Wut in Thailand

Zorn auf „Thai-Kini“: Limousine gerät in Proteste - Mehr als 150.000 richten Forderung an Merkel

Der König von Thailand, Rama X., ist aus Bayern nach Thailand gereist - um die Lage zu beruhigen. Doch in der Heimat bekam er den Zorn der Bevölkerung zu spüren.

  • Thailands König Rama X. gerät in der Heimat immer stärker unter Druck - Grund sind auch seine Aufenthalte in Bayern.
  • In einer großen Petition fordern Monarchie-Kritiker nun auch eine Reaktion von Kanzlerin Angela Merkel.
  • König und Königin weilen unterdessen in Thailand. Rama X. bekam diese Woche (13. Oktober) in seiner Limousine den Zorn der Protestierenden zu sehen.

Bangkok - In Thailand schwelt weiter der Zorn auf Regierung und König: Trotz eines Versammlungsverbots sind in der Hauptstadt Bangkok am Sonntag erneut tausende Menschen auf die Straßen gegangen. Den vierten Tag in Folge forderten die pro-demokratischen Demonstranten den Rücktritt von Regierungschef Prayut Chan-O-Cha.

Nach Informationen der Rechtshilfegruppe „Thai Lawyers for Human Rights“ wurden sieben Menschen bei friedlichen Protesten festgenommen. Unter ihnen sei Panupong Jadnok, einer der wenigen bis dahin noch freien Köpfe der Demokratiebewegung. Beamte in Zivilbekleidung nahmen ihn demnach mit. Unbeeindruckt davon versammelten sich am Sonntag landesweit Tausende Regierungskritiker zum Protest. In rund 20 Städten fanden Kundgebungen statt.


Die größtenteils jungen Demonstranten besetzten trotz verschärfter Maßnahmen durch die Regierung eine große Kreuzung in Bangkok und hielten Plakate mit den Abbildern festgenommener Aktivisten in die Höhe. Offenbar gab es schon zuvor eine empfindliche Schrecksekunde für den Bayern als „Thai-Kini“ bekannten* Maha Vajiralongkorn alias Rama X.

Thailands König unter Druck: Limousine gerät in Bangkok in Protestzug - auch Sohn aus Bayern ausgeflogen

Laut einem Bericht der Bild war der Monarch am Mittwochabend mit seiner Limousine in einen Demonstrationszug geraten - junge Demonstranten drohten offenbar, das Auto zu stürmen. Die Polizei musste eingreifen. Ebenfalls aus Bayern nach Thailand gereist ist angeblich Ramas Sohn Dipangkorn Rasmijoti. Ziel ist es offenbar, die Lage durch die Anwesenheit der Königsfamilie zu beruhigen. Rama X. verbringt einen großen Teil des Jahres in Oberbayern, wie unter anderem Merkur.de* berichtete. Das Verhalten stößt teils auf herbe Kritik.

Dieser neue Plan geht bislang allerdings offenbar nicht auf. Regierungschef Prayut hatte am Donnerstag den Ausnahmezustand erklärt, wodurch Versammlungen von mehr als vier Menschen verboten wurden. Am Tag darauf hatte die Polizei Wasserwerfer gegen die Demonstranten eingesetzt.

König von Thailand nun Fall für Merkel? Petition fordert Aus für Bayern-Besuche - „Seine Majestät hat alle geltenden Vorschriften missachtet“

Unterdessen haben Monarchie-Kritiker auch eine Petition an die Bundesregierung um Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) gerichtet. Sie fordern, den König in Deutschland zur „Persona non Grata“ zu erklären.

„Seine Majestät zog seinen persönlichen Komfort den wesentlichen Angelegenheiten des Königreichs vor“, heißt es in dem Text zu der Eingabe auf der Plattform change.org - auf diesem Wege könne Rama, der auch in Corona-Zeiten „alle in Deutschland und Thailand geltenden Vorschriften missachtet“ habe, ein weiterer Aufenthalt in der Bundesrepublik untersagt werden. Bis Sonntagabend hatten mehr als 150.000 Menschen unterzeichnet.

Maas hatte laut einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung zuletzt politische Schritte nicht ausgeschlossen. Im Bundestag waren Ramas Bayern-Besuche am 14. Oktober ebenfalls Thema. „Wir haben deutlich gemacht, dass Politik, die das Land Thailand betrifft, nicht von deutschem Boden auszugehen hat“, erklärte der Außenminister. Er stellte allerdings keine diplomatischen Konsequenzen für den Monarchen in Aussicht, sondern ein Einfrieren der Handelsgespräche zwischen EU und Thailand - falls die dortige Regierung weiter aggressiv gegen die Demokratisierung vorgehe.

Thailand: Pro-demokratische Protestbewegung seit Tagen auf der Straße

Die pro-demokratische Protestbewegung fordert den Rücktritt der Regierung und eine offene Debatte über die Rolle der Monarchie in Thailand. General Chan-o-cha ist seit einem Putsch des Militärs 2014 an der Macht.

Die Demokratiebewegung fordert auch ein Ende der Einschüchterung von Bürgern und politischen Gegnern. Für Empörung sorgten zudem die Festnahmen von Aktivisten der Demokratiebewegung. Einigen von ihnen droht lebenslange Haft gemäß einem seit Jahrzehnten nicht mehr angewandten Gesetz.

Anhaltende Proteste gegen einen Staatschef gibt es unterdessen auch in Europa - in Minsk sind erneut zehntausende Menschen auf die Straßen gegangen. (AFP/dpa/fn) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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