Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Putins Koch“ mischt plötzlich mit

Nowitschok-Anschlag: Nawalny-Vertraute festgenommen - „ist eine kriminelle Gruppe“

Er soll eine Falle gestellt haben: Alexey Nawalny rief einen seiner mutmaßlichen Attentäter an und bekam ein brisantes Geständnis. Derweil verhängt Russland Sanktionen gegen EU-Staaten.

Update vom 25. Dezember, 13.45 Uhr: Eine Sprecherin des Ermittlungskomitees in Moskau teilte am Freitag mit, dass gegen Nawalnys Mitarbeiterin Ljubow Sobol ein Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch eingeleitet wurde. Aktuell werde sie dazu befragt. Sobol hatte nach der Veröffentlichung des Fake-Anrufs durch Nawalny das Polizei-Aufgebot an der Wohnung des angeblichen FSB-Agenten gefilmt. Dabei wurde sie festgenommen und zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil sie sich angeblich der Polizei widersetzt habe.

Iwan Schdanow, Chef von Nawalnys Fonds zur Bekämpfung von Korruption (FBK) teilte mit, dass ihr Hausfriedensbruch vorgeworfen werde, weil sie an der Tür des vermeintlichen Agenten geklingelt habe. Schlimmstenfalls drohe eine Haftstrafe. Das russische Ermittlungskomitee wirft der 33-jährigen Frau vor, mehrfach versucht zu haben, die Wohnung einer älteren Frau mit der Uniform der Verbraucherschutzbehörden betreten zu wollen. Ebenfalls habe sie vorgetäuscht eine „verlassene Ehefrau mit Kleinkind“ zu sein. Den Angaben zufolge sei sie so in das Haus gelangt, habe die Wohnung der Frau „gestürmt“ und mit ihrem Handy gefilmt.

Nawalny kritisiert scharf Vorgehen gegen Vertraute - 33-Jährige von Ermittlungsbehörde festgenommen

„Das ist kein Staat, das ist eine kriminelle Gruppe“, sagte Nawalny zu den Vorwürfen gegen seine Vertraute. „Es wird einfach dreist ein Strafverfahren fabriziert.“ Die gesamte Ausrüstung in Sobols Wohnung sei von den Sicherheitskräften beschlagnahmt worden, selbst das Handy der sieben Jahre alten Tochter, schrieb Nawalny. Das Mädchen und der Ehemann hätten die Wohnung verlassen dürfen.

Update vom 25. Dezember, 10.50 Uhr: Eine Vertraute des Kreml-Kritikers Alexey Nawalny wurde offenbar von russischen Behörden festgenommen. Das berichtet die Associated French Press mit Verweis auf Nawalnys Mitstreiter Iwan Schdanow. Dieser sagte am Freitag, man ermittele gegen Ljubow Sobol wegen „Hausfriedensbruch“ und „Gewaltandrohung“. Der Vorfall ereignete sich, nachdem Nawalny einen seiner mutmaßlichen Attentäter, einen FSB-Agenten, am Telefon hereingelegt hatte.

Den Angaben Schdanow zufolge, habe die Nawalny-Vertraute Sobol am Montag versucht, besagten FSB-Agenten in seiner Wohnung aufzusuchen. Dabei wurde sie festgenommen, als sie vergeblich an der Tür des mutmaßlichen Attentäters klingelte. Nach einigen Stunden in Polizeigewahrsam wurde sie der AFP zufolge freigelassen. Nawalny selbst berichtete, dass die Wohnung der 33-Jährigen am Freitag durchsucht wurde. Von ihr fehle jede Spur, das Handy sei ausgeschaltet. Der Kreml-Kritiker vermutet, dass sie erneut festgenommen wurde.

Details über Nawalny-Anschlag: Bericht der Berliner Charité über Wirkung des Nervengifts Nowitschok

Update vom 23. Dezember, 13.10 Uhr: Aus dem von der Charité im Fachblatt The Lancet veröffentlichten Bericht zur Behandlung Alexej Nawalnys (siehe voriges Update) gehen drastische Details zur Wirkung des Giftstoffes Nowitschok hervor. Die Mediziner zeichnen in dem Artikel auf vier Seiten erstmals nach, welche Symptome das von Moskau in den 1980er-Jahren entwickelte Nervengift der Nowitschok-Gruppe auslöst.

Den Daten zufolge fiel Nawalny in ein Koma, der Herzschlag verlangsamte sich massiv, die Körpertemperatur sank auf 34,4 und zeitweise auf 33,5 Grad Celsius, hieß es in dem Artikel, der mit Einverständnis des Patienten erschien. Russland bestreitet bis heute, dass Nawalny am 20. August in der sibirischen Stadt Tomsk vergiftet wurde.

Die Ärzte verglichen die Wirkungsweise des Nervengifts Nowitschok mit denen von Organophosphaten, die zur chemischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden. Sie vermuten, dass Nawalny überlebte, weil er nach Einsetzen der Symptome sehr schnell behandelt wurde - unter anderem mit dem als Gegengift genutzten Atropin und mit künstlicher Beatmung. Nawalny hatte dem Bericht zufolge großes Glück, dass der Anschlag nicht schlimmer ausgegangen ist. „Sein guter Gesundheitsstatus vor der Vergiftung hat wahrscheinlich seine Erholung begünstigt“, stellten die Ärzte fest.

Nawalny-Anschlag: Nun mischt plötzlich „Putins Koch“ mit - Charité veröffentlicht medizinische Details

Update vom 23. Dezember, 11.00 Uhr: Der als „Putins Koch“ bekannte Catering-Unternehmer Jewgeni Prigoschin hat gegen den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny eine Klage wegen Verleumdungsvorwürfen eingereicht. Ein Moskauer Gericht veröffentlichte die Klageschrift, die sich auch gegen den engen Nawalny-Verbündeten Wladimir Milow richtet, am Dienstag auf seiner Website.

Das Gericht teilte der russischen Nachrichtenagentur Tass mit, Prigoschin fordere fünf Millionen Rubel (knapp 55.000 Euro) Schadensersatz. Der 59-jährige Prigoschin ist als „Putins Koch“ bekannt, da seine Catering-Firma Concord für den Kreml gekocht hat.

Derweil publizierte die Berliner Universitätsklinik Charité, in der Nawalny nach seiner Vergiftung versorgt wurde, am Dienstag Details zu seiner Behandlung in der Fachzeitschrift The Lancet. Dieser hatte der Publikation zuvor zugestimmt. Wladimir Putin hat unterdessen ein neues Gesetz unterzeichnet - mit weitreichenden Folgen.

Fall Nawalny: Maas äußert sich

Update vom 23. Dezember, 7.38 Uhr: Außenminister Heiko Maas (SPD) sieht Erkenntnisse der Bundesregierung zum Fall Alexey Nawalny durch Medienrecherchen bestätigt, nach denen der Kremlgegner von russischen Geheimdienstagenten vergiftet wurde. Neue Sanktionen sind seinen Angaben zufolge deswegen aber nicht geplant.

Die Rechercheergebnisse seien „weder neu noch überraschend“, sagte Maas der Deutschen Presse-Agentur. Die Europäische Union habe Strafmaßnahmen „gegen die politisch Verantwortlichen eines schweren Bruchs des Chemiewaffenübereinkommens“ verhängt. „Dass das durch Recherchen jetzt noch einmal journalistisch aufgearbeitet und erhärtet worden ist, empfinden wir als Bestätigung. (...) Aber auf dieser Basis wird es keine neuen Konsequenzen geben.“

In der vergangenen Woche hatten mehrere Medien Rechercheergebnisse veröffentlicht*, denen zufolge mindestens acht russische Geheimdienstagenten den Anschlag auf Nawalny verübt haben sollen. Auf seiner großen Jahrespressekonferenz sprach Präsident Wladimir Putin anschließend zwar von einer Beobachtung Nawalnys durch russische Geheimdienstler - eine Vergiftung wies er aber klar zurück. „Wenn das jemand gewollt hätte, dann hätte er das auch zu Ende geführt“, sagte Putin mit Blick auf die Mordvorwürfe.

Nawalny/Russland: Kreml wirft ihm „Verfolgungswahn“ vor - Einreisesperren verhängt

Update vom 22. Dezember, 13.23 Uhr: Der Kreml hat Alexej Nawalny nach dessen Anschuldigungen gegen den russischen Geheimdienst FSB „Größenwahn“ und „Verfolgungswahn“ vorgeworfen. „So muss man sich wahrscheinlich dazu verhalten“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag der Agentur Interfax zufolge. Nawalny hatte FSB-Agenten vorgeworfen, sie hätten ihn jahrelang verfolgt und dann im August in der sibirischen Stadt Tomsk mit einem Nervengift der Nowitschok-Gruppe vergiftet.

Peskow sagte, Nawalny versuche mit seinen Veröffentlichungen, dem Ansehen des FSB zu schaden. „Der FSB erfüllt nach der Verfassung eine sehr wichtige Rolle: Er schützt uns vor Terrorismus, vor Extremismus und vor verschiedenen tödlichen Gefahren“, so Peskow. „Diese Rolle erfüllt der FSB sehr gut und sehr effektiv.“ Politologen hingegen nannten Nawalnys Veröffentlichungen eine beispiellose Bloßstellung des FSB.

Update vom 22. Dezember, 13 Uhr: Als Reaktion auf die von der EU wegen der Vergiftung des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny verhängten Sanktionen hat Russland Einreisesperren gegen Vertreter des deutschen Regierungsapparats verhängt. Das wurde am Dienstag der Geschäftsträgerin der deutschen Botschaft in Moskau, Beate Grzeski, bei einem Gespräch im russischen Außenministerium mitgeteilt, wie die Deutsche Presse Agentur aus dem Auswärtigen Amt in Berlin erfuhr. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte die Strafmaßnahmen bereits im November angekündigt. Die Namen der betroffenen Personen wurden nicht mitgeteilt. Sie erfahren von der Sanktion erst bei Einreise nach Russland.

Erstmeldung vom 21. Dezember, 14.45 Uhr: Moskau - Ein Agent des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB soll nach Darstellung des Kremlkritikers Alexej Nawalny den Giftanschlag auf ihn zugegeben haben. Unter dem Titel „Ich habe meinen Mörder angerufen. Er hat gestanden“ veröffentlichte Nawalny am Montag auf Youtube den Mitschnitt eines Telefonats mit dem mutmaßlichen FSB-Agenten. Nawalny gab sich in dem Gespräch am 14. Dezember demnach als Assistent des Chefs des russischen Sicherheitsrats aus, um das Vertrauen des Mannes zu gewinnen.

Alexej Nawalny 2019 vor dem Wahllokal in Russland nach seiner Abstimmung.

Der Inkognito-Anruf erfolgte im Rahmen einer Recherche mehrerer Medien, darunter des Nachrichtenmagazins „Spiegel“. Die Journalisten hatten in der vergangenen Woche Rechercheergebnisse veröffentlicht, denen zufolge mindestens acht russische Geheimdienstagenten den Anschlag auf Nawalny verübt haben sollen.

Nawalny-Anschlag: Kreml-Kritiker legt Falle - FSB-Agent soll Attentat zugegeben haben

Nawalny war im August auf einem Inlandsflug zusammengebrochen. Der mutmaßliche FSB-Mann sagte in dem nun veröffentlichten Telefonat, das Gift sei an der Innenseite der Unterhose angebracht gewesen. Nawalny habe den Anschlag nur überlebt, weil der Flug nicht lange genug gedauert habe. Der Pilot hatte damals eine Notlandung in der sibirischen Stadt Omsk unternommen. Nawalny wurde zunächst dort in ein Krankenhaus gebracht und später in die Berliner Charité geflogen.

Nawalny soll mit einem in der Sowjetunion entwickelten chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden sein. Russland hatte wiederholt Vorwürfe zurückgewiesen, nichts zur Aufklärung des Falls beizutragen, und das Vorlegen von Beweisen gefordert. Auf seiner großen Jahrespressekonferenz hatte Kremlchef Wladimir Putin eine Beobachtung Nawalnys durch den Geheimdienst zwar eingeräumt. Für eine Vergiftung seines schärfsten Gegners gebe es aber keinen Grund, hatte der Präsident betont. (dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: ©  Pavel Golovkin/AP/dpa

Kommentare