Resistente Keime als Gefahr

Ärzte fürchten folgenschweren Fehler - auch nach Corona: „Wenn an einem Mega-Standort ...“

Ein leeres Bett steht in der Intensivstation einer Klinik in Nordrhein-Westfalen.
+
Der Marburger Bund fordert eine Klinikreform: „Weniger kann nicht mehr sein“

Die Corona-Krise zeigt, wie wichtig eine gute Krankenhausversorgung ist. Der Marburger Bund warnt vor einem möglicherweise folgenreichen Fehler.

  • Die Corona-Pandemie hat aufgezeigt, wie wichtig eine gute Krankenhausversorgung ist.
  • Der Ärzteverband Marburger Bund warnt angesichts dessen vor einem Fehler.
  • Im Kern geht es um die Frage, ob eine Zusammenlegung von Standorten die Versorgung verbessern kann.

München - Das Coronavirus* hat den meisten nahegebracht, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Eine gute Krankenhausversorgung vor Ort ist Gold wert. Der Ärzteverband Marburger Bund will nun eine möglicherweise folgenschwere Fehlentwicklung verbindern.

Im Kern geht es bei der Diskussion auch um die Frage, ob durch die Zusammenlegung kleinerer Kliniken zu großen Standorten das tendenziell knappe Personal gebündelt, sowie die Versorgung (inklusiver aller medizinischer Ausstattung) gebündelt organisiert werden kann - oder eben nicht. Der Marburger Bund nimmt hier einen klaren Standpunkt ein.


Kliniken zu Corona-Zeiten: Freie Kapazitäten im DIVI des RKI bedeuten noch nicht, dass...

Grundsätzlich scheinen die deutschen Krankenhäuser sich während der Corona-Pandemie* gut bewährt zu haben. Doch der Schein kann trügen, schreibt ein Notarzt und Anästhesist auf Twitter: „Nur weil die DIVI täglich freie ITS-Betten meldet, stehen diese noch lange nicht physikalisch zur Verfügung oder sind (...) aufgerüstet. Vom Personal ganz zu schweigen. Nur weil keine Patienten von Krankenhäusern abgewiesen werden, sind diese noch lange nicht ordentlich versorgt.“ Die DIVI ist das Zentralregister des RKI für Intensivbetten.

Für Aufsehen gesorgt hatte im vergangenen Jahr eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung: Wenn man jeden zweiten Klinikstandort schließt, könnte die Versorgungslage verbessert werden, so das Ergebnis. „Weniger ist mehr“ könne nicht die alleinige Lösung sein, hält die Vorsitzende des Marburger Bunds, Susanne Johna, dagegen.

Ärzte fordern Klinikreform: Planung muss sich an regionalem Bedarf ausrichten

„Die erste Frage muss sein, wie ist der regionale Versorgungsbedarf? Und nicht, wie viele Standorte werden benötigt?“, sagte die Chefin des Marburger Bundes, der auch die Klinikärzte vertritt. Der regionale Versorgungsbedarf ergebe sich nicht nur durch die Anzahl der Bewohner einer Region, sondern beispielsweise auch durch die Altersstruktur.

Gegen eine Zusammenlegung von mehreren Standorten zu einem großen Standort spreche unter anderem das Ausfallrisiko: „Wenn sich in so einem Megastandort ein resistenter Keim verbreitet, muss womöglich die ganze Klinik geschlossen werden. Die Aussage ‚größer ist besser‘, ist in dieser einfachen Form nicht haltbar.“

In ländlichen Regionen könne man Klinikstandorte auch als ambulante Versorgungszentren ausbauen: „Denn wo es kein Krankenhaus mehr gibt, auf das sie fürs Röntgen oder für Laborleistungen zurückgreifen können, lassen sich auch Praxisärzte nicht so gerne nieder“, so Johna. Eine Nacht im Krankenhaus verbrachten auch zwei Bergsteiger - sie waren vom Blitz getroffen worden.(kat) *Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Kommentare