Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Krankenhäuser unter Druck

Corona-Patienten „quer durch Bayern“ verlegt: Erste Kliniken geraten an ihre Grenzen

Einsatz im Krankenhaus: Die Bundeswehr hilft in Augsburg mit.  Foto: dpa
+
Einsatz im Krankenhaus: Die B18 Uhur)ndeswehr hilft in Augsburg mit.

Bayerns Kliniken helfen sich in der Corona-Krise nicht nur beim Personal gegenseitig. Auch schwer kranke Patienten mussten schon „quer durch Bayern“ verlegt werden, weil in Augsburg die Intensiv-Betten knapp wurden.

  • Bayerns Krankenhäuser gehen insgesamt zuversichtlich in den Corona-Winter
  • Einzelne Kliniken sind allerdings an der Grenze der Belastbarkeit angekommen
  • Im Universitätsklinikum Augsburg hilft die Bundeswehr aus

München – Siegfried Hasenbein hat mit Kliniken und ihren Problemen einige Erfahrung. Seit 17 Jahren führt der 63-Jährige die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG), in wenigen Tagen geht er in den Ruhestand. Aber so etwas wie die Corona-Epidemie hat auch er noch nicht erlebt. Hasenbein findet, dass die Krankenhäuser im Freistaat diese Herausforderung bisher gut gemeistert haben. Und er ist auch zuversichtlich, dass die bayerischen Krankenhaus-Strukturen insgesamt dem Corona-Winter standhalten werden. „Aber wir kommen nun in eine schwierige Phase in der Pandemiebewältigung“, sagt Hasenbein. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, besonders die Ärzte und Pflegekräfte, sind längst am Limit angekommen und nicht unendlich belastbar.“ Es gebe auch einzelne Kliniken, die „an ihren Grenzen“ angelangt sind.

Schwer kranke Patienten müssen verlegt werden

Als Beispiel für Krankenhäuser, deren „Kapazitäten ausgeschöpft“ sind, nennt Hasenbein das Universitätsklinikum Augsburg. Weil sonst keine Intensivbetten mehr frei gewesen wären, mussten von dort bereits schwer kranke Patienten verlegt werden – teils „auch quer durch Bayern“, wie Hasenbein sagt. Voraussichtlich kein einmaliger Vorgang. „Man wird sich darauf einstellen müssen, dass Patienten weiter weg verlegt werden müssen“, sagt Hasenbein. Umso mehr, da der BKG-Chef davon ausgeht, dass die Zahl der Patienten auch auf den Intensivstationen in den nächsten zwei Wochen weiter zunimmt. In Augsburg ist bereits seit vergangener Woche sogar die Bundeswehr im Einsatz. Soldaten unterstützen das Klinikpersonal.

Genau dort, beim Personal, liegt bei einer weiteren Zuspitzung der Corona-Lage die „Achillesferse“ der Krankenhäuser, sagt Hasenbein. Man könne den über Jahre entstandenen Fachkräftemangel nun einmal nicht innerhalb von Wochen oder Monaten kompensieren. Um die Engpässe zu überbrücken, helfen sich die Kliniken gegenseitig mit Personal aus. Auch Medizinstudenten helfen mit. Zudem müssten wie im Frühjahr wieder Eingriffe verschoben werden, sagt Hasenbein. Doch anders als damals solle das diesmal regionaler und klüger gesteuert ablaufen. Aus der ersten Welle habe man gelernt, dass „nicht jede planbare Behandlung verschiebbar ist“. Dass damals auch Patienten mit schweren Erkrankungen die Kliniken gemieden haben, soll diesmal verhindert werden.

Ein härterer Lockdown wäre die „größtmögliche Entlastung“

In den derzeit geltenden Corona-Maßnahmen sieht Hasenbein einen „ersten wichtigen Schritt“. Aus medizinischer Sicht wäre zwar ein noch härterer Lockdown die „größtmögliche Entlastung“ für die Kliniken und ihre Mitarbeiter . Er sehe aber auch die „schweren Nebenerscheinungen“, die das mit sich bringen würde, sagt Hasenbein. Die Politik sei deshalb „auf einem richtigen Weg“.

Das sieht auch Hasenbeins Nachfolger an der BKG-Spitze so. Gleichzeitig müsse der Gesetzgeber die finanziellen Schäden, die die Kliniken durch den Ausfall verschiebbarer Behandlungen erleiden, dringend besser ausgleichen, mahnt Roland Engehausen. Geschehe das nicht, „werden viele Krankenhäuser, die sich bisher um die Behandlung von Covid-19-infizierten Patienten verdient gemacht haben, in eine wirtschaftliche Zwickmühle kommen, die die Versorgung in den nächsten Wochen gefährdet“.

Kommentare