PKK-Gruppe bekennt sich

Erdogan setzt nach Doppelanschlag von Istanbul auf Härte

Polizisten stehen nach dem Anschlag in einem Bus. Im Zusammenhang mit den Attentaten wurden 13 Menschen festgenommen. Foto: Sedat Suna
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Polizisten stehen nach dem Anschlag in einem Bus. Im Zusammenhang mit den Attentaten wurden 13 Menschen festgenommen. Foto: Sedat Suna
Angehörige der Opfer trauern in Istanbul. Foto: Sedat Suna
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Angehörige der Opfer trauern in Istanbul. Foto: Sedat Suna
Am Tag nach dem Anschlag werden die Opfer beigesetzt. Foto: Sedat Suna
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Am Tag nach dem Anschlag werden die Opfer beigesetzt. Foto: Sedat Suna
Tief getroffene Polizisten umarmen einander nach dem Anschlag, bei dem viele ihrer Kollegen verletzt wurden. Foto: Sedat Suna
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Tief getroffene Polizisten umarmen einander nach dem Anschlag, bei dem viele ihrer Kollegen verletzt wurden. Foto: Sedat Suna
Ermittler machen sich nach den beiden Explosionen an die Sicherung der Spuren. Foto: Sedat Suna
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Ermittler machen sich nach den beiden Explosionen an die Sicherung der Spuren. Foto: Sedat Suna
Alarmstimmung nach dem Anschlag in dem beliebten Istanbuler Viertel Besiktas. Foto: Sedat Suna
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Alarmstimmung nach dem Anschlag in dem beliebten Istanbuler Viertel Besiktas. Foto: Sedat Suna
Polizei an der Vodafone-Arena in Istanbul. Foto: Sedat Suna
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Polizei an der Vodafone-Arena in Istanbul. Foto: Sedat Suna

Wieder erschüttern schwere Anschläge die Türkei. Dutzende Menschen sterben, vor allem Polizisten. Eine PKK-Splittergruppe bekennt sich. Wie reagiert Staatschef Erdogan?

Istanbul (dpa) - Nach dem Doppelanschlag einer Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK mit mindestens 38 Toten hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Vergeltung angekündigt. Die Täter müssten einen "noch höheren Preis bezahlen", sagte Erdogan.

Die PKK-Splittergruppe TAK (Freiheitsfalken Kurdistans) bekannte sich am Sonntag zu den beiden Anschlägen in der türkischen Metropole Istanbul vom Vortag.

Damit wollten sie unter anderem auf die Gefangenschaft des PKK-Anführers Abdullah Öcalan und die türkischen Militäroperationen vor allem im Südosten des Landes aufmerksam machen, hieß es auf der Website. Die türkische Regierung vermutete schon vor Veröffentlichung des Bekennerschreibens eine Täterschaft der PKK.

Unter den Toten seien 30 Polizisten, sagte Innenminister Süleyman Soylu am Sonntag. Mehr als 150 weitere Menschen sei verletzt worden. Die erste Bombe explodierte nach Angaben von Soylu rund anderthalb Stunden nach dem Ende eines Fußballspiels zwischen den Erstligisten Besiktas und Bursaspor in der Nähe des Stadions von Besiktas. Es habe sich um eine Autobombe gehandelt, die gegen die Sondereinsatzpolizei gerichtet und um 22.29 Ortszeit gezündet worden sei.

Nur 45 Sekunden nach dem ersten Anschlag sprengte sich nach Angaben Soylus ein Selbstmordattentäter im Macka Park neben dem Stadion in die Luft. Auch dieses Attentat sei gegen Polizisten gerichtet gewesen, die die Gegend wegen des Fußballspiels abgesichert hatten.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, die Polizei habe einen Verdächtigen kontrolliert, der sich daraufhin in die Luft gesprengt habe. Die TAK teilte in ihrem Bekennerschreiben mit, zwei ihrer Anhänger seien bei den Attentaten getötet worden, ließ aber offen, ob es sich um zwei Selbstmordattentate handelte.

Die Zuschauer hatten sich zu dem Zeitpunkt der Anschläge schon zerstreut, es waren jedoch noch viele Polizisten vor Ort. Das Match zwischen den verfeindeten Mannschaften galt als Risikospiel, bei dem die Polizei Auseinandersetzungen zwischen Fans verhindern sollte.

Erdogan sagte, das Wichtigste sei jetzt der Kampf gegen die "Pest des Terrors". Schon am Samstagabend hatte er die Anschläge in einer Erklärung als "niederträchtig" bezeichnet. In einer gemeinsamen Erklärung riefen die islamisch-konservative Regierungspartei AKP und die Oppositionsparteien CHP und MHP zur Einheit auf. Die pro-kurdische HDP verurteilte den Anschlag in einer Mitteilung bereits am Sonntagmorgen. 13 Verdächtige wurden bisher nach Angaben des Innenministeriums festgenommen.

Tausende Demonstranten versammelten sich aus Protest gegen Terroranschläge am Sonntag in der Nähe des Besiktas-Stadions. Sie schwenkten türkische Flaggen und hielten Schilder mit der Aufschrift "Wir gewöhnen uns nicht daran" hoch, wie Fernsehbilder zeigten.

Am Samstag, nur wenige Stunden vor dem Attentat, hatte die islamisch-konservative AKP-Regierung einen umstrittenen Gesetzesentwurf zur Verfassungsänderung ins Parlament eingebracht. Damit sollen die Befugnisse von Erdogan deutlich ausgeweitet werden. Während die Opposition vor einer "Diktatur" warnt, argumentiert die Regierung, ein Präsidialsystem sei unter anderem für die Stabilität des Landes wichtig.

Bundeskanzlerin Angela Merkel übermittelte Präsident Erdogan bei einem Telefonat ihr persönliches Beileid und das der Bundesregierung. Beide Politiker vereinbarten, die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Terrorismus zu verstärken, teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer mit. Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Außenminister Frank-Walter Steinmeier reagierten erschüttert. Der Nationale Sicherheitsrat der USA verurteilte die Anschläge ebenfalls auf das Schärfste.

Die Türkei wird immer wieder von schweren Anschlägen erschüttert. Die PKK verübt Anschläge vor allem auf Sicherheitskräfte. Nach dem Scheitern eines zwei Jahre alten Waffenstillstands im Juli vergangenen Jahres geht die türkische Armee vor allem im Südosten des Landes gegen die PKK vor.

Die türkische Regierung macht aber auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für Attentate verantwortlich. Erst am Montag hatte der IS seine Anhänger zu Anschlägen in der Türkei aufgefordert.

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