Proteste gegen Mursi

Hunderttausende Ägypter auf den Straßen

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Hunderttausende Ägypter fordern lautstark den Rücktritt von Präsident Mursi, die islamischen Unterstützer des Staatschefs halten dagegen. Überall geht die Angst vor einer blutigen Eskalation der Proteste zum Jahrestag der Vereidigung Mursis um.

Kairo - Hunderttausende Ägypter fordern lautstark den Rücktritt von Präsident Mursi, die islamischen Unterstützer des Staatschefs halten dagegen.

Am ersten Jahrestag des Amtsantritts von Präsident Mohammed Mursi haben in Ägypten Hunderttausende Menschen seinen Sturz gefordert. Fahnenschwenkend zogen Regierungskritiker am Sonntag zum Tahrir-Platz im Herzen von Kairo, wo sie an die Adresse Mursis gerichtet „Geh!“ skandierten. Abertausende weitere Demonstranten marschierten von verschiedenen Punkten aus in die gleiche Richtung, andere zog es zu Mursis Präsidentenpalast Ittihadija. An der Protestaktion nahmen auch Kinder und ältere Bürger teil.

In der Nähe des Amtssitzes versammelten sich Tausende Islamisten zu einer Solidaritätskundgebung für Mursi. Einige seiner Unterstützer trugen selbstgemachte Schutzwesten, und Helme, andere hatten Knüppel in der Hand - als Vorsichtsmaßnahme gegen mögliche Gewaltausbrüche, wie sie erklärten.

Die landesweiten Demonstrationen werfen ein Schlaglicht auf die tiefe Kluft zwischen säkulären und konservativen Kräften, unter der das Land mehr als zwei Jahre nach der Revolution leidet. Die Opposition will Millionen von Menschen auf die Straße bringen - und so den Rücktritt Mursis und Neuwahlen erzwingen. Den regierenden Islamisten werfen Liberale und moderate Muslime vor, ihr Mandat missbraucht zu haben, um ein Machtmonopol zu errichten. Ein Dorn im Auge ist den Demonstranten zudem die im Eilverfahren von der Muslimbruderschaft und deren Unterstützern durchgeboxte Verfassung. Neben politischen Problemen machen Ägypten zudem die wirtschaftliche Talfahrt, häufige Stromausfälle, Treibstoffmangel, steigende Preise und Kriminalität zu schaffen.

Mursis islamistische Anhänger wollen den Präsidenten verteidigen und die Proteste niederschlagen. Dass ein rechtmäßig gewählter Staatschef aus dem Amt entfernt werde, könnten sie nicht zulassen, argumentieren sie. Zudem warfen die Regierungsanhänger Getreuen des gestürzten Machthabers Husni Mubarak vor, eine Kampagne gegen Mursi angezettelt zu haben, um sich wieder die Macht zu sichern. Gegner Mursis bezeichneten die Hardliner zudem als „Feinde Gottes“ und Verräter.

Mursi selbst gab sich im Umgang mit seinen Kritikern unnachgiebig. Forderungen nach einer vorgezogenen Präsidentenwahl erteilte er in einem Interview der britischen Zeitung „The Guardian“ eine Absage. „Wenn wir einen verfassungsgemäß (gewählten) Amtsinhaber auswechseln, wird es wohl auch Gegner des neuen Präsidenten geben. Und eine Woche oder einen Monat später würden sie seinen Rücktritt fordern“, sagte Mursi. Es gebe keinen Spielraum für Gespräche gegen eine in der Verfassung verankerte Rechtmäßigkeit eines Präsidenten.

Angesichts der verhärteten Fronten befürchten Beobachter eine unausweichliche blutige Eskalation zwischen den rivalisierenden Lagern. Die Armee bereitete sich auf mögliche Gewaltausbrüche vor: In einige Kairoer Vororte wurden Soldaten entsandt, über der Hauptstadt kreisten Hubschrauber der Armee.

Viele Ägypter sehen mit den Kundgebungen den Tag der Entscheidung für ihr Land gekommen. Die Organisatoren einer Unterschriftenkampagne erklärten am Samstag, dass bereits 22 Millionen Ägypter für die Kampagne unterschrieben hätten, in der der Rücktritt Mursis gefordert wird. „Ehrlich, wenn der Sonntag nicht alles verändert, können wir zusammenpacken und gehen“, sagte der prominente Blogger Mahmud Salem.

Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis sind in den vergangenen Tagen mindestens sieben Menschen getötet worden. Unter den Todesopfern war ein 21-jähriger US-Student, der am Freitag Fotos von den Ausschreitungen in Alexandria machen wollte und dabei zwischen die Fronten geriet.

AP

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