„Yoga ersetzt keine Wahlkampfstrategie“

Kommunalwahl 2020: JU-Chef schießt sich auf CSU-Spitzenkandidatin Frank ein

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Muss auch nach der Kommunalwahl einige Fragen beantworten: Münchens CSU-Spitzenkandidatin Kristina Frank wird von der Jungen Union angezählt.

Die CSU muss zu den Verlierern der Kommunalwahl gezählt werden. Den OB-Posten verpasst, im Stadtrat wohl nur noch Teil der Opposition. Der JU-Chef forder eine Erklärung.

  • CSU-Spitzenkandidatin Kristina Frank ging als eindeutige Verliererin aus der OB-Stichwahl hervor.
  • Nach der Schlappe setzt es herbe Kritik von Münchens JU-Chef Michael Daniel.
  • Dieser fordert eine „schonungslose Analyse“.

München - In der Münchner CSU rumort es. Michael Daniel, Chef der Jungen Union (JU), fordert eine schonungslose Analyse des Wahlergebnisses. Er spricht von einer „katastrophalen Niederlage“. Der Wahlkampf sei „altbacken“ gewesen, Spitzenkandidatin Kristina Frank „un­authentisch“.

24,7 Prozent - das sind die nackten Zahlen. Die CSU stürzte bei der Stadtratswahl auf ein fast historisches Tief ab. Die Grünen räumten mit 29,1 Prozent ab. Vermutlich wandert die CSU nach sechs Jahren Regierungsbeteiligung wieder in die Opposition. Denn Grüne/Rosa Liste und SPD verfügen über eine solide Mehrheit. Zufrieden waren die Parteivorderen der CSU mit dem Abschneiden bei der Stadtratswahl natürlich nicht. Echte Kritik blieb aber aus. Der Tenor lautete, man habe unter schwierigen Bedingungen ein achtbares Ergebnis erzielt.


Kommunalwahl: JU-Chef kritisiert CSU-Wahlslogan als „rückwärtsgewandt“

Die JU sieht das anders und hat am Mittwoch ein geharnischtes Schreiben veröffentlicht. Münchens JU-Chef Daniel (32) schreibt: „Wir brauchen jetzt keine Schönrederei. Eine ehrliche und harte Aufarbeitung dieser Wahlniederlage ist unumgänglich.“ Daniel kritisiert, der Slogan „Wieder München werden“ sei rückwärtsgewandt gewesen, die Plakate „völlig unverständlich“.

Auch Spitzenkandidatin Kristina Frank bekommt ihr Fett weg: „Sie war gefühlt weit weg und abgehoben von der eigenen Parteibasis. Viel schlimmer aber wiegt, dass sie weder neue Wählergruppen noch traditionelle CSU-Wähler angesprochen hat. Yoga vor dem Müll-Laster ersetzt keine Wahlkampfstrategie“, wütet Daniel.

Steht der Jungen Union in München vor: Michael Daniel will nach der Kommunalwahl nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

Kommunalwahl: Frank wird „langweiligster Wahlkampf der vergangenen 30 Jahre“ attestiert

Der JU-Chef setzt noch eins drauf: „Mit der jüngsten und angeblich modernsten Kandidatin führten wir den altbackensten und langweiligsten Wahlkampf der vergangenen 30 Jahre.“ Im Vergleich dazu sei der Wahlkampf von Hans Podiuk 2002 „ein Feuerwerk an neuen Ideen“ gewesen. Frank hatte die OB-Stichwahl erreicht, kam dort aber im Rennen gegen Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) nur auf 28,3 Prozent.

Bei der CSU spricht man von einem Alleingang Daniels. Dieser war bei der Stadtratswahl auf Platz 23 der Liste gelandet und verfehlte den Einzug ins Rathaus. Daniel wäre zweiter Nachrücker. Die von ihm so gescholtene Kristina Frank (38) reagierte zurückhaltend auf die Kritik: „Ich kann die Enttäuschung über den Nichteinzug des JU-Spitzenkandidaten in den Stadtrat gut verstehen. Gerade in diesen schwierigen Zeiten möchte man für seine Heimatstadt alles geben. Als CSU-Spitzenkandidatin geht es mir nach der Stichwahl nicht anders.“ Sie halte es aber nicht für geboten, „sich über anstehende und notwendige Wahlanalysen öffentlich auseinanderzusetzen“.

In anderen Hochburgen lief es pür die CSU deutlich besser, wie unsere politische Karte von Bayern zeigt. In diesem Artikel finden Sie alle Ergebnisse der OB-Wahlen in Bayern im Überblick.

Klaus Vick

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