Industrie will mehr Anreize

E-Autos: Regierung sieht Fortschritte

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Peter Ramsauer glaubt an die Elektromobilität.

Berlin - Zu teuer, zu geringe Reichweite, zu wenig Ladestationen: Es gibt noch viele Probleme bei der Elektromobilität. Bei einem erneuten Elektroauto-„Gipfel“ hält die Bundesregierung dennoch an ihren Zielen fest.

Trotz massiver Probleme bei Elektroautos sieht die Bundesregierung Fortschritte bei der Zukunftstechnologie. In den vergangenen Jahren sei viel erreicht worden, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Montag bei einer Konferenz zur Elektromobilität in Berlin. Allerdings sei manches schwieriger als gedacht. Wenn es aber erst in der Breite ein Angebot gebe, werde die Nachfrage auch steigen. Statt Skepsis sei „Begeisterung“ notwendig.


Ramsauer sowie Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) bekräftigten das Ziel, bis 2020 eine Million E-Autos auf die Straßen zu bringen. Bisher sind nur einige Tausend zugelassen.

Andere Länder sind schon weiter

Die deutschen Autobauer wollen bis Ende kommenden Jahres 16 neue E-Modelle auf den Markt bringen, bisher sind nur wenige erhältlich. Französische und japanische Autobauer sind bei E-Autos sowie Hybridfahrzeugen mit einer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor bisher weiter.


Bei der Konferenz mit mehreren Bundesministern und Top-Managern der Autoindustrie wollte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über den Stand der Technik informieren.

Kaufprämien, wie es sie in anderen Ländern gibt, lehnte die Bundesregierung erneut ab. Solche Prämien würden nur ein „Strohfeuer“ entfachen und keinen großen Sprung nach vorne bringen, sagte Rösler. Die Produkte müssten sich am Markt durchsetzen. Notwendig seien zudem europäische und weltweite Standards.

Carsharing als Wegbereiter für Elektroautos

Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte, derzeit hätten es Elektroautos im Wettbewerb mit herkömmlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor noch „verdammt schwer“. Dies liege vor allem an den hohen Kosten und der geringen Reichweite. E-Autos müssten aber für die Kunden sichtbar und erfahrbar sein. Ein Baustein dafür sei Carsharing mit E-Autos.

Die Automobilindustrie investiert Milliarden in Forschung und Entwicklung von Elektroautos. Gleichzeitig aber steckt der europäische Automarkt aber in einer schweren Absatzkrise.

Noch sei der Markt auf einem niedrigen Niveau, verzeichne aber hohe Zuwachsraten, sagte der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann. „Mit den richtigen Rahmenbedingungen könnte die Zahl der verkauften Elektrofahrzeuge in den kommenden Jahren deutlich erhöht werden.“ Wissmann forderte unter anderem bessere Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen, wenn sie E-Autos anschaffen.

Klimakiller? Was es aus dem Auspuff bläst 

Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Autos stoßen bei laufendem Motor giftige und klimaschädliche Stoffe aus. Deshalb hat der Gesetzgeber Grenzwerte für Kohlenmonoxid (CO), Stickoxide (NOX), Kohlenwasserstoffe (HC) und Rußpartikel (PM) festgelegt. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Ab September 2009 müssen Hersteller bei der Entwicklung neuer Autos die Abgasnorm Euro 5 einhalten. Seit Januar 2011 müssen auch alle neu zugelassenen Wagen Euro 5 erfüllen. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Konkret heißt das: Benziner dürfen zum Beispiel maximal 1 Gramm CO (Kohlenstoffmonoxid) pro Kilometer ausstoßen, Diesel nur die Hälfte. Der Grenzwert für Rußpartikel beim Diesel liegt bei 5 Milligramm je Kilometer. Übrigens, die Euro-4-Norm hatte noch das Fünffache 25 Milligramm zugelassen. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Anfang September 2011 wurde als Zwischenschritt die Rußmenge, die ein Auto ausstoßen darf, weiter reduziert - auf 4,5 Milligramm. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Ab September 2014 müssen alle neu zugelassenen Autos Euro 6 erfüllen. Diese Norm betrifft laut dem TÜV Nord in erster Linie Diesel: Der Grenzwert für Stickoxide, die neue Fahrzeugtypen mit Selbstzündern ausstoßen dürfen, wird auf weniger als die Hälfte des derzeitig gültigen Werts gesenkt - nämlich von 180 Milligramm pro Kilometer (Euro 5) auf 80 Milligramm (Euro 6). © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Kohlenmonoxid (CO): Kohlenmonoxid ist ein Gas, das schon in geringen Mengen sehr giftig ist. Es entsteht bei der Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Verbindungen, wenn nicht genügend Sauerstoff vorhanden ist. Die meisten Abgase entstehen im Leerlauf, also wenn ein Auto an einer Ampel wartet. Während des Fahrens wird hingegen wieder genügend Sauerstoff zugeführt und die CO-Konzentration sinkt wieder. © dpa
Stickoxide (NOX): Die Partikel sind u.a. schädlich für das Ozon. Stickoxid ist ein Sammelbegriff für Verbindungen aus Stickstoff und Sauerstoff, die besonders bei hohen Brennraumtemperaturen und -drücken im Motor entstehen. NOX war der Hauptgrund für die Erfindung des Katalysators. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Kohlenwasserstoffe (HC): In den Autoabgasen befinden sich neben den Verbrennungsprodukten unverbrannte Bestandteile des Benzins, wie das krebserregende Benzol, ein sogenannter "Kohlenwasserstoff". © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Rußpartikel (PM) gelangen vor allem aus den Auspuffrohren von Dieselmotoren. Durch die Einführung der sogenannten Feinstaubverordnung wird die Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen nach der Höhe ihrer Partikelemission bundesweit einheitlich geregelt. © dpa
Auspuff Auto Schadstoffe
Übrigens ist während der morgendlichen Rush-hour zwischen sieben und acht Uhr der Kohlenmonoxidgehalt der Luft am höchsten. Autofahrer auf stark frequentierten Pendler-Routen atmen mehr Kohlenmonoxid, Benzol und Dieselruß ein als etwa ein erwachsener Fußgänger. © dpa
Die Konzentration der Schadstoffe ist nämlich im Auto um ein mehrfaches höher als auf dem Fußgängerweg. Sie gelangen durch die Lüftung in das Wageninnere, im Stau werden von der Klimaanlage sogar die Abgase des eigenen Autos angesaugt. © dpa

Zetsche forderte mehr staatliche Anreize für Elektroautos. Mit Blick auf laufende Verhandlungen über strengere CO2-Grenzwerte in der EU forderte Zetsche, Elektroautos müssten für die Gesamtbilanz der Hersteller-Flotten stärker angerechnet werden. Dies sei ein Anreiz für die Autobauer, die E-Mobilität noch stärker voranzutreiben.

Konkret geht es um sogenannte „Supercredits“. Umfang und Dauer dieser Boni für Elektroautos sind aber umstritten. Bis Ende Juni soll es in der EU eine Einigung über strengere CO2-Grenzwerte geben. Unterstützung erhielt Zetsche von Rösler: „Supercredits“ wären ein „enormer Beitrag“ für die Elektromobilität, die Bundesregierung werde dafür kämpfen.

Zetsche forderte außerdem, E-Autos dürften bei der Besteuerung von Dienstwagen nicht benachteiligt werden. Dabei geht es um einen „Nachteilsausgleich“.

Die seit langem geplante Steuerförderung für Elektroautos als Dienstwagen liegt aber seit Monaten auf Eis. Grund ist ein Bund-Länder-Streit über das Jahressteuergesetz 2013 - Teil des Gesetzespakets sind weitere Steueranreize für Elektroautos als Dienstwagen.

dpa

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