AKW-Stresstest: Opposition mit Ergebnissen unzufrieden

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Unzufrieden zeigen sich Opposition und Umweltverbände mit den Ergebnissen der Stresstests für Atomkraftwerke in Deutschland.

Berlin - Opposition und Umweltverbände zeigen sich unzufrieden mit den Ergebnissen der Sicherheitstests an den 17 deutschen Atomkraftwerken. Hauptkritik: Die Aktion sei überstürzt abgewickelt worden.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) wertet den Bericht der Reaktorsicherheitskommission dagegen als “wichtige Grundlage für die weitere politische Diskussion“.

Lesen Sie auch:

Röttgen deutet Aus für mehrere Atomkraftwerke an

AKW-Checks: Kommission stellt Sicherheitsmängel fest

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel kritisierte, der Prüfungszeitraum sei zu kurz, die Kriterien seien veraltet und unzureichend. Ein Kraftwerk wirklich zu überprüfen dauere bis zu eineinhalb Jahre, sagte Gabriel am Dienstag bereits vor Vorlage des Berichts im ZDF-“Morgenmagazin“. Der Reaktorsicherheitskommission hätten lediglich drei Monate zur Verfügung gestanden.

Auch Grünen-Chefin Claudia Roth stellte den Wert des Stresstests infrage. “In einem Zeitraum von nur zwei Monaten ist eine vollständige und abschließende Überprüfung aller Risiken der Atomkraftwerke nicht zu machen“ sagte sie dem “Hamburger Abendblatt“ (Mittwochausgabe). Roth warnte die Regierung vor “Tricksereien“ und verlangte einen “schnellen, verbindlichen und endgültigen Ausstieg“. Dieser sei bis 2017 möglich.

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin nannte es “erschreckend“, dass Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) bei der Festlegung, dass die Anlagen Biblis A und B, Brunsbüttel, Phillippsburg 1, Unterweser, Isar 1 und Neckarwestheim 1 “komplett und unwiderruflich vom Netz genommen werden sollen, zurückgerudert ist“. Röttgen lasse es “offen, ob Teile von diesen Anlagen wieder ans Netz gehen sollen“. Trittin betonte: “Wir sagen: Keines dieser alten Kraftwerke darf jemals wieder ans Netz gehen.“

Linke-Energieexpertin Dorothée Menzner sagte: “Die Ergebnisse der Stresstests zeigen vor allem, dass der Filz der Atomlobby immer noch soweit in Regierungskreise hineinreicht, dass eine unabhängige Bewertung der Sicherheit von Atomkraftwerken unmöglich ist.“ Solange AKW-Betreiber nicht von “unabhängiger Stelle überprüft und überwacht werden, sind alle Stresstests wertlos“.

“Sicherheit kennt keine Kompromisse“

Nach Ansicht der Umweltschutzorganisation Greenpeace rechtfertigt der Bericht die sofortige Stilllegung der sieben ältesten Atomkraftwerke. “Jetzt muss die Bundesregierung ihre Ankündigungen der vergangenen Wochen wahr machen. Sicherheit kennt keine Kompromisse“, sagte Greenpeace-Atom-Experte Heinz Smital.

Der Chef des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Hubert Weiger, sagte: “Im Grunde bestätigt die Reaktorsicherheitskommission, dass es keine Reaktorsicherheit gibt.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse endlich politisch entscheiden, ob sie der Bevölkerung die Gefahren der Atomkraft weiter zumuten wolle oder nicht.

NABU-Präsident Olaf Tschimpke bemängelte, die Ergebnisse der Atomkommission beruhten lediglich auf Angaben der AKW-Betreiber und seien damit weitgehend wertlos für die nötigen Beschlüsse zum Atomausstieg. Die atomkraftkritische Ärzteorganisation IPPNW sieht in den Stresstests nichts anderes als eine “freundliche Betreiberbefragung“. IPPNW-Atomexperte Henrik Paulitz sagte: “Das ist so, als würde man mit dem Pkw beim TÜV vorfahren und dort den Entwurf eines selbst erstellten Mängelberichts überreichen.“

Die Reaktorsicherheitskommission hatte zuvor bekanntgegeben, dass nach ihren Überprüfungen zufolge keines der deutschen Atomkraftwerke gegen einen Absturz großer Verkehrsflugzeuge ausreichend gesichert ist. Sieben ältere Kraftwerke seien auch gegen den Absturz kleiner Flugzeuge nicht oder wenig geschützt. Eine Empfehlung zur Abschaltung gab es aber nicht.

Wirtschaftsminister Rösler lobte hingegen den Bericht: “Die Kommission hat mit ihrer Untersuchung zum Teil echtes Neuland betreten. Diese Kraftanstrengung macht deutlich: Sicherheitsfragen haben für uns höchste Priorität.“ Jetzt gehe es darum, den Bericht zu analysieren und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Das werde die Bundesregierung mit dem nötigen Tempo, aber auch der nötigen Gründlichkeit tun. “Wir werden dabei neben den Fragen der Sicherheit auch die Auswirkungen auf die Energiepreise und die Versorgungssicherheit diskutieren“, sagte der FDP-Vorsitzende.

dapd

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser