Zweikampf der Kanzlerkandidaten eröffnet

Ist Laschet-Wahl Chance für Söder? CSU-Basis enttäuscht über Merz-Niederlage - „Chance vertan“

Markus Söder beim Pressestatement in seiner Heimatstadt Nürnberg unmittelbar nach der Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden.
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Freundliche Grüße aus Bayern: Markus Söder beim Pressestatement in seiner Heimatstadt Nürnberg kurz nach der Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden.

Mancher Merz-Fan in der CSU, und das waren einige an der Basis, ist enttäuscht über die CDU-Wahl. Für Söder eine Chance? Das Rennen um die Kanzlerkandidatur ist jetzt so offen wie noch nie.

  • Die Wahl der CDU-Delegierten fiel am Samstag auf Armin Laschet als Parteivorsitzenden.
  • So manchem CSU-Politiker dürfte das nicht geschmeckt haben.
  • Für Markus Söder könnte es jedoch eine Chance sein, sich als Kanzlerkandidat zu profilieren.

München - Am Samstagmittag steht Markus Söder vor einer Kirche in Nürnberg* und äußert sich salbungsvoll. „Fairer Ablauf“, „freue mich sehr“, „sehr, sehr gute und enge Zusammenarbeit“. Solcherlei sagt er in die Kameras als erste Reaktion auf die Laschet-Wahl. Nett und harmlos – bis ein paar Nachsätze kommen. Die CDU müsse nun die kommenden Landtagswahlen „zu guten Ergebnissen bringen“, außerdem müsse sich die „neu aufgestellte CDU komplett geschlossen zeigen, das ist wichtig“.

Laschet-Wahl zum CDU-Parteivorsitzenden: Söder kann sich erst einmal zurücklehnen


Ein Glückwunsch also und gleich zwei Messlatten: Bereits wenige Minuten nach der Laschet-Wahl skizziert Söder, woran er den neuen CDU-Vorsitzenden messen wird. Die Latten legt er hoch, denn weder die Wahl in Baden-Württemberg* gegen Grünen-Promi Kretschmann noch die in Rheinland-Pfalz* gegen ein Ampel-Bündnis sind für die CDU* Selbstläufer. Und geschlossen ist die Partei nach dem knappen Merz-Scheitern wahrlich nicht.

Für Söder ist diese Situation komfortabel: Er kann nun bis nach Ostern abwarten, wie sich Laschet im neuen Amt so schlägt. Bis dahin gelten der Franke und der NRW-Regent, ohne dass eine Initiativbewerbung nötig wäre, als potenzielle Kanzlerkandidaten der Union.

In Parteikreisen ist zu hören, dass Söder die Laschet-Wahl am liebsten war. Nicht in seiner Rede am Digital-Parteitag, aber ein paar Tage davor hatte der CSU-Chef das auch anklingen lassen. Laschet* ist für ihn berechenbar, bisher kein gefährlicher Rivale. Der Armin sei „echt nett, aber nicht gewichtig“, heißt es ganz zufrieden aus der CSU-Spitze. Dass Merz und auch der junge Gesundheitsminister Jens Spahn bei diesem Parteitag massiv Boden verloren haben, kann Söder, will er sich die Chance einer Kanzlerkandidatur offen halten, nur recht sein.

Nach Laschet-Wahl zum CDU-Vorsitzenden: CSU-Basis hätte sich Merz als Sieger gewünscht

An der CSU-Basis denken indes viele anders. Der kantige Wirtschaftspolitiker Merz kam bei vielen Christsozialen sehr gut an. Für den Zweitwohnsitz Tegernsee, mitsamt Miesbacher Kfz-Kennzeichen, feierte ihn mancher schon als halben Bayern. „In der Tat hat Friedrich Merz sehr viele Fans gerade in Oberbayern“, sagt die Bezirksvorsitzende Ilse Aigner. „Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass er eine wichtige Rolle in der Parteispitze einnimmt.“

Aigner fordert jetzt Geschlossenheit in der Union. Andere reagieren zorniger. „Chance vertan“, schreibt der fränkische Landtagsabgeordnete Steffen Vogel auf Facebook und verbreitet ein Laschet-Foto vom Frühjahr, auf dem der CDU-Mann die Maske unter der Nase hängen hat und doof dreinschaut. Wie solle man mit dem die Wahl gewinnen, spottet Vogel.

Im harten Merz-Fanclub sammeln sich nun die flammendsten Befürworter einer Kanzlerkandidatur Söders. Er selbst sieht die Risiken für die CSU*: ungeklärte Nachfolge in Bayern, ein Ende des enorm populärem Dualismus, als CSU-Politiker jederzeit hemmungslos auf die Regierung da oben in Berlin schimpfen zu können. Unter den Bundestagsabgeordneten würden das viele gern in Kauf nehmen. Sie glauben, dass Söder am ehesten ihre (Direkt-) Mandate sichern wird.

CDU-Parteivorsitz: Söder wird sich gegen Laschet schwerer tun

„Der Beste muss als Kanzlerkandidat antreten“, sagt auch Ulrike Scharf, die Chefin der Frauen-Union in Bayern. „Die Union muss jetzt intensiv beraten und den Wahlsieg klar vor Augen haben.“

Ein früherer Vorsitzender rät seiner CSU indes, Laschet nicht zu unterschätzen. Erwin Huber warnt, Laschet werde „freundschaftlich und harmonisch getarnt, stärker als AKK eine Dominanz der CDU in der Unionsfamilie aufbauen wollen. Söder und die CSU werden sich härter tun, Eigengewicht und Einfluss gegen das Duo Merkel und Spahn zu bewahren.“ Man müsse sich nun mit einer stärkeren und entschlosseneren Schwester arrangieren.

Offenen Streit will Söder in den kommenden Wochen vermeiden. Man werde sich gemeinsam verständigen, er und Laschet, sagt er am Sonntagabend in der ARD. Das Initiativrecht liege natürlich immer bei der CDU. Entscheidend sei: „Was ist das Beste fürs Land? Dem hat sich jeder unterzuordnen.“ Und: „Es kommt nicht auf das Ego eines Einzelnen an.“ (cd)*Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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