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Journalisten in Hotel in Tripolis festgehalten

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Mit Helmen und kugelsicheren Westen bekleidete ausländische Journalisten steigen am eine Treppe im Rixos-Hotel von Tripolis empor. Anhänger des libyschen Diktators halten 35 ausländische Journalisten in dem Nobelhotel fest.

Tripolis/Kairo - In der libyschen Hauptstadt bangen 37 Journalisten in einem Luxushotel um ihr Leben. Loyale Kämpfer von Diktator Gaddafi halten sie in Schach. Vor der Tür schießen Scharfschützen auf alles, was sich bewegt.

Obwohl ganz nah dran, können sie wohl nicht mehr über die entscheidenden Straßenkämpfe in der libyschen Hauptstadt Tripolis berichten. 37 Journalisten sitzen im Nobelhotel Rixos in der Falle. Kämpfer, die weiterhin loyal zu Diktator Muammar al-Gaddafi stehen, halten die Medienvertreter in Schach.

Der angeschlagene Machthaber hatte die Reporter vor einigen Tagen noch in sein Wüstenland gelassen, in der Hoffnung, sie für seine Sicht der Dinge einspannen zu können. Jetzt, wo die Schlacht für ihn aussichtsloser geworden zu sein scheint, wollen seine Anhänger die Journalisten nicht gehen lassen. Auch einige ausländische Diplomaten, die in dem Hotel abgestiegen waren, sitzen fest.

Gaddafi: Liste der zugeschriebenen Anschläge des libyschen Machthabers

Terror-Akte: Gaddafis Liste des Schreckens

Dem libyschen Machthaber Muammar al Gaddafi wird die Verwicklung in eine ganze Reihe von blutigen Anschlägen vorgeworfen. Mit den folgenden Terroraktionen wird Gaddafi und sein Regime in Zusammenhang gebracht: © ap
Dezember 1985: Palästinenser greifen die El-Al-Schalter auf den Flughäfen Wien-Schwechat und Rom-Fiumincino mit Schusswaffen und Handgranaten an. Dabei werden 18 Menschen getötet. Das libysche Regime soll mindestens aus Sicht der US-Regierung daran mitgewirkt haben. © dpa
April 1986: Eine Bombenexplosion in der Diskothek La Belle in Berlin-Friedenau reißt drei Menschen in den Tod. 230 der rund 500 Gäste, meist Angehörige der US-Armee, erleiden zum Teil schwere Verletzungen mit bleibenden Folgen. Nach der Wiedervereinigung ergeben sich aus Akten der DDR-Staatssicherheit Hinweise, die zu den Tätern führen und auf Libyen als Drahtzieher schließen lassen. © dpa
Dezember 1988: Bei einem Anschlag auf ein Flugzeug über der schottischen Kleinstadt Lockerbie werden 270 Menschen getötet, die meisten von ihnen Amerikaner. Der Verdacht fällt schnell auf Mitarbeiter des libyschen Geheimdienstes. © dpa
September 1989: Über der Wüste in Niger explodiert ein Verkehrsflugzeug der französischen Gesellschaft UTA. Der Bombenanschlag kostet 170 Menschen das Leben. Unter den sechs libyschen Attentätern ist auch der Schwager Gaddafis. © dpa
Darüber hinaus soll Gaddafi weltweit Terrorgruppen, Befreiungsbewegungen und linke Gruppierungen unterstützt haben. Unter anderem die Polisario in der Westsahara, die Sandinisten in Nicaragua, radikale palästinensische PLO-Gruppen im Libanon, aber auch die Irisch-Republikanische Armee (IRA) in Nordirland erhielten Hilfe aus Libyen. © dpa
Zudem wird Gaddafi mit dem Attentat auf die Olympischen Spiele von München 1972 in Verbindung gebracht. Damals starben elf Mitglieder des israelischen Olympia-Teams bei einem Anschlag palästinensischer Terroristen. Ebenso soll es eine Verbindung bei der Entführung der OPEC-Minister 1975 in Wien sowie bei Attentaten auf den marokkanischen König Hassan II. (1972) und 1976 auf die Präsidenten Ägyptens (Anwar al Sadat) und des Sudans (Jaafar Mohammed al-Numeiri) geben. © dpa

Die Lage wurde für die Journalisten nach Berichten von Korrespondenten immer dramatischer, nachdem die Rebellen am Dienstag weite Teile der Hauptstadt unter ihre Kontrolle bringen konnten. Am Mittwoch konzentrierten sich die Kämpfe auf zwei Stadtteile. Scharfschützen Gaddafis hätten den Schutz von Bäumen in Parkanlagen gesucht und immer wieder Rebellen ins Visier genommen, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira. Feuergefechte habe es auch in unmittelbarer Nähe des Hotels gegeben.

Das sei zwar glimpflich abgegangen, berichtete BBC-Reporter Matthew Price. Aber es herrsche große Nervosität unter den Journalisten. Wächter würden in den Fluren patrouillieren. Ein Kameramann des britischen Fernsehsenders ITN sei mit einem Schnellfeuergewehr vom Typ AK 74 bedroht worden, als er versuchte habe, auf die Straße zu gehen. “Es ist klar, dass wir das Hotel nicht freiwillig verlassen dürfen“, meinte Price. Und selbst wenn, sei nicht vorhersehbar, welche Gefahren um die Ecke lauerten.

In dem Nobelhotel wurde es zunehmend ungemütlicher. CNN-Reporter Matthew Chance berichtete, es gebe nur zeitweise Strom. Bei Nacht liefen die “Gäste“ mit Kerzen umher. Sie würden die Räume des Luxushotels nach Essbarem durchsuchen. Und in ihre Zimmer können sie auch nicht mehr: Aus Angst von den Kämpfen etwas abzukommen, verbrachten sie die Nacht lieber in der Lobby oder auf den langen Fluren. Mit Helm und schusssicherer Weste campierten sie auf dem Fußboden.

Wie das libysche Abenteuer für die Ausländer enden wird, stand am Mittwochnachmittag noch in den Sternen. Walter Fauntroy, US-Menschenrechtsaktivist und Pastor, rief jedenfalls seine Landsleute auf, für ihn und die festgesetzten Medienvertreter zu beten.

dpa

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