Bundespräsident auf Antrittsbesuch

Gauck bietet Seehofer humorvoll Paroli

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Offizieller Antrittsbesuch in Bayern: Bundespräsident Joachim Gauck.

München - Zweimal kam er als Kandidat in den Landtag, jetzt kommt er als amtierender Bundespräsident: Joachim Gauck tourt einen Tag lang durch Bayern - und zeigt sich dabei auch von seiner humorvollen Seite.

Joachim Gauck genießt sie sichtlich, diese kleine, süffisante Bemerkung über Bayern. Direkt nach der kurzen und von Eigenlob für den Freistaat gespickten Begrüßung von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagt der Bundespräsident, er würde ja nun am liebsten anheben „zu einer zweistündigen Würdigung des bayerischen Wesens im Allgemeinen, und was Deutschland und Europa daraus lernen und mitnehmen können im Besonderen“. Das sei angesichts des engen Zeitplans seines Bayern-Besuchs aber leider nicht möglich.

Und dann spielt Gauck noch einen Ball zurück, den ihm Seehofer vorher zugespielt hatte. Der hatte gesagt, Bayern habe ja im Wesentlichen keine Probleme. Man trete deshalb sehr selbstbewusst auf, und nehme es auch hin, in der Welt teilweise als eigener Staat wahrgenommen zu werden. Aber Seehofer betonte dann auch: „Weiter gehen wir nicht - wir treten jetzt in diesem Moment nicht aus.“

Auf die Bemerkung Seehofers, Bayern habe keine Probleme, sagt Gauck dann: „Ja, wie soll ich das verstehen? Sind Sie außerhalb Deutschlands, oder wie? Sie wissen doch, dass zu unserem Nationaldiskurs gehört, dass wir problembewusst sind. (...) Wie kommen Sie jetzt daher und sagen einfach, Sie haben keine Probleme. Also, ein Ding ist das ja.“ Und der Bundespräsident ergänzt: „Ich überlege mir das, ob das ein besonders deutliches Zeichen für Sezessionsbereitschaft ist - das wollen wir nun wieder nicht hoffen.“

Gauck, an diesem Dienstag zum offiziellen Antrittsbesuch in Bayern unterwegs, ist aber voll des Lobes für den Freistaat. Als „Mensch von der Küste und noch dazu aus dem Osten“ habe er eine besonders herzliche Verbindung zu Bayern. „Das hängt nicht nur mit ganz persönlichen Gründen zusammen, die es durchaus auch gibt“, berichtet er - seine Lebensgefährtin Daniela Schadt kommt aus Nürnberg.

Gauck lobt das Ehrenamt

Gauck lobt das große Maß an ehrenamtlichem Engagement in Bayern („Das ist das, was ein Leben reich und stark macht“), die „offenen Arme und offenen Herzen“ bei der Integration von Menschen anderer Herkunft, und er lobt eine schon lange in die richtige Richtung gehende Bildungs- und Hochschulpolitik. „Traditionen sind schön, sie wärmen das Herz - aber wir müssen zukunftsfähig bleiben“, mahnt er.

Auf seiner Tour durch Bayern erlebt Gauck sozusagen beides, Tradition und Moderne, Laptop und Lederhose. Geplant waren Besuche beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und in Regensburg. Begrüßt worden war er in Eiseskälte vor der Staatskanzlei in München von einem Polizei-Musikkorps und einer Hundertschaft der Bereitschaftspolizei. Drinnen singt ihm der Kinderchor der Staatsoper ein Ständchen - es gibt die obligatorischen Fotos mit Kindern in Dirndl und Lederhose. Gauck dankt für den herzlichen, „bayerisch-glanzvollen Empfang“.

Gaucks Besuch ist allerdings in zweierlei Hinsicht ein bisschen besonders: Es gibt keinen Riesen-Empfang mit Böllerschützen und zahllosen Besuchern wie einst bei Christian Wulff - hinter der Staatskanzlei im Hofgarten haben sich nur wenige Dutzend Schaulustige zusammengefunden. Der Rahmen sei zwischen Staatskanzlei und Bundespräsidialamt so vereinbart worden, heißt es. Berlin hat dem Landtag aber diktiert, wie das Gespräch im Landtag abzulaufen hat und mit wem als Gästen. Fragen an Gauck mussten vorher eingereicht werden, was bei mehreren Fraktionen teils Kopfschütteln, teils Ärger auslöste. Gauck antwortet aber am Ende auch auf spontane Fragen.

Aber auch in einer zweiten Hinsicht ist der Besuch, und zwar konkret im Landtag, ein bisschen besonders. Es ist nämlich Gaucks vierter seit 2007 - und in dieser Zeit hat die Haltung der CSU zu Gauck einige Wendungen erlebt: 2007 war Gauck Festredner anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Akademie für Politische Bildung Tutzing - die versammelte CSU-Spitze saß in der ersten Reihe. 2010 kam er als Oppositions-Kandidat für das Bundespräsidenten-Amt - von der CSU traute sich fast keiner in den Plenarsaal des Landtags. 2012 dann war Gauck der gemeinsame Kandidat - und die CSU scharte sich wieder hinter ihm. „Ich glaube, da sollte ich irgendwie was werden“, sagt Gauck am Dienstag rückblickend über seine vergangenen Besuche - während ihn nun alle nur noch mit „hochverehrter Herr Bundespräsident“ anreden.

dpa

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