Nach der Wahl

Kretschmer als Vorbild für den Bund: An Sachsen wachsen

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Der Mann der Stunde: CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer (l.) und Kanzlerin Angela Merkel gratulieren dem Wahlsieger Michael Kretschmer.
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Die CDU bejubelt ihren Wahlsieger Michael Kretschmer, der in Sachsen die AfD im Zaum gehalten hat. Sein klarer Kurs soll der Partei nun bundesweit als Vorbild dienen.

München – Michael Kretschmer hat in den letzten Monaten so einiges mitgemacht. Denn Sachsens Ministerpräsident ist im Wahlkampf genau dahin gegangen, wo es richtig wehtut. Er ließ sich auf den Marktplätzen ankeifen und bepöbeln.

 Er diskutierte geduldig mit wütenden AfD-Wählern, die er längst nicht mehr für seine CDU gewinnen konnte – immer in der Hoffnung, mit Argumenten und Sachlichkeit zumindest Umstehende zu überzeugen. Dabei stand auch für ihn selbst viel auf dem Spiel. Wäre die AfD bei den Landtagswahlen stärkste Kraft geworden, wäre Kretschmers politische Karriere wohl vorbei gewesen. Doch es kam anders.

Seit Sonntag ist klar, Kretschmers Plan ging auf. Während der CDU-Kandidat in Brandenburg, Ingo Senftleben, sich nicht durchsetzen konnte, hat Kretschmer Sachsen für die CDU verteidigt, und die AfD – zumindest diesmal – ausgebremst.

Kramp-Karrenbauer lobt Kretschmer

Der Lausitzer gilt nun vielen in der Partei als Vorbild. „Das ist der Wahlsieg von Michael Kretschmer“, sagte gestern selbst CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn regte an: „Wir können von Michael Kretschmer und seiner sächsischen CDU viel lernen.“ Denn der habe sich „nicht an anderen Parteien abgearbeitet, sondern mit Zuversicht seinen Plan für die Zukunft des Landes präsentiert“, lobte Spahn, der auch im CDU-Präsidium sitzt.

Tatsächlich war Kretschmers Kurs gerade in der entscheidenden Phase vor allem von Klarheit geprägt. Während Senftleben in Brandenburg sich oft noch ein kleines Hintertürchen offen ließ, legte Kretschmer in den Umfragen in Sachsen zu, seitdem er klare Kante zeigte – auch gegenüber Linken und AfD. Gestern betonte der Wahlsieger noch einmal, die CDU müsse stärker zeigen, dass sie eine „eigenständige, kluge Kraft“ sei, die eigene Antworten gibt. Auch zu Themen wie dem Klimaschutz – und bitte ohne Verbote.

CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer schien es sich prompt zu Herzen genommen zu haben. Zuhören, Verstehen, Diskutieren und Entscheiden. In diesen Schritten solle nun auch die Erneuerung der Partei erfolgen, sagte sie gestern. Doch kurz bevor sie die neue konsequente Linie verkündete, war es die Parteichefin selbst, die erneut Unklarheiten aufbrachte.

Abgrenzung zur AfD soll bleiben

Auf die Frage, ob ihre Partei bei der Abgrenzung Richtung AfD bleiben und somit ein Viertel der Wähler außen vor lassen könne, sagte sie im ARD-„Morgenmagazin“: „Ja, wir können.“ Erst später, auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Kretschmer, besserte sie auf Nachfrage nach. Die CDU kämpfe natürlich um jeden Wähler, egal, ob dieser der CDU seine Stimme gegeben habe oder nicht. Man halte aber den Kurs gegen eine Haltung, die sich auf das Schlechtreden und Angstmachen konzentriere. Es bleibe deshalb auch dabei, „dass es mit der AfD keine Regierung geben wird“.

Dazu steht auch Kretschmer, der gestern bereits zarte Signale in Richtung anderer möglicher Koalitionspartner – wie den Grünen – sandte. Es gebe eine Zeit vor der Wahl, in der man deutlich machen müsse, wo sich die Angebote der Parteien unterscheiden. Doch dann, nach dem Wahltag, habe man ein Ergebnis, mit dem man umgehen müsse. Und dazu sei er bereit, sagte Kretschmer. Es könne zwar noch dauern, doch: „Demokraten werden eine Lösung finden.“ 

Sebastian Horsch mit dpa

Nach der Sachsen-Wahl 2019 steht fest, wie viele Sitze die AfD im Landtag bekommt. Die CDU feiert Retter Kretschmer. Die SPD bekommt den Spott ab.

Die AfD hat am Wahlsonntag die etablierten Parteien schockiert - am härtesten getroffen hat sie aber wohl die Linke. Experten ziehen ein für die Partei bitteres Fazit.

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