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Corona-Talk bei Illner: Schutzmasken-Händler wirft Spahn Versagen vor - Zuschauer sehen rot

Schutzmaterial-Großhändler Achim Theiler und Krankenschwester Yvonne Falckner bei Maybrit Illner (ZDF).
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Schutzmaterial-Großhändler Achim Theiler und Krankenschwester Yvonne Falckner bei Maybrit Illner (ZDF).

In der Corona-Krise ging es bei Maybrit Illner um fehlende Schutzmaterialien. Klar wurde: Das Gesundheitsministerium hat die Entwicklung um mehrere Wochen verpennt. 


Berlin - Bei Maybrit Illner ging es am Donnerstagabend angesichts der Corona-Krise um fehlende Schutzkleidung in Deutschland. Die Moderatorin selbst brachte es auf den Punkt: „Eines der besten Gesundheitssysteme der Welt scheint zu scheitern an Einwegartikeln“. 

Die Bundestagsabgeordneten und Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann (FDP) und Karl Lauterbach (SPD) konnten diese Befürchtung nicht entkräften. „Wir haben ein bisschen sehr knapp kalkuliert in Vorbereitung auf diese Pandemie“, räumt Ullmann ein. Von der Universitätsklinik in seiner Heimatstadt Würzburg wisse er zum Beispiel, das nur noch Schutzkittel für knapp zwei Wochen vorrätig seien. „Die Zahlen sind schon besorgniserregend.“ 


Maybrit Illner (ZDF): Lauterbach befürchtet dramatische Situation, wenn die Corona-Lage in den USA noch ernster wird

Lauterbach empfindet es als „peinlich“ für Deutschland, dass der Heinsberger Landrat Stephan Pusch in China direkt für Schutzartikel anfragen müssen. Der SPD-Gesundheitsexperte zeichnete ein bedrohliches Szenario auf: In Kürze müsse man global eine „gigantische Knappheit an Material befürchten“. Lauterbach befürchtet, dass diese Situation eintritt, wenn die Coronavirus-Pandemie* in wenigen Wochen in den USA richtig um sich greift„Wenn die Amerikaner das Problem richtig hart bekommen, werden sie den Markt mit massiven Geld- und Aktienpower versuchen leer zu kaufen. Bis dahin müssen wir vorbereitet sein.“

Krankenschwester bei Maybrit Illner (ZDF): Kein Kanonenfutter in der Corona-Pandemie werden

Direkt betroffen von dem Mangel an Schutzmasken ist die Krankenschwester Yvonne Falckner. Sie und ihre Kollegen wollen kein „Kanonenfutter“ werden. Deshalb verfasste sie auch eine Petition an Jens Spahn, der sich schon Hunderttausende angeschlossen haben. „Wenn wir ungeschützt in den Einrichtungen arbeiten müssen, dann können wir uns infizieren und daran sterben.“ Sie nennt als Beispiel tragische Fälle in China, Italien und Spanien. Auch in Deutschland habe sich eine Altenpflegerin angesteckt und auf einer Intensivstation um ihr Leben kämpfen müssen. 

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Atemschutz-Großhändler empört sich bei Illner über Jens Spahn: „Wir hatten sechs Wochen Zeit!“

Der Allgäuer Atemschutz- und Mundschutz-Großhändler Achim Theiler von der Firma „Franz Mensch GmbH“ erhob gravierende Vorwürfe gegen Gesundheitsminister Jens Spahn und sein Ministerium. Theiler habe bereits am 5. Februar einen Brief an das Gesundheitsministerium geschrieben und auf die kritische Lage hingewiesen. Hintergrund war der Exportstopp von Schutzmasken* in China, das über 90 Prozent der Schutzmaterialien produziert. Es hätten sich bereits zu diesem Zeitpunkt dramatische Lieferengpässe abgezeichnet. Da sei Thiele klar geworden: „Das wird kritisch!“ Doch der Brief an Jens Spahn blieb unbeantwortet, ebenso wie eine spätere E-Mail.

„Für uns ist das nicht nachzuvollziehen, dass wir so unglaublich schlecht vorbereitet sind“, empörte sich der Großhändler. „Wir hatten sechs Wochen Zeit!“ Spahn habe zu dem Zeitpunkt noch immer behauptet, Deutschland sei gut auf das Coronavirus vorbereitet. Auf die Frage von Illner, ob er Beschlagnahmungen durch den Staat befürchten muss, lachte der Großhändler nur auf. Was solle der Staat denn beschlagnahmen - „bei uns im Lager ist nichts!“ Thiele forderte, dass Schutzmasken zukünftig in Deutschland selbst produziert werden müssten - oder das man zumindest das Know-how dafür haben müsse. 

„Aus dem Leben einer Reinigungskraft" - auf Facebook berichtet eine Nutzerin von schlimmen Zuständen in der Branche. Die Lage werde immer beschämender. Die Wut auf Touristen wächst.*

„Maybrit Illner“-Zuschauer reagieren entsetzt auf Schutzmasken-Vorwürfe gegen Jens Spahn

Viele Zuschauer reagierten entsetzt auf die Ausführungen des Großhändlers. „Was ich gerade von Herrn Theiler bei Illner höre, taugt wirklich für einen Untersuchungsausschuss“, schrieb einer auf Twitter. Ähnlich reagierte ein anderer Twitter-Nutzer: „Wer Herr Theiler zuhört wundert sich, dass Spahn und andere Versager noch im Amt sind!“ Eine weitere Zuschauerin twitterte, das „Vollversagen“ des Gesundheitsministeriums sei offenbart worden.

Bei dem beliebten Polit-Talk gibt es auch in diesem Jahr eine Unterbrechung. Es geht im Juli 2020 für Maybrit Illner in die Sommerpause*.

Der britische Premierminister Boris Johnson ist positiv auf Coronavirus getestet worden. 

Massive Kritik am Gesundheitsministerium von Jens Spahn. Hat sich die Bundesbehörde verzockt und Händler geprellt? Die betroffenen Lieferanten von Schutzausrüstung wollen offenbar klagen.

*Merkur.de/tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

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