Server brach zusammen

Riesen-Pannen bei der Landtagswahl: KVR-Chef erklärt Computerprobleme

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Kreiswahlleiter Dr. Thomas Böhle.
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Bei der Auszählung der Landtagswahl ging es offenbar chaotisch zu. Mehrere Serverausfälle sorgten dafür, dass die Stadt die Ergebnisse nicht rechtzeitig melden konnte.

München - Diese Wahl hat ein Nachspiel. „So etwas möchten wir alle miteinander nicht mehr erleben“, sagte Bürgermeisterin Strobl gestern im Kreisverwaltungsausschuss. Zuvor hatten Kreisverwaltungsreferent Dr. Thomas Böhle und der Leiter des IT-Referats, Thomas Bönig, ausführlich zu den Pannen rund um die Landtagswahl Stellung genommen.

Die Technik hatte die mehr als 10 000 Wahlhelfer immer wieder ausgebremst. Während es bei der Erfassung der Ergebnisse keine Probleme gab, wurde die Übertragung der Daten an die IT-Zentrale der Stadt zum Problem. „Diese haben den Auszählvorgang verlängert, sie hatten aber keinen Einfluss“, stellt Böhle fest.

Zu viele Verbindungen - ein Server bricht zusammen

Dabei hatte morgens alles so gut begonnen. „Bis 9.45 Uhr waren über 90 Prozent der Wahllokale verbunden“, so Böhle. Fünf Minuten später war aber Schluss mit der Ruhe. Ein Server musste heruntergefahren werden, weil er zu viele Verbindungen verzeichnete. „Durch den Bedienfehler eines Kollegen wurde gleichzeitig auch der Authentifizierungsserver heruntergefahren“, erklärt Bönig. Im Klartext: Die Verbindung zu allen Wahllokalen war abgebrochen, diese konnten keine Daten senden. Die erneute Anmeldung der Wahllokale war nicht unkompliziert – bis 18 Uhr waren 873 von 954 Wahllokalen wieder am Netz. Ausgerechnet um 18 Uhr kam es in der IT-Zentrale durch einen Serverfehler und der hohen Anzahl von Verbindungen erneut zu einer Trennung einer hohen Anzahl von Wahllokalen vom Server.

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Trotzdem gelang es 554 Wahllokalen, bis 21.00 Uhr ihre Ergebnisse an die Stadt zu melden. Dann kam es erneut zu einer Überlastung in der Datenübertragung. Danach gab es immer wieder Engpässe und Wartezeiten, die den Auszählvorgang verlängert haben. Wer bis dahin keine Schnellmeldung absetzen konnte, bekam Probleme! Danach ging quasi nichts mehr. 30 Leitungen hatte das KVR bei seiner Wahl-Hotline eingerichtet, diese waren quasi dauerbelegt. Weil die Hotline mit den Technikproblemen beschäftigt war, gelang es den Wahlvorständen nicht, ihre Schnellmeldungen telefonisch durchzugeben, während die Computerverbindung nur eingeschränkt funktionierte.

Immer noch kein Ergebnis nach Mitternacht - KVR schätzt Ergebnisse

Bis spätestens Mitternacht hätte die Stadt die kompletten Ergebnisse der neun Stimmbezirke dem Landeswahlleiter übermitteln müssen – um 0:30 Uhr lag aber immer noch kein Ergebnis vollständig vor. Weil sich das Kopf-an-Kopf-Rennen in Moosach bereits abzeichnete, holte das KVR die Wahlergebnisse der dortigen Wahllokale in Eigenrecherche ein. Als um 1:20 Uhr immer noch 42 Wahllokale aus den anderen acht Stimmkreisen fehlten, entschied das KVR, die fehlenden Ergebnisse zu schätzen auf Grundlage der vorherigen Wahl und der Ergebnisse der umliegenden Wahllokale. Denn die Übermittlung von Teilergebnissen ist nicht erlaubt.

„Alle Ergebnisse wurden bis zur Abgabe der zweiten Schnellmeldung am Dienstag überprüft und berichtigt“, stellt Bohle klar. „Die Angleichungen fließen also in keinem Fall in das amtliche Endergebnis ein.“

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Weitere Probleme bei der Landtagswahl in München

Wahlbeteiligung: Die gestiegene Wahlbeteiligung führte bereits tagsüber zu Problemen. Am Abend konnten viele Wahllokale nicht pünktlich um 18 Uhr schließen, weil es noch Schlangen gab.

Briefwahl: Üblicherweise zählt die Stadt in der Messe aus, die war aber belegt, weil die Stadt sie nur für die letzten beiden Septemberwocheneenden reserviert hatte. Stattdessen musste die Stadt in zehn Schulturnhallen ausweichen.

Moosach: „Es besteht keine rechtliche Pflicht zur Nachzählung“, sagt Böhle. „Wir wollen aber auf Grund des knappen Ergebnisses jeden Zweifel an einer ordnungsgemäßen Wahl auszuräumen.“ Die Nachzählung ist durchaus eine technische Herausforderung. Mittwoch und Donnerstag sollen Mitarbeiter des KVR die Stimmen nachzählen, Und auch die Feuerwehr kommt zum Einsatz. „Wir müssen mit Lkw nach Fürth fahren, um dort Wahlurnen abzuholen.“ Dafür stellt die Feuerwehr zwei 7,5 Tonner Lkw zur Verfügung.

Technik: 1000 Wahlkoffer hatte das KVR, darin sind ein Laptop und ein Drucker fest eingebaut. Pro Wahllokal und pro Briefwahltisch kam ein Wahlkoffer zum Eindruck. Sie dienen zur Ergebniserfassung und zur Übertragung der Daten. Der Computer ersetzt Taschenrechner und handschriftliche Listen, er prüft, ob das Ergebnis plausibel ist. Den richtigen Umgang mit dem Gerät haben die Wahlhelfer in insgesamt 400 Wahlhelferschulungen gelernt – darin wurden sie auch auf einen Ausfall der Technik vorbereitet. Offenbar waren sie damit besser vorbereitet als die zuständigen Stellen bei der Stadt.

Analyse zum Ergebnis der Landtagswahl in Bayern

Weniger als zwei Wochen nach der Wahl liegen bereits konkrete wissenschaftliche Auswertungen vor, die Details des Wählerverhaltens beleuchten. In einer Kooperation der Ludwigs-Maximillians-Universität München, der Universität Passau und der Universität Regensburg entstand eine Analyse über die Wählerwanderung bei der Landtagswahl in Bayern.

Marc Kniekamp

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