Trump und die sozialen Medien

Nazi-Symbol und „Racist Baby“-Video: Donald Trump sinkt immer tiefer

Im Wahlkampf greift Donald Trump in die unterste Schublade. Die Empörung über Facebook-Anzeigen und ein Twitter-Video ist groß.

  • Wenige Monate vor der Präsidentschaftswahlkampf* in den USA wirbt Donald Trump* um jede Stimme – egal wie.
  • Trumps Wahlkampfteam verwendet in offiziellen Facebook-Beträgen ein von den Nazis in Konzentrationslagern genutztes Symbol.
  • Twitter versieht ein von Trump geteiltes Video mit einem Warnhinweis.

Washington - Donald Trump steht zurzeit mit dem Rücken zur Wand. Wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl im November sind seine Umfragewerte im Keller, die Kritik an seinem Vorgehen in der Corona-Krise sowie nach dem Tod von George Floyd wird immer lauter. Auch sein Wahlkampfauftritt in der vom Coronavirus* geplagten Stadt Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma sorgt für Ärger. Zudem liegt er seit Wochen im Clinch mit den sozialen Medien. Dieser Streit hat nun ganz neue Dimensionen erreicht.


Trump-Team veröffentlicht Beiträge mit Nazis-Symbol auf Facebook

Denn in dieser Woche hat das Trump-Team auf Facebook Beiträge veröffentlicht, die alles bisher Dagewesene noch übertrafen. Facebook reagierte und entfernte die Posts von seiner Plattform. Und warum? Weil die Beiträge Regeln gegen die Verbreitung von „organisiertem Hass“ in dem sozialen Netzwerk widersprochen hätten, wie ein Facebook-Sprecher jetzt erklärte. Das will bei Facebook schon was heißen, allzu schnell greift Facebook in solchen Fällen normalerweise nicht ein. Doch die von Trumps Wahlkampfteam verwendeten Nazi-Symbole waren offenbar auch Facebook zu viel.


Was war geschehen? In bezahlten Posts hatte Trumps Wahlkampfteam auf Facebook angesichts der Anti-Rassismus-Proteste in den USA vor „linksextremen Mobs“ gewarnt, die Amerikas Städte zerstörten. In einer Version der Anzeige, die sich gegen die linke „Antifa“ richtete, war dabei ein umgekehrtes rotes Dreieck zu sehen – ein Zeichen, mit dem die Nazis in Konzentrationslagern politische Gefangene gebrandmarkt haben. Ein solches Symbol einer „verbotenen Hassgruppe“ könne nicht ohne den nötigen kritischen Kontext verwendet werden, sagte der Facebook-Sprecher.

Entsetzen bei jüdischen Gruppen nach Facebook-Beiträgen vom Trump-Team

Jüdische Gruppen zeigten sich empört. Ein solches Symbol einzusetzen, „um politische Gegner anzugreifen, ist hochgradig anstößig“, schrieb Jonathan Greenblatt, der Chef der Anti-Defamation League. Trumps Wahlkampfteam müsse sich mit der Geschichte auseinandersetzen. „Unwissen ist keine Entschuldigung“, schrieb er auf Twitter. Der Beitrag hatte der „Washington Post“ zufolge auf der Seite Trumps und jener seines Stellvertreters Mike Pence seit Mittwoch rund 1,5 Millionen Klicks verzeichnet.

Trumps Wahlkampagne schrieb in einem Tweet, es habe sich um ein Emoji gehandelt, das auch von der Antifa genutzt werde. Das ist natürlich völliger Unsinn wie auch die Jüdische Gruppe „Bend the Arc: Jewish Action“ auf Twitter klar stellte: „Sie versuchen, uns mit Angst und Bigotterie zu spalten. Das wird nicht funktionieren.“

Twitter versieht Trump-Tweet mit Warnhinweis

Unterdessen versah Twitter erneut einen von Donald Trump geteilten Tweet mit einem Warnhinweis. Bei dem einminütigen Clip handelte es sich um einen Zusammenschnitt einer Aufnahme zweier Kleinkinder. Ein Schwarzes Kind scheint dabei vor einem Weißen Kind wegzulaufen. Dazu wird das Logo des von Trump verabscheuten TV-Senders CNN sowie die Schriftzüge „Verängstigtes Kleinkind rennt vor rassistischem Baby weg“ und „Rassistisches Baby wahrscheinlich Trump-Wähler“ eingeblendet.

Dann scheint das Trump-Video die falsche Darstellung durch CNN zu entlarven. Es folgen die Worte: „Was in Wirklichkeit passiert ist“. Das Video zeigt, dass beide Kinder sich zuvor umarmt haben und in der Folge miteinander laufen. „Amerika ist nicht das Problem. Fake News sind es“, lautet das Fazit. Dies natürlich deshalb, weil sich Donald Trump von den bösen Medien verfolgt sieht – vor allem in CNN sieht er einen mächtigen Feind. Immer wieder bezeichnet er den TV-Sender als Verbreiter von Fake News.

Trump-Team manipuliert CNN-Video

Doch die falschen Nachrichten produzierte wieder mal Donald Trump höchstselbst. Denn der ursprüngliche CNN-Bericht von 2019 zu dem Video handelte von der Freundschaft der beiden Kinder. Der Vater des Schwarzen Jungen reagierte empört auf Trumps Verhalten: „Er wird dieses liebevolle, schöne Video nicht dazu benutzen, seine Hassagenda voranzutreiben“, schrieb Michael Cisneros auf Facebook

Twitter reagierte und stellte ein blaues Ausrufezeichen und die Wörter „Manipulierte Medien“ unter das von Trump geteilte Video. Inzwischen wurde das Video wegen einer Urheberrechtsverletzung entfernt.

Von Christian Stör (mit dpa)

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Rubriklistenbild: © NICHOLAS KAMM/AFP

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