G7-Absage - Telefonat mit Putin

Merkel serviert Trump kühl ab - der macht neues Fass auf und kassiert prompt erneut eine Abfuhr

US-Präsident Donald Trump fängt sich von Kanzlerin Angela Merkel einen Korb ein. Er wollte sie zum G7-Gipfel einladen - und bekommt nun die nächste Zurückweisung.

  • Donald Trump peilt trotz der Corona-Pandemie ein reales G7-Gipfeltreffen in den USA an.
  • Das Treffen der Staats- und Regierungschefs soll im Juni in Washington stattfinden.
  • Die erste Absage hat der US-Präsident nun aus Deutschland erhalten - für ein späteres Treffen plant er ein neues Format und die Rückkehr Russlands. Doch in Moskau reagiert man verhalten auf das Angebot.

Trumps tiefe Abneigung gegenüber Merkel: Ex-Berater packt aus - und liefert gleich mehrere Erklärungen


Update vom 19. Juli 2020: Die Beziehung zwischen Angela Merkel und Donald Trump gilt als kühl und angespannt. Jetzt äußert sich Ex-Berater John Bolton über die Abneigung des US-Präsidenten gegenüber der Kanzlerin.

Update vom 16. Juni, 22.20 Uhr: Zumindest mit den Ministerpräsidenten trifft sich Angela Merkel am Mittwoch (17. Juni) wieder persönlich - doch die Kanzlerin warnt intern auch vor weiteren großen Corona-Risiken. Unterdessen geht US-Präsident Donald Trump sie erneut wegen der deutschen Verteidigungsausgaben an.


Update vom 1. Juni, 20.50 Uhr: Auch aus dem nördlichen Nachbarland erhält US-Präsident Donald Trump einen Dämpfer bei seinen G7-Plänen: Kanadas Premierminister Justin Trudeau erinnerte in seiner Reaktion daran, dass es wegen Russlands Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim 2014 das G8-Format mit Russland nicht mehr gebe. Seitdem habe es Russland weiter an "Respekt" und Achtung internationaler Regeln mangeln lassen - "und deshalb bleibt Russland außerhalb der G7 und das wird sich nicht ändern", sagte Trudeau bei einer Pressekonferenz in Ottawa. Sein Land werde mit den USA weiter "an den Details ihres G7-Gipfels arbeiten".

Trump sorgt mit G7-Plänen für Wirbel - Telefonat mit Putin am Montag

Update vom 1. Juni, 20.15 Uhr: Donald Trump will den G7-Gipfel umkrempeln - und Russland wieder an den Tisch holen. Angebliche Verbindungen nach Russland hatten Trump lange belastet. Am Montag hat er nun mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin „in erweiterter Runde“ telefoniert, wie am Abend bekannt wurde. Doch der Kreml sendet weiter keine klaren Signale zum neuen Vorstoß des US-Präsidenten. Wenige Wochen später äußert sich auch noch der deutsche Außenminister Heiko Maas skeptisch.

Nach dem Telefonat hieß es von russischer Seite, es sei die Bedeutung hervorgehoben worden, den Dialog zwischen Moskau und Washington zu aktivieren. Das sei auf dem Gebiet der „strategischen Stabilität“ und bei „Vertrauensmaßnahmen im militärischen Bereich“ wichtig. Weitere Einzelheiten wurden nicht dazu mitgeteilt. Weitere Einzelheiten wurden nicht dazu mitgeteilt. Das Telefonat zwischen Putin und Trump lief den Angaben zufolge „konstruktiv, sachlich und inhaltlich“. Die Kontakte auf verschiedenen Ebenen sollten fortgesetzt werden, hieß es. 

Der Kremlchef beglückwünschte Trump auch zu dem erfolgreichen Flug des bemannten „Crew Dragon“ zur Raumstation ISS am Wochenende.

G7-Gipfel trotz Corona: Trump kassiert nächste kalte Dusche - diesmal aus Russland

Update vom 1. Juni, 13.37 Uhr: Nachdem US-Präsident Donald Trump eine Teilnahme von Kremlchef Wladimir Putin am G7-Gipfel der großen Industrienationen vorgeschlagen hat, sieht Russland nun reichlich Klärungsbedarf. „Im Moment kennen wir keine Details dieses Vorschlags“, teilte Kremlsprecher Dimitri Peskow der Agentur Interfax zufolge am Montag mit und fügte hinzu: „Es gibt hier viele Fragen.“ 

So sei unter anderem offen, in welcher Eigenschaft Russland eingeladen werden solle, welche Tagesordnung es gebe und wer überhaupt eingeladen sei. Peskow betonte, dass Putin grundsätzlich ein Anhänger des Dialogs in jeder Hinsicht sei. Zugleich machte der Sprecher aber deutlich, dass es für die Diskussionen aktueller internationaler Probleme andere Formate gebe wie die G20 der führenden Industrienationen und Schwellenländer. 

G7-Einladung von Trump - aber Russland will sich nicht mit den USA gegen China verbünden

Kommentatoren in Moskau sagten, dass Russland sich keinesfalls einer womöglich von Trump geplanten Anti-China-Fraktion in der Weltpolitik anschließen werde. Der diesjährige G7-Gastgeber Trump will den ursprünglich für Juni geplanten Gipfel auf September verschieben und dazu andere Länder einladen. Zuvor war ein früherer Vorstoß des US-Präsidenten für eine Rückkehr Russlands bei den sechs anderen beteiligten Staaten auf Ablehnung gestoßen. 

Hintergrund ist, dass Russland 2014 nach der Einverleibung der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim aus der Gruppe ausgeschlossen wurde. Die EU und die USA erließen zudem Sanktionen, die bis heute in Kraft sind. 

Update vom 31. Mai, 17.53 Uhr:  Auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen, hat die G7-Pläne von Donald Trump mit scharfen Worten verurteilt. „Das Vorgehen des amerikanischen Präsidenten Trump im Hinblick auf den G7-Gipfel ist in Form und Inhalt inakzeptabel“, sagte der CDU-Politiker der dpa

Röttgen führte aus: „Weder die Zusammensetzung noch die Terminplanung des Treffens der führenden westlichen Industriestaaten unterliegen den persönlichen Neigungen oder Wahlkampfüberlegungen von Herrn Trump.“ Unterdessen hat Trump einen Teilabzug der US-Soldaten aus Deutschland angekündigt.

Treffen in Corona-Krise? Russland reagiert verhalten auf Trumps G7-Vorschlag

Update vom 31. Mai, 16.24 Uhr: Der G7-Vorstoß von Donald Trump* wird in Moskau verhalten aufgenommen. Der US-Präsident hatte eine Teilnahme Russlands am Gipfel der großen Industrienationen vorgeschlagen. Russland sei bereit zu beliebigen Formaten des Dialogs, aber nur auf Augenhöhe mit anderen Teilnehmern, sagte der Außenpolitiker Dmitri Kossatschow nun der Agentur Interfax

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat fuhr fort: „Ein Platz als Zuschauer passt Russland nicht.“ Vor allem erwarte Russland nun Details zu der Initiative, um über eine Teilnahme zu entscheiden.

G7-Absage: Merkel serviert Trump kalt ab - der US-Präsident reagiert trotzig

Update vom 31. Mai 2020, 14.15 Uhr: Nach Merkels Absage, will Trump nun einen anderen Gast zum G7-Gipfel einladen. Er halte das Format für „sehr überholt“ und wolle aus der G7 eine G10 oder G11 machen. Unter anderem Russlands Staatschef Wladimir Putin soll sich demnach unter den Geladenen befinden - des Weiteren denke er an Indien, Südkorea und Australien. 

Vor Journalisten sagte er an Board der Air Force One, dass das Treffen der G7 nicht korrekt widerspiegele, „was in der Welt passiert". Mit Blick auf den Zeitpunkt meinte er, das Treffen könne im September stattfinden oder „ich mache es im November nach der Wahl“ - dies ist wohl eine Anspielung darauf, dass er fest von seiner Wiederwahl ausgeht.

G7: Kanzlerin Merkel serviert Trump eiskalt wegen Corona ab:  „Mancher glaubt jetzt...“

Erstmeldung vom 30. Mai 2020: Berlin/Washington - US-Präsident Donald Trump steht immer wieder wegen seiner Corona-Politik in der Kritik. Nun hat sich der Republikaner mit dem nächsten heiklen Manöver vorgewagt - er lädt zu einem physischen G7-Gipfel. Beinahe umgehend hat er aus Deutschland einen Korb für seine Pläne erhalten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird voraussichtlich nicht zum angedachten G7-Gipfel im Juni in die USA fliegen. „Die Bundeskanzlerin dankt Präsident Trump für seine Einladung zum G7-Gipfel. Stand heute kann sie in Anbetracht der Pandemie-Gesamtlage ihre persönliche Teilnahme, also eine Reise nach Washington, nicht zusagen“, so ein Regierungssprecher am Samstag in Berlin.

Merkel werde die Entwicklung der Corona-Pandemie aber „weiter im Blick haben“, erklärte der Sprecher. Demnach führte die 65-Jährige dazu ein Telefonat mit Donald Trump*. Zuerst hatte das US-Magazin Politico unter Berufung auf Regierungssprecher Steffen Seibert über die Absage berichtet.

Trump lädt trotz Corona zu G7-Gipfel ein: Merkel will aber nicht in die USA fliegen

Die Entscheidung der Kanzlerin passt durchaus zu ihren jüngsten Äußerungen. Deutschland habe die „Prüfung“ Corona bisher recht gut bestanden, sage Merkel in ihrer am Samstag veröffentlichten wöchentlichen Videobotschaft. „Wir alle zusammen, eine überwältigende Mehrheit der Menschen in unserem Land, haben uns von Vorsicht, Vernunft und Verantwortung für andere leiten lassen“. „Wir haben uns viel erspart. Unsere gemeinsame Leistung ist nämlich das, was bei uns glücklicherweise nicht eingetreten ist.“

Merkel* warnte zugleich davor, die Risiken zu unterschätzen. „Mancher glaubt jetzt, weil das große massenhafte Leid nicht eingetreten ist, sei auch die Gefahr wohl nie so groß gewesen. Was für ein Irrtum!“ Ein Blick in befreundete Länder zeige, was hätte passieren können - gemeint sein könnten damit neben EU-Ländern wie Italien, Frankreich oder Spanien auch die USA. Die Kanzlerin erhielt am Samstag auch Lob für ihre Corona-Politik von einem bekannten Arzt.

G7-Gipfel in Washington: Donald Trump plant reales Treffen trotz Corona-Pandemie

Im März hatte das Weiße Haus bereits mitgeteilt, dass der Gipfel wegen der raschen Ausbreitung des Coronavirus* nicht in Trumps Landsitz Camp David abgehalten werden könne, sondern durch eine Videokonferenz der Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industriestaaten ersetzt werden müsse. Doch inzwischen peilt US-Präsident Trump* für Ende Juni ein reales G7-Gipfeltreffen an.

Laut Trump* erhole sich sein Land bereits von der Pandemie*, sodass der Gipfel doch stattfinden könne, allerdings „in erster Linie“ im Weißen Haus in Washington. Ein Gipfel mit persönlicher Teilnahme der Staats- und Regierungschefs wäre „ein großartiges Zeichen der Normalisierung aller“, erklärte der 73-Jährige.

SPD-Europaabgeordneter Tiemo Wölken feiert die Absage der Kanzlerin Merkel: „Großartig“

Merkel reist nicht zu G7-Gipfel nach Washington - USA von Corona-Pandemie am schwersten betroffen

Die USA sind das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land weltweit. Dort wurden bereits mehr als 1,7 Millionen Infektionen nachgewiesen, mehr als 102.000 Infizierte starben. Auch die US-Hauptstadt Washington D.C. und ihr Großraum sind jüngsten Daten zufolge proportional besonders von Corona-Infektionen* betroffen. Trump* wird vorgeworfen, das neuartige Coronavirus unterschätzt und unzureichend reagiert zu haben. Trotzdem wird Donald Trump vor Tausenden Menschen auftreten. Den Schauplatz sehen viele Schwarze als Provokation.

Der G7 gehören außer den USA und Deutschland auch Frankreich, Italien, Großbritannien, Kanada und Japan an. Die alljährlichen Gipfel richten die Mitgliedsländer abwechselnd aus.

Sommerzeit ist Urlaubszeit, das gilt auch für die Politiker dieses Landes. Doch wo entspannen Merkel, Seehofer und Söder in diesem Corona-Sommer?

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dpa/AFP

Rubriklistenbild: © dpa / Michael Kappeler

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