lassen

Um gut durch die kommenden Monate zu kommen, „reichen die gegenwärtigen Maßnahmen, auch bei wiederholter Verlängerung, nicht aus. Dennoch verursachen sie hohe soziale und ökonomische Kosten sowie psychische Belastungen“, so die Erklärung der Leopoldina zu einem verschärften Corona-Lockdown.

Außerdem empfehlen die Wissenschaftler für den Unterrichts-Wiederbeginn ländereinheitliche Regeln für Wechselunterricht in den weiterführenden Schulen, die ab einem bestimmten Infektionswert* greifen sollen. Für alle Jahrgangsstufen sollte ein Mund-Nasen-Schutz im Unterricht verpflichtend sein.

„Erforderlich ist zudem eine langfristige politische Einigung auf ein klares, mehrstufiges und bundesweit einheitliches System von Regeln, die ab einer bestimmten Anzahl von Fällen pro 100.000 Einwohner greifen. Durch ein einheitliches und nachvollziehbares Vorgehen werden die Maßnahmen für Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen transparent, verständlich und planbar“, heißt es weiter.

Die verschärften Maßnahmen seien auch aus wirtschaftlicher Perspektive „sinnvoll“, teilte die Leopoldina mit. Zwar ginge ein Lockdown zunächst mit Wertschöpfungsverlusten einher, „aber zugleich verkürzt sich der Zeitraum, bis die Neuinfektionen so weit gesunken sind, dass Lockerungen möglich werden“.

Corona-Teil-Lockdown: Merkel und Spahn schließen härtere Maßnahmen nicht aus

Und: „Ohne verschärften Lockdown in der Weihnachtspause besteht die Gefahr, dass der aktuelle Teil-Lockdown mit seinen Beschränkungen für Monate aufrecht erhalten werden muss“, glauben die Wissenschaftler. SPD*-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach twitterte zu dem Leopoldina-Gutachten: „Ich bin froh.“

Kanzlerin Angela Merkel* (CDU*) hatte am Montag in einer Video-Sitzung der Unionsfraktion nach Angaben von Teilnehmern ebenfalls betont, dass man mit den bisherigen Maßnahmen nicht von den hohen Infektionszahlen herunterkomme. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte härtere Regeln nicht ausgeschlossen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU*) unterstützt indes den von der Leopoldina geforderten „harten Lockdown“ mit Geschäftsschließungen ab Weihnachten. Wenn das eine Empfehlung der Ministerpräsidentenkonferenz werde, werde sein Bundesland dies auch machen, sagte er am Dienstag in seiner Regierungserklärung im bayerischen Landtag.

Ob sich Bundesregierung und Ministerpräsidenten vor Weihnachten dazu noch einmal zusammenschalten, ist noch unklar. Nach Informationen der Bild könne dies aber „in den nächsten Tagen“ entschieden werden. Merkel hat dem Bericht zufolgen die harten Einschnitte in Bayern* dafür gelobt, „in die richtige Richtung“ zu gehen.

Verschärfung der Corona-Maßnahmen: Widerstand gegen Merkel, Spahn und Söder

Der Streitpunkt allerdings: Nicht alle Länder-Regierungschefs halten das für notwendig. Widerstand kommt laut Bild vor allem aus Berlin, Bremen und Niedersachsen. Die Zeitung zitiert einen nicht namentlich genannten SPD-Politiker oder eine SPD-Politikerin mit den Worten: „Das Infektionsgeschehen im Süden ist besorgniserregend. Es gibt viele, die jetzt kalte Füße bekommen, darum machen sie auf Zampano.“ Doch da das Infektionsgeschehen regional unterschiedlich sei, werde es „keinen flächendeckenden Lockdown in Deutschland geben“, ist sich die Person demnach sicher.

Nachdem die Länder nach einem Gipfelgespräch am 16. November weitergehende Corona-Maßnahmen zunächst abgelehnt hatten, hatte Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) betont, dass sich der Bund damals den Rat des Robert-Koch-Instituts (RKI*) zu eigen gemacht hatte - und der Leopoldina.

Zusammen mit dem Deutschen Ethikrat haben die Institute Anfang November überdies im Auftrag der Bundesregierung Empfehlungen abgegeben, wer sofort mit dem geplanten Corona-Impfstoff* immunisiert werden soll. Bislang ist der nächste Corona-Gipfel mit Merkel offiziell für den 4. Januar geplant. (frs) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Rubriklistenbild: ©  Kay Nietfeld/dpa

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