Wirtschaft schrumpft weiter

Griechischer Schuldenrückkauf hat begonnen

Athen - Griechenland hat sein Angebot zum Schuldenrückkauf auf den Tisch gelegt. Ob genügend private Investoren die Offerte annehmen werden, steht frühestens Ende der Woche fest.

Griechenland hat am Montag die Bedingungen für seinen geplanten Schuldenrückkauf veröffentlicht. Den Haltern verschiedener Staatspapiere mit langen Laufzeiten werden Angebote von 30,2 bis 40,1 Prozent des ursprünglichen Werts gemacht. Die Offerte endet am Freitagnachmittag (7.12.) Dies teilte die zuständige staatliche Behörde PDMA mit. Die Aktion ist wichtiger Bestandteil eines Milliarden-Pakets an Maßnahmen, um Griechenland in den kommenden Jahren zusätzlich finanziell zu unterstützen. Ihr Erfolg ist entscheidend dafür, dass dieses Hilfspaket der internationalen Geldgeber auch umgesetzt werden kann.

Am späten Montagnachmittag will der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras seine Amtskollegen der Eurogruppe in Brüssel über die Details informieren. „Wir werden am Freitag wissen, wie das Ganze gelaufen ist. Hier herrscht Spannung“, sagte ein Mitarbeiter des Finanzministeriums der Nachrichtenagentur dpa nach der Veröffentlichung des Athener Angebots.

Für den Schuldenrückkauf soll eine Summe von bis zu zehn Milliarden Euro in die Hand genommen werden. Damit würde Griechenland nach Schätzungen von Experten eine Schuldenlast von bis zu 30 Milliarden Euro loswerden. Zuletzt hielten Privatanleger griechische Staatsanleihen im Volumen von etwa 62 Milliarden Euro. Etwas mehr als die Hälfte davon befindet sich in den Händen von Banken und Anlegern in Ausland. Es gilt als sicher, dass die griechischen Finanzinstitute, die rund 15 Milliarden Euro halten, an dem Rückkaufprogramm teilnehmen werden.

In Athen wird jedoch befürchtet, dass ausländische Privatanleger wie Hedge-Fonds in Erwartung höherer Gewinne das Angebot nicht annehmen werden. Finanzminister Stournaras hatte für diesen Fall in der vergangenen Woche über einen „Plan B“ gespochen, dessen Details er aber nicht bekanntgab.

Die Kurse von griechischen Anleihen reagierten mit massiven Gewinnen auf die Veröffentlichung des Angebots zum Schuldenrückkauf. Der Kurs für richtungsweisende Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg am Montagvormittag innerhalb weniger Minuten um etwa zehn Prozent. Das höchste Kursgebot lag im freien Handel bei 39,785 Prozent. Für den Rückkauf dieser Papiere will Athen maximal 40,1 Prozent des Nominalwerts bieten. Die Renditen der Papiere legten entsprechend zu.

Griechenlands Talfahrt geht weiter

Die Talfahrt der griechischen Wirtschaft geht ungebremst weiter. Wegen der harten Sparmaßnahmen und geringen Investitionen rechnet die griechische Notenbank (Bank Of Greece) mit einem weiteren Schrumpfen der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr zwischen 4 und 4,5 Prozent. Seit Ausbruch der Krise sei das Bruttoinlandprodukt (BIP) um gut 20 Prozent gefallen. Die Lage sei ähnlich dramatisch wie nach der großen Rezession im Zuge der Weltwitschaftskrise 1929, heißt es in einem Bericht der Notenbank, der dem griechischen Parlament vorgelegt wurde.

Es ist bereits das fünfte Rezessionsjahr. Die Arbeitslosigkeit übertrifft die 25 Prozent. Für Griechenland müsse es dringend einen nationalen Plan für Wachstum geben, fordert die Notenbank. Positive Entwicklung: Wegen der harten Sparmaßnahmen und Kürzungen habe die griechische Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit größtenteils wieder gewonnen. Die Eckpunkte des Berichtes wurden am Montag in der griechischen Presse veröffentlicht.

Schuldenschnitt: Seehofer bestreitet Dissens mit Merkel

CSU-Chef Horst Seehofer bestreitet Meinungsverschiedenheiten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Debatte über einen Schuldenschnitt für Griechenland. Seehofer sagte am Montag vor einer Sitzung des CSU-Vorstands in München: „Wir haben da überhaupt keine unterschiedliche Auffassung.“ Wenn man die Interviews von Merkel und ihm vom Wochenende genau lese, dann seien sie „total übereinstimmend“.

Seehofer lehnte zugleich einen Schuldenschnitt erneut ab. Schon das „Gesetz der Logik“ gebiete es, dass Auflagen für Hilfen auch eingehalten werden müssten. Sonst würden Länder, die tatsächlich Sparanstrengungen unternehmen, letztlich bestraft.

Merkel hatte am Wochenende einen Schuldenschnitt für das von der Staatspleite bedrohte Griechenland nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Die Kanzlerin sagte der „Bild am Sonntag“: „Das derzeitige Hilfsprogramm für Griechenland läuft bis 2014, für die Erreichung bestimmter Haushaltsziele haben wir den Griechen zwei Jahre mehr Zeit gegeben, bis 2016.“ Wenn die Regierung in Athen mit den Einnahmen wieder ohne neue Schulden auskomme, müsse die Lage neu bewertet werden.

dapd/dpa

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