Unverholene Rücktrittsforderung

Pirat Ponader veröffentlicht Droh-SMS

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Piraten-Geschäftsführer Johannes Ponader soll von Parteikollege Christopher Lauer eine Droh-SMS erhalten haben

Berlin - Piraten-Geschäftsführer Johannes Ponader hat einen brisanten SMS-Wechsel mit Parteikollege Christopher Lauer veröffentlicht. Darin wird er nicht nur beschimpft, sondern ihm wird auch gedroht.

"Lieber Johannes, wenn Du bis morgen 12:00 Uhr nicht zurück getreten bist, knallt es ganz gewaltig. Ich seh mir nicht mehr länger schweigend und untätig an, wie Du meine Partei gegen die Wand fährst." Mit dieser SMS meldete sich Christoph Lauer am Mittwochabend gegen 18 Uhr angeblich bei Piraten-Geschäftsführer Johannes Ponader. Der antwortete daraufhin: "Hallo Christopher, ich treffe mich gerne weiterhin mit dir, um darüber zu reden. Wann hast du Zeit?"

Statt darauf einzugehen, soll Lauer geschrieben haben: "Und: Man kann nur einen PGF neu wählen. Wird dann auch passieren, das verspreche ich dir." Es folgte eine weitere SMS von Ponader mit den Worten: "Damit habe ich kein Problem. Ich übergebe gerne an jemand, der das besser macht." Beendet wurde der Dialog schließlich seitens Lauer. Er antwortete angeblich: "Alter, wie verstrahlt bist du denn? Du merkst ja gar nichts mehr."

Lauer lässt offen, ob der SMS-Dialog echt ist

Das private SMS-Gespräch veröffentlichte Ponader daraufhin auf dem Blog "Netzkind" unter dem Titel "Eine unverholene Drohung". Darunter schrieb er zur Erklärung : "Ich war ein bisschen überrascht, denn diesen Stil kenne ich bislang nicht aus unserer Partei, zumindest nicht im Dialog mit Abgeordneten. Ich mache diese SMS öffentlich, damit Angriffe, die jetzt eventuell mehr oder weniger offen gegen mich erfolgen, im richtigen Licht stehen. Ich bin mir bewusst, dass die Veröffentlichung einer „privaten“ SMS eigentlich einen Vertrauensbruch darstellt, aber von Vertrauen kann bei dem Inhalt wohl keine Rede mehr sein."

Auf eine Anfrage von Spiegel Online sagte Lauer: "Dass ich in der Vergangenheit die Arbeitsweise von Johannes Ponader kritisiert habe, ist hinreichend bekannt. Ich habe aber keinerlei Interesse daran, eine Personaldebatte zu befeuern. Zu besagtem Blogpost kann ich nur sagen: Entweder die SMS sind echt - dann handelt es sich um die Veröffentlichung privater, vertraulicher Kommunikation. Oder aber sie sind nicht echt - dann handelt es sich um eine falsche Tatsachenbehauptung seitens Ponaders. Beides wäre eine maßlose Frechheit."

Ponader: Streitkultur leben, aber respektvoll

Ganz egal, was zutrifft, Fakt ist: Ponader steht erneut im Zentrum einer quälenden Personaldebatte, die die Partei zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt trifft. Eigentlich wollten die Piraten nach dem Scheitern bei der Landtagswahl in Niedersachsen jetzt den Endspurt zur Bundestagswahl vorbereiten und sich inhaltlich als klare Alternative in Stellung bringen. Noch beim letzten Parteitag in Bochum hatte Ponader gefordert:Streitkultur leben, aber im respektvollen Umgang miteinander. Dieser Vorsatz scheint nun über Bord geworfen worden zu sein.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Piraten-Geschäftsführer im Zentrum hitziger Personaldebatten steht. Im Oktober vergangenen Jahres erklärte der Baden-Württemberger Matthias Schrade, das Organisationstalent der Partei, seinen Rückzug aus dem Bundesvorstand mit den Worten: „Eine Zusammenarbeit mit Johannes Ponader ist mir schlichtweg nicht möglich.“ Zuvor hatte bereits der stellvertretende Parteivorsitzende Sebastian Nerz Ponader scharf kritisiert und eine Lösung für den Konflikt im Bundesvorstand gefordert, die auch personelle Konsequenzen einschließen könne.

Inzwischen haben viele Mitglieder der Partei die Nase voll. „Spricht eigentlich irgendwas dagegen, dass @bubernd @tirsales und @johannesponader einfach zurücktreten?“ twitterte der Berliner Abgeordnete Simon Weiß am Donnerstag - die Twitternamen beziehen sich auf Ponader, Nerz und den meist im Stillen wirkenden Bundesvorsitzenden Bernd Schlömer. Dieser hatte bis zum Bochumer Parteitag im November versucht, das auseinanderbrechende Schiff zu kitten - ohne großen Erfolg, wie sich jetzt zeigt.

Lauer, wohl einer der politischsten Köpfe der Partei, weiß, dass weiterer Knatsch die Piraten den Einzug in den Bundestag kosten würde: „Ich habe null Interesse an irgendeiner Personaldebatte“, sagte er am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Zusammen mit anderen Piraten habe er am vergangenen Wochenende bei einem Strategiecamp in Leipzig das Konzept für einen Neustart präsentiert. Mit neuen Formen für mehr politische Beteiligung über das Internet, wie dem Modell einer Ständigen Mitgliederversammlung, könnten die Piraten ihr Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Parteien herausstellen. In Berlin habe eine Forsa-Umfrage den Piraten kürzlich sieben Prozent gegeben - „jetzt müssen wir alles tun, damit wir auch im Bund so erfolgreich sind.“

Nicht zu beneiden ist Parteisprecherin Anita Möllering. Sie räumt ein, dass der Bundesvorstand auf dem Prüfstand stehe, wenn der Konflikt vom Herbst nun erneut aufbreche. Allen Beteiligten sei klar, dass es so nicht weitergehen könne. „Es müssen jetzt Schritte nach vorn unternommen werden. Wie die konkret aussehen, kann man jetzt noch nicht sagen.“ Eigentlich wollten die Piraten auf ihrem nächsten Parteitag am 11. und 12. Mai in Neumarkt in der Oberpfalz das Signal für eine inhaltliche Offensive zur Bundestagswahl im Herbst geben. Nun aber könnte auch wieder eine Erneuerung des Bundesvorstands auf dem Programm stehen.

dpa

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser