FC Bayern, Hitzefrei, Drogen

Das sind die lustigsten Artikel des Postillon

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Stefan Sichermann (kleines Foto) betreibt die bekannte Satire-Website.

Fürth - Seine Satire-Website wurde zur beliebten Internet-Sensation: Seit 2008 betreibt Stefan Sichermann den Blog "Der Postillon" - und ist damit ziemlich erfolgreich. Hier seine besten Artikel:

Egal ob NSA-Skandal, Nahostkonflikt oder Wahlumfragen - es gibt kaum ein Thema, das von der Satire-Website "Der Postillon" nicht aufs Korn genommen wird. Im nüchternen Nachrichten-Stil verkündet die Website ihre frei erfundenen Meldungen, die nicht selten auch ein Fünkchen Wahrheit enthalten und gelegentlich von den Lesern sogar ernst genommen werden. Hinter dem beliebten Blog steht der 32-jährige Stefan Sichermann. Seit 2008 kommentiert er mit schwarzem Humor das aktuelle Weltgeschehen - und ist damit ziemlich erfolgreich. Mittlerweile ist aus dem ehemaligen Geheimtipp eine Internet-Sensation geworden: Über 100.000 Mal wird die Website pro Tag geklickt und über 180.000 Facebook-Fans gefällt die Satire-Seite. Und nicht nur in den Besucherzahlen spiegelt sich der Erfolg der Website wieder: "Der Postillon" wurde auch mehrfach ausgezeichnet - zuletzt im Juni 2013 mit gleich zwei Grimme-Online-Awards. Grund genug, sich auf der Satire-Website mal genauer umzuschauen und die beliebtesten Artikel der Website unter die Lupe zu nehmen.

Das sind die 10 erfolgreichsten Artikel des Postillon

Platz 10: Über 117.000 Leuten gefiel Sichermanns Artikel über eine Studie, die laut Postillon im Auftrag des Wirtschaftsministeriums durchgeführt wurde. Die Untersuchung im April 2011 kam zu dem Ergebnis, dass die Abschiebung von Nazis die Staatskasse um Milliarden entlasten würde. Da die Rechtsradikalen häufiger arbeitslos wären und schlechter gebildet als der Bevölkerungsdurchschnitt, könnte man durch eine Abschiebung viel Geld sparen, argumentiert der Artikel. Auch Nazis mit Anstellung sollten aus wirtschaftlicher Sicht abgeschoben werden, um wieder Arbeitsplätze für "normale Deutsche" zu schaffen. Über 366.000 Mal wurde er bereits angeklickt.

Platz 9: Ebenfalls beliebt: Die amtliche Mitteilung über ein deutschlandweites Hitzefrei am 19. Juni 2013. Darin wird Arbeitsminister Ursula von der Leyen zitiert: "Jeder Arbeitnehmer darf heute ausnahmsweise um 14 Uhr seine Arbeitsstelle verlassen. Alles andere wäre Wahnsinn." Die Meldung des Postillon löste einen Facebook-Hype aus und wurde innerhalb von 20 Stunden von 900 Internet-Usern geteilt. Natürlich handelte es sich bei der Meldung um einen Scherz. Dennoch nahm sich so mancher Arbeitnehmer die Freiheit, das Büro tatsächlich früher zu verlassen - wie aus einigen der über 500 Kommentare hervorgeht. Insgesamt wurde der Artikel über 371.000 mal aufgerufen.

Platz 8: Mehr als 439.000 Mal wurde der Artikel über einen Skandal in der Pornoszene angeklickt, welchen Sichermann im Juli 2012 gepostet hatte. Demnach habe das "unabhängige" Institut "Stiftung Pornotest" in einer zweijährigen Studie herausgefunden, dass mindestens 38 Prozent der als "MILF" titulierten Pornodarstellerinnen in Wahrheit gar keine Kinder hätten, so die Satire-Seite. Die Bezeichnung "MILF", welche die englische Abkürzung für "mother I'd like to fuck" ist und somit für die  Pornodarstellerinnen mit Kindern steht, sei somit in vielen Fällen vollkommen unzutreffend - ein Skandal, der laut Postillon schlimme Folgen haben könnte: Das Vertrauen der Verbraucher in die Pornoszene sei nach dieser schockierenden Meldung sicherlich stark erschüttert.

Platz 7: Das Hickhack um die Eröffnung des Berliner Flughafens wurde vom Postillon ebenfalls parodiert. Anstatt jedoch einfach eine simple Meldung über das Chaos an der Baustelle zu schreiben, ließ sich Sichermann etwas ganz Besonderes einfallen und stellte im Februar 2013 kurzerhand die neue Lego-Serie "Gescheiterte deutsche Großprojekte" vor. Mit den neuen Bausätzen des Spielzeugherstellers können sich Kinder laut am Bau des Berliner Großflughafen BER versuchen oder den Bahnhof Stuttgart 21 nachbilden. Der Clou: Die im Set enthaltenen Baupläne sind vollkommen unbrauchbar, da einige der Arbeitsschritte nicht durchführbar sind oder wichtige Bauteile fehlen. Über 447.000 Mal wurde der Artikel aufgerufen und mehr als 66.000 Fans teilten auf Facebook ihre Begeisterung mit.

"Wir sind im Zeitplan" - Zitate zum BER-Debakel

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Platz 6: Neben dem politischen Weltgeschehen werden natürlich auch Sportthemen berücksichtigt - im April 2013 kamen Fußballfans auf ihre Kosten, als der Postillon die folgende Schlagzeile brachte: "Transferwahnsinn: FC Bayern München kauft Borussia Dortmund komplett für 550 Millionen". Die ehemaligen Dortmund-Spieler müssten demnach in Zukunft rot-weiß statt schwarz-gelb tragen. Der Kauf des gesamten Vereins - inklusive Fans - sei eine konsequente Entscheidung, wie Bayern-Vorstand Rummenigge zitiert wird: "So einen Verein kriegst du in Europa kein zweites Mal." Der Artikel über den erfundenen Kauf wurde über 527.000 Mal geklickt.

Das sind die fünf erfolgreichsten Artikel des Postillon

Platz 5: In die Top Five der beliebtesten Artikel hat es die Meldung über einen neuen Verspätungsrekord am Mainzer Hauptbahnhofgeschafft: Am 15. August 2013 hatte "der Postillon" über einen Zug berichtet, der 2007 als vermisst gemeldet worden war, und nun überraschend in ein Nebengleis des Bahnhofs eingefahren sei. Der Lokführer des vermissten Zuges war zunächst noch zuversichtlich gewesen, das Ziel nur mit einer üblichen Verspätung von "zwei, drei Stündchen" zu erreichen. "Aber dann fiel die Klimaanlage aus und wir fuhren in eine Schafherde." Der Artikel wurde über 537.000 Mal aufgerufen und erzielte über 900 Kommentare.

Platz 4: Der derzeitige Wahlkampf blieb selbstverständlich nicht unkommentiert  - am 13. August 2013 nahm "der Postillon" die Parteien Deutschlands aufs Korn. Es wurde von einer großangelegten Nacht-und-Nebel-Aktion berichtet, in der deutschlandweit die ausdrucksstarken Wahlplakate abgehängt und durch "inhaltslose Nonsens-Poster" ersetzt wurden. Die Aktion selbst hatte "der Postillon" erfunden, doch die als Fake-Poster vorgestellten Plakate selbst gibt es tatsächlich - nur, dass sie in Wahrheit keine "peinlichen Fälschungen" darstellen wie der Postillon behauptet, sondern wirklich Teil der Wahlkampagne sind. Der Artikel wurde über 568.00 Mal aufgerufen und gefiel rund 54.000 Facebook-Fans.

Die kuriosesten Wahlplakate aller Zeiten

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Platz 3: Ende Juli 2013 wurde eine Meldung über die fatalen Folgen des Drogenkonsums veröffentlicht. Die Nachricht mit der Schlagzeile "Jugendlicher (18) nach Überdosis Cannabis eingeschlafen" berichtete von dem Berliner Jugendlichen Sören L., der nach einer Überdosis vor den Augen seiner Freunde eingeschlafen war - das Tragische daran: "Es war noch nicht sehr spät. Der 18-Jährige hatte noch den ganzen Samstagabend vor sich gehabt." Der Artikel wurde über 769.000 Mal aufgerufen und wurde auch in den Kommentaren ausführlich diskutiert: Über 3.500 Mal wurde der Artikel kommentiert. Auch der Musiksender Viva wurde auf die Meldung aufmerksam - allerdings schien den Redakteuren des Senders entgangen zu sein, dass es sich hierbei um Satire handelte: Auf der Internetseite viva.tv berichteten sie vom tragischen Fall des "Cannabis-Scharchers". Mittlerweile hat viva die Meldung wieder von der Website genommen - wer sich dennoch von dem Fauxpas des Musiksenders überzeugen will, wird auf der facebook Seite des Postillon fündig, auf der am 31. Juli ein Screenshot des viva-Artikels gepostet wurde.

Platz 2: Die zweitbeliebteste Meldung der Satire-Seite wurde im Juni 2011 verfasst - Thema des erfolgreichen Artikels war die Schließung des illegalen Filmportals kino.to, welche geradezu traumatische Folgen für die ehemaligen Nutzer hatte: Die Anhänger müssten nun im Durchschnitt zwei Minuten lang im Netz suchen, um eine andere Plattform zu finden, auf der man Filme und Serien illegal anschauen könne. Da sie die Filme nicht mehr streamen könnten, sähen sich viele Fans dazu gezwungen, die Videos illegal herunterzuladen. 59.000 Fans gefiel diese Meldung und über eine Million Mal wurde der Artikel aufgerufen.

Platz 1: Der mit Abstand erfolgreichste Artikel der Website beschreibt den Rekordsprung des Österreichers Felix Baumgartner im Oktober 2012 - oder besser gesagt: den Rekordversuch. Denn während andere Baumgartner für seinen Sprung durch die Schallmauer gratulierten, fiel dem "Postillon" ein entscheidendes Detail auf: Der Extremsportler hatte die Linie übertreten. Deswegen hatte man den Rekordsprung für ungültig erklären müssen - ein kleiner Trost für Baumgartner sei jedoch, dass er laut internationalem Luftsportverband noch zwei weitere Versuche übrig habe. Die - natürlich fiktive - Meldung über den Rekordsprung stellte selbst einen Rekord auf: Über 1,7 Millionen mal wurde der Artikel aufgerufen und über 101.000 Fans klickten "gefällt mir" auf Facebook.

Felix Baumgartner gelingt Rekordversuch - Bilder vom Sprung aus dem All

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CS

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