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Merkur-Interview

Kanzlerkandidatur? Erster Zugriff für Merz - Dobrindt arrangiert sich mit künftigem CDU-Chef

Alexander Dobrindt
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CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt spricht im Bundestag (Archivbild).

Friedrich Merz wird neuer CDU-Vorsitzender. Wie kommt die CSU damit zurecht? Alexander Dobrindt gibt im Interview den Kurs vor.

München - Neue Statik in der Union: Wie gut kommt die CSU mit dem Bald-CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz zurecht? Noch im Sommer spottete Markus Söder über Merz’ „Erfahrungen aus den 90er-Jahren“. Alexander Dobrindt, als der Chef der Bundestagsabgeordneten praktisch der höchste CSU-Repräsentant in der Bundespolitik, gibt als Kurs vor: zusammenstehen statt gegeneinander sticheln.

Die CDU wählt Merz. Wie ist Ihr Gemütszustand? Euphorisch oder entsetzt?
Ausgesprochen gut gelaunt. Ich freue mich über diese Entscheidung der CDU, weil ich eine exzellente Zusammenarbeit mit Friedrich Merz erwarte. Mit ihm zusammen als CDU und CSU, können wir die links-gelbe Bundesregierung konstruktiv und kritisch herausfordern.
Wen hätten Sie gewählt?
Ich habe persönlich viel Sympathie für Friedrich Merz. Gerade aus einer Krise heraus ist sein wirtschaftspolitischer Kurs wichtig, eng verbunden mit einem klaren Bekenntnis zum sozialen Ausgleich. Das wird ein kluges Kontrastprogramm zu den Ampelmännern, die die gesellschaftliche Mitte an den Rand drängen wollen.
Gibt es nun eine Arbeitsteilung: Merz holzt als Oppositionschef, Söder tritt staatstragender auf?
Beide werden sich ergänzen. Das kann ein sehr erfolgreiches Team der bürgerlichen Politik sein. Die Union braucht gerade jetzt wieder die klare Kante und die maximale politische Breite. Es stehen bereits in der ersten Jahreshälfte 2022 herausfordernde Landtagswahlen vor uns in NRW, Saarland und Schleswig-Holstein.

Dobrindt im Interview: „Nicht glückliche Entscheidung über die Kanzlerkandidatur“

Ach. Im Wahlkampf klang das noch anders. Da gab es sehr hämische Bemerkungen von Söder über Merz.
Es macht keinen Sinn, zurückzublicken. Wir haben lebhafte Zeiten hinter uns, die auch zusammenhingen mit der nicht glücklichen Entscheidung über die Kanzlerkandidatur. Jetzt braucht es eine geschlossene Union als einige Kraft der gesellschaftlichen Mitte Deutschlands.
Ist es nicht irgendwie komisch für Sie, dass der CDU-Chef konservativer ist als der CSU-Chef?
Noch mal: Es geht um die kluge Ergänzung und das Miteinander. Beide Parteien sind liberal, christlich-sozial und bürgerlich-konservativ. Diese Wurzeln werden wir auch gemeinsam weiter vertreten.
Merz im dritten Anlauf CDU-Chef – war das der Bruch mit der Ära Merkel?
Spätestens mit der Wahl von Olaf Scholz zum Bundeskanzler und den triumphierenden Gesichtern der Ampelmänner war für alle Menschen deutlichst erkennbar, dass eine Ära zu Ende gegangen ist.

Kanzlerkandidatur? „Gehe davon aus, dass der neue CDU-Vorsitzende den ersten Anspruch auf die Kanzlerkandidatur erheben wird“

Präziser gefragt: Bricht die CDU mit der Ära Merkel?
Nein. Ganz im Gegenteil. Die 16 Jahre mit Angela Merkel hatten Höhen und Tiefen, auch im Verhältnis mit der CSU. Aber unter dem Strich heißt die Bilanz: Es waren gute Jahre für Deutschland mit Angela Merkel.
Wird oder soll Merz den Fraktionsvorsitz greifen?
Es gibt keinen Automatismus in dieser Frage. Entscheidungen stehen im April an. Ich sehe keine Notwendigkeit, sich da jetzt Gedanken zu machen.
Aber die Kanzlerkandidatur der Union dürfte jetzt entschieden sein?
Auch das steht zurzeit nicht an. Die Union muss erst mal deutlich an Zustimmung gegenüber Linksgelb gewinnen. Aber ich gehe davon aus, dass der neue CDU-Vorsitzende auch den ersten Anspruch auf die Kanzlerkandidatur 2025 erheben wird.

Interview: Christian Deutschländer

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