Große Empörung

Luisa Neubauer äußert sich zu Holocaust-Verharmlosung bei Extinction Rebellion: „irrsinnige Worte“

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Luisa Neubauer äußert sich zu Roger Hallam von der Klimabewegung Extinction Rebellion.
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In einem Interview leugnet der Extinction-Rebellion-Mitgründer Roger Hallam den Holocaust. Die Reaktionen folgen prompt - und haben auch direkte Konsequenzen für den Aktivisten.

  • Extinction Rebellion fällt häufig mit „zivilem Ungehorsam“ im Namen der Bekämpfung der „ökologischen Krise“ auf.
  • Nun hat einer der Mitbegründer der Klimabewegung in einem Interview den Holocaust geleugnet.
  • Der deutsche Ableger von Extinction Rebellion hat sich geäußert - die Empörung in der Politik ist groß.

Update vom 21. November, 9.48 Uhr: Extinction-Rebellion-Gründungsmitglied Roger Hallam hat den Holocaust relativiert. Bereits kurz nach Veröffentlichung seiner Äußerungen wurden empörte Stimmen aus Politik und Gesellschaft laut (siehe unten). Die Empörungswelle gegen den Klimaaktivisten rollt aber weiter - mittlerweile hat sich unter anderem Luisa Neubauer geäußert.

Empörung über Extinction-Rebellion-Mitgründer groß: Luisa Neubauer positioniert sich

„Das sind irrsinnige Worte, denen ich in keinerlei Hinsicht zustimme“, erklärte Neubauer, das wohl prominenteste deutsche „Fridays for Future“-Mitglied, der Bild. Noch am Mittwoch hatte sich der deutsche Ableger von Extinction Rebellion klar distanziert. Nun folgt also die zweite Klimaschutzbewegung.

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In weniger als 2 Wochen gehen wir zum 4. globalen Klimastreik auf die Straße. Gemeinsam, am 29.11. Warum? Es wird unsere Antwort sein auf ein Klimapaket, das diesen Namen nicht verdient, auf 50 Wochen Klimastreik ohne wirksame politische Maßnahmen, wir werden zeigen, dass wir immer noch da sind, auch wenn sich viele wünschten wir würden sie einfach wieder in Ruhe lassen, wir werden direkt vor der UN Klimakonferenz zeigen, dass wir es ernst meinen, und es Zeit ist, dass die Regierung dies auch tut, wir werden lautstark ein neues Klimapaket fordern, oder eben eine neue Regierung, wenn diese sich nicht traut zu handeln, wir werden zeigen, dass wir nicht einknicken, nur weil alle über das Klima sprechen - weil wir wissen, dass Reden nicht reicht sondern Klimaschutz umgesetzt werden muss. Wir werden am 29.11. Hand in Hand gehen mit allen Generationen, mit Brüdern und Schwestern aus dem globalen Süden, die schon heute die volle Wucht der Krise zu spüren bekommen, wir werden uns zusammen tun mit Menschen, die Jahrzehnte lang keine Ahnung vom Klima hatten - weil sie jetzt begreifen, dass es nie zu spät ist aktiv zu werden. Wir werden das vierte mal diese Jahr zusammen einfordern, dass wir jetzt loslegen, heute, in der Zeit in der wir noch so viel reißen können. Alles ist bereit. Überall in Deutschland sind Streiks angemeldet. Das einzige was es jetzt noch braucht? Dich. Und alle Menschen, die du kennst. Denn all das klappt nur, wenn wir nochmal zusammen kommen. Und gemeinsam, bei Wind und Wetter einen #NeustartKlima fordern, und sagen #NotMyKlimapaket. Ich und wir zählen auf jede und jeden von euch. Wir sehen uns am Freitag, dem 29.11. Nutzt die Zeit bis dahin, Menschen davon zu erzählen und zu inspirieren mit zu kommen. Alle sind eingeladen. Let’s do this. #FridaysForFuture . . @bundjugend_berlin ♥️

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Die alleinige Distanzierung reiche laut Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, allerdings nicht aus. Extinction Rebellion müsse klarstellen, „ob sie solche Ansichten in ihren Reihen dulden will. Ebenso scharf, wie sie Klimawandel-Leugner kritisieren, sollten sie es auch mit Holocaust-Relativierern tun.“

Extinction-Rebellion-Eklat: Mitbegründer sorgt für Entrüstung - bezeichnet Holocaust als „Scheiß“

Ursprungsartikel vom 20. November, 14.21 Uhr: Wales - Roger Hallam ist einer der 15 Gründungsmitglieder der Klimabewegung Extinction Rebellion, die in letzter Zeit mit ihren öffentlichkeitswirksamen Aktionen für weltweite Schlagzeiten gesorgt hat. Der Brite hat im Zeit-Interview nun einige drastische Aussage in Hinblick auf den Holocaust getroffen - und der deutsche Ableger von Extinction Rebellion hat bereits Stellung bezogen. 

Roger Hallam von Extinction Rebellion: Harte Worte zum Holocaust

Im Interview bezeichnet der 53-Jährige die deutsche Haltung zum Holocaust als schädlich. „Das Ausmaß dieses Traumas kann lähmen“, gibt der britische Staatsbürger an. Immer wieder soll Roger Hallam laut der Zeit auf das Thema des Holocaust zurückgekommen sein, immer wieder hätte er das Geschehen relativiert. 

Roger Hallam ist laut eigener Aussage nicht der Meinung, dass es sich bei dem Holocaust um ein „einzigartiges“ Gräuel handelt. „Tatsache ist, dass in unserer Geschichte Millionen von Menschen unter schlimmen Umständen regelmäßig umgebracht worden sind“, erklärt der Brite. Genozide hätte es in den letzten 500 Jahren immer wieder gegeben. 

Extinction-Rebellion-Gründungsmitglied leugnet Holocaust - deutscher Ableger reagiert

„Um ehrlich zu sein, könnte man sagen: Das ist ein fast normales Ereignis“, lässt der Extinction-Rebellion-Mitgründer unter anderem verlauten und bezeichnet den Schrecken des Holocaust als „just another fuckery in human history“ - also als „weiterer Scheiß in der Menschheitsgeschichte“. Eine Aussage, die der deutsche Zweig der Bewegung innerhalb kürzester Zeit entschieden zurückweist.

Auf Twitter schreibt der deutsche Ableger von Extinction Rebellion, dass die Aussagen des Mitgründers für Deutschland „nicht tragbar“ seien. „Extinction Rebellion Deutschland distanziert sich entschieden von Roger Hallams verharmlosenden und relativierenden Äußerungen zum Holocaust“, schreibt die Klimabewegung in einer Pressemitteilung und unterstreicht, dass die Aussagen nicht abgesprochen gewesen seien.

Video: Extinction Rebellion schockt mit sinkendem Haus auf der Themse

Extinction Rebellion in Deutschland - Hallam gehöre nicht mehr zu der Bewegung

Im Welt-Gespräch erklärt der Pressesprecher von XR Deutschland Tino Pfaff, dass es nicht tragbar sei, „die deutsche Geschichte in dieser Art zu verzerren“. Beim deutschen Ableger sei man sich deswegen einig, dass Roger Hallam nicht mehr zu der Klimabewegung Extinction Rebellion gehöre. Pfaff selbst sei dafür, das Gründungsmitglied offiziell auszuschließen.

Schon länger sei Hallam in der Bewegung ein Störfaktor gewesen. „Was unsere Arbeit in letzter Zeit so oft gelähmt hat, waren vor allem Statements von Roger Hallam selbst, aber bestimmt nicht die Erinnerung an den systematischen Massenmord an Millionen jüdischer Menschen in unserem Land“, schreibt Extinction Rebellion auf Twitter. Die Bewegung würde jegliche Form von Rassismus, Sexismus oder Diskriminierung entschieden ablehnen.

Holocaust-Leugnung von Roger Hallam - Stimmen aus der deutschen Politik

Auch aus der Politik wurden schnell empörte Stimmen laut. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet spricht von einem „inakzeptablem Gerede“ und fragt: „Warum dieses antisemitische und rechtsradikale Framing, wenn es doch angeblich um Klimaschutz geht?“ 

Auch Martin Schulz äußert sich auf Twitter und bezeichnet den Holocaust als „unmenschlichstes Verbrechen aller Zeiten“, Heiko Maas spricht von „einzigartig unmenschlich“. Die Erinnerung daran sei wichtig, „damit wir sicherstellen: nie wieder!“, schreibt Maas. 

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck, forderte auch andere Ableger von Extinction Rebellion dazu auf, sich von Hallam loszusagen. Die Bewegung „muss sich in Gänze glasklar von ihm distanzieren“, sagte Habeck der Bild

Buch-Veröffentlichung von Roger Hallam durch deutschen Verleger gestoppt

Neben den klaren Worten aus der Bewegung und Politik muss Roger Hallam nun wohl auch mit anderen Konsequenzen für seine Aussage rechnen. Die Ullstein Buchverlage haben entschieden, eine Buch-Veröffentlichung des umstrittenen Aktivisten zu stoppen. Am 26. November hätte „Common Sense. Die gewaltfreie Rebellion gegen die Klimakatastrophe und für das Überleben der Menschheit“ in die deutschen Buchläden kommen sollen.

jw/mit dpa

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