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Kristina Schröder, die Frauen und ein Buch

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Kristina Schröder bei der Präsentation ihres Buches.

Berlin - Während die Koalition heftig über das Betreuungsgeld streitet, setzt Familienministerin Kristina Schröder noch einen drauf: Sie kämpft gegen Feminismus und hat dazu ein Buch geschrieben.

Kristina Schröder in der Höhle der Löwinnen: Backfabrik Berlin, Prenzlauer Berg. Ausgerechnet in einem alternativen Kulturzentrum des legendären Szene-Viertels der Hauptstadt präsentiert die Bundesfamilienministerin erstmals öffentlich ihr Buch „Danke, emanzipiert sind wir selber!“ - eine Kampfschrift gegen feministische Rollenbilder. Dabei ist der Prenzlauer Berg bundesweit bekannt für seinen extrem hohen Anteil gut ausgebildeter Akademikerfamilien und höchster Geburtenraten.

Der Saal ist berstend gefüllt. Im Publikum fast ausschließlich junge Frauen, auf dem Podium die 34-jährige Ministerin im weißen, engen Kostüm und mit den obligatorischen Pumps. „Wir wollen Kita-Plätze - kein Betreuungsgeld“, skandieren aufgebrachte Frauen schon am Eingang. Transparente werden ausgerollt - die Turbulenz im Saal nimmt zu. „Ihre Thesen sind von gestern“, schalt es Schröder entgegen. Der Mitarbeiter eines NDR-Satire-Magazins überreicht ihr eine „Goldene Schürze“, ein Frauenchor intoniert: „Danke für unseren Platz am Herd.“

Doch die junge Ministerin behält trotz des Spotts die Fassung und schlägt sich tapfer. In einer Ecke des Saals wettern Frauen gegen die „ewige Penetration durch das Patriarchat“. Man(n) fühlt sich an die stürmischen Zeiten der Frauenbewegung der 70er und 80er Jahre erinnert.

Kristina Schröder wollte nie eine Feministin sein

Mit 19 schrieb Schröder in ihrer Abi-Zeitung, sie wolle „Ehe, Kinder und Karriere unter einen Hut bringen, (...) - ohne jemals zur Feministin zu werden“. Heute, 15 Jahre später, hat sie in der Tat alle diese Ziele erreicht. Und jetzt kommt auch noch das Buch hinzu.

Gleichwohl ist ihr Werk nicht wirklich eine Abrechnung mit dem radikalen Feminismus - den Schröder allenfalls nur als Kind erlebte. Es ist vielmehr ein ketzerisches Plädoyer gegen von Feministinnen wie „Strukturkonservativen“ bisweilen immer noch beschworene klassische Rollenbilder: „Heimchen am Herd“ versus „Rabenmutter“, herzlose Karrierefrau oder die „Latte-Macchiato-Mutter“ als neues schickes Großstadtphänomen.

Doch mit der realen Lebens- und Arbeitswelt vieler junger Paare, die trotz des immer noch unzureichenden Betreuungsangebotes täglich mühsam versuchen, Beruf, Kinder und Partnerschaft zu vereinbaren, hat das alles wenig tun. Das brachten auch viele der aufgebrachten Frauen vom Prenzlauer Berg mit ihren Protesten lautstark zum Ausdruck.

Schröders 240-Seiten-Buch erscheint just in einer Zeit, in der heftig über ihr wichtigstes Gesetzesvorhaben in dieser Wahlperiode gestritten wird - sogar stärker innerhalb der Koalition als mit der Opposition. Die Auseinandersetzung um das vor allem von der CSU verlangte Kleinkinder-Betreuungsgeld für daheim erziehende Eltern hat für die Konservativen familienpolitischen Symbolcharakter - besonders nach den bereits verlorenen Schlachten um die Einführung von Ganztagsschulen und dem Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab 2013.

Das Wiederaufleben dieser ideologischen Auseinandersetzungen und dieser „verbalen Geschütze in deutsche Wohnzimmer hinein“ - wie etwa „Herdprämie“ oder „Rabenmütter“ - sorgen laut Schröder „für schlechtes Gewissen, Selbstzweifel und Verunsicherung“. Eines erreichten sie aber ganz sicherlich nicht: Lust auf Kinder und Familie, warnt die Ministerin die Kontrahenten - vor allem wohl auch in ihrer eigenen Partei. Zusammen mit ihrer Co-Autorin Caroline Waldeck sieht Schröder „vielleicht den letzten Kulturkampf unserer postideologischen Gesellschaft“.

Aus Schröders Ministerium wird kolportiert, dass eigentlich auch sie „kein 100-prozentiger Fan des Betreuungsgeldes“ ist. Doch noch hält die Koalitionsräson. „Solange die Koalition an dem Betreuungsgeld festhält, solange halte ich an dem Auftrag fest, einen Gesetzentwurf zu erarbeiten“, versicherte Schröder doppeldeutig in der „Bild am Sonntag“.

Immer wieder Attacken gegen den Feminismus

In ihrer Auseinandersetzung mit dem Feminismus bleibt Schröder ambivalent. „Emanzipation macht Arbeit“ würdigt sie respektvoll das Ringen vieler Frauen und Mütter, Familie und Beruf in Einklang zu bringen. „Frauen meiner Generation sind dankbar für das, was Generationen von Frauen vor uns hart erkämpft haben“, lobt sie das über 100 Jahre alte Streben nach Gleichberechtigung von Frau und Mann. Doch dann folgen über Seiten hinweg wieder Attacken gegen einen Feminismus als „quasireligiöse Weltanschauung“ und dem „missionarischen Sendungsbewusstsein“ ihrer Anhängerinnen.

Zweieinhalb Jahre ist Schröder jetzt im Amt. Die großen Familienthemen wie Kita-Ausbau und Elterngeld hatten ihre Amtsvorgängerinnen Ursula von der Leyen (CDU) und Renate Schmidt (SPD) auf den Weg gebracht. Für Schröder blieb bisher nicht viel: Die im Koalitionsvertrag vorgesehene Ausweitung der „Vätermonate“ beim Elterngeld fiel dem Spardiktat zum Opfer. Und eine Frauenquote in den Dax-Vorständen wird es wegen des FDP-Vetos in dieser Wahlperiode nicht geben - weder Schröders Light-Modell einer „Flexi-Quote“, noch von der Leyens verbindliche gesetzliche Vorgaben.

Doch Schröder sucht Aufmerksamkeit wie Schlagzeilen. Bereits vor einem Jahr hatte sie mit ihrem Scharmützel mit Frauenrechtlerin Alice Schwarzer den gewünschten Erfolg. Der dürfte ihr mit ihrem Feminismus-Buch jetzt auch wiederum sicher sein.

dpa

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