Spiel-Review

Mafia 3 im Test: Verdrängt es GTA vom Open-World-Thron?

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Schema F schön verpackt: Die Gangster-Saga "Mafia 3" im Test

München - Viel wurde in den Monaten vor der Veröffentlichung von Mafia 3 spekuliert und gemunkelt: Kommt mit diesem Spiel der GTA-Killer? Hier geht es zum Test.

Nun ist das Spiel raus. Und klar ist: Was Story und Atmosphäre angeht, so hat Mafia 3 im Vergleich mit GTA V die Nase vorn. Ansonsten holt das Spiel aus dem Open-World-Genre nicht annähernd so viel raus, wie die Grand-Theft-Auto-Reihe.

Mafia 3: Eine sensationell gute Atmosphäre

Beginnen wir also mit der Story. Mafia 3 vereint eine unglaublich stimmungsvolle, kinoreife Präsentation mit einer dynamischen Geschichte, die sich den Entscheidungen des Spielers anpasst. Das Action-Epos spielt im Jahr 1968, in der fiktiven US-Stadt New Bordeaux, die natürlich der realen Südstaaten-Metropole New Orleans nachempfunden ist. Die Atmosphäre der Region mit ihren Kolonialstil-Bauten, dem Mardi-Gras-Karneval und den Sumpf-Landschaften haben die Entwickler wunderschön nachempfunden.

Noch besser als die optische Gestaltung der Spielwelt ist den Entwicklern die Sechziger-Jahre-Atmosphäre gelungen: Wir befinden uns mitten in einer Gesellschaft, die vom Vietnam-Krieg und dem Rassenkoflikt geprägt ist. Man kann Mafia 3 zuweilen auch als Kommentar auf die sozialen Verhältnisse der Vereinigten Staaten in den ausgehenden 1960s sehen. Getrennte Duschräume für Weiße und Schwarze in Fabriken. Restaurants, in denen Afroamerikaner unerwünscht sind. Und Radio-Nachrichten, in denen es immer nur um den Krieg in Südostasien geht. Diesen Thematiken begegnet man im Spiel laufend.

Und dann ist da natürlich die Hauptfigur des Spiels, der die sozialen Probleme der Zeit praktisch in einer Person verdichtet: Der afroamerikanische Vietnam-Rückkehrer Lincoln Clay will nach seiner Zeit in einer Spezialeinheit wieder einen Platz in der Gesellschaft finden. Statt in seiner Heimat Fuß zu fassen, findet er sich bald in einem Abgrund aus Verbrechen und Gewalt wieder. Bei seinem Charakter haben sich Hangar 13 offenkundig an John Rambo orientiert. Genau wie der von Sylvester Stallone verkörperte Vietnam-Veteran im ersten Film läuft Lincoln Clay im braunen Army-Parka samt Bowie-Messer herum.

Mafia 3 gelingt es meisterhaft, den Spieler in die Sechziger-Jahre-Atmosphäre hineinzuziehen. Vor allem durch die Musik der Ära, die man bestens aus Filmen wie "Full Metal Jacket" oder "Forest Gump" kennt. Da bietet Mafia 3 den vielleicht besten Soundtrack, den man je in einem Actionspiele hatte - Und der die besagten Film-Soundtracks locker in den Schatten stellt. Egal ob Creedance Clearwater Revival, Beach Boys, Sam Cooke, Elvis Presley, die Rolling Stones oder Jimi Hendrix: Es fehlt kein Song, den man irgendwie mit den US-Sixties in Verbindung bringt. Ganz große Klasse! In der packenden Atmosphäre liegt auch die Stärke des Spiels - und da spielt Mafia 3 auf Augenhöhe mit GTA V.

Die Musik läuft in den Autos, die Lincoln sich - wie bei GTA - einfach klauen kann. Doch Vorsicht: In der Regel sieht ein Zeuge den Diebstahl. Und rennt zur nächsten Telefonzelle, um die Polizei zu verständigen. Man kann der Fahndung aber zuvorkommen, indem man losrennt und den Zeugen oder die Zeugen K.o. haut. Die Autos fahren sich übrigens ein wenig zäher, als man das von GTA oder Watch Dogs gewohnt ist. Was aber logisch ist: Schließlich handelt es sich um die Modelle von vor 50 Jahren.

Mafia 3: Das ist die Story

Die Story von Mafia 3 setzt mit Lincoln Clays Rückkehr nach New Bordeaux ein. Hier bietet ihm der schwarze Mob eine Art Ersatzfamilie. Die allerdings binnen kurzer Zeit von der italienischen Mafia umgebracht wird. Und dafür müssen die Mafiosi büßen. Lincoln macht sich auf zu einem Rachefeldzug, der eine Blutspur durch die Unterwelt von New Bordeaux zieht.

Nach und nach entreißt er einzelne Stadtteile dem Einfluss der Mafia, um diese in seine Gewalt zu bringen. Dazu muss man den jeweiligen Lieutenants und Capos Schaden zufügen, indem Lincoln ihre Drogen- und Waffenlager zerstört, sie ausraubt, Informanten verhört oder Handlanger ausschaltet. Anschließend weist man das Viertel einem seiner drei handlanger zu: Als da wären: Voodoo-Dame Cassandra, der irische Saufbold Burke und Vito Scaletta - der Held aus dem Vorgänger-Spiel  Jeder von ihnen bietet verschiedene Waffen und Upgrades, die man bekommt, wenn sie ein neues Gebiet erhalten. So kann man zum Beispiel durch Bestechung die Verfolgung durch die Polizei zeitweise aussetzen, sich bequem Autos und Waffen zu seinem Standort liefern lassen und sich Unterstützung für einen Angriff ordern.

Allerdings können sich die Handlanger auch gegen einen wenden, wenn sie sich übergangen fühlen. Die jeweiligen Entscheidungen für den einen und gegen den anderen Unterboss wirken sich direkt auf den Fortgang der Geschichte aus. Wer nicht blindlings in eine ungewisse Zukunft Rennen will: Mit den Suchbegriffen "Mafia 3 Ending" kann man bei YouTube herausfinden, welche Entscheidungen welche Konsequenzen nach sich ziehen.

Die Hauptmissionen, die die Story vorantreiben, faszinieren und bieten packende Action. Egal ob in einem verlassenen Freizeitpark, auf einem untergehenden Schaufelraddampfer oder in einem Schlachthhof, der nebenbei von Gangstern als Foltergefängnis genutzt wird: Die Geschichte von Mafia 3 bietet eine fesselnde Atmosphäre wie in einem Hollywood-Film. Dazu tragen auch die starken Charakter bei, die nach einem Schwarz-Weiß-Muster angelegt sind: Entweder man schließt sie sofort ins Herz (wie den Gemeindepriester Father James Ballard) oder man möchte sie sofort um die Ecke bringen (wie Ober-Mafioso Sal Marcano).

Wer die Review bis jetzt gelesen hat, könnte meinen, dass es sich bei Mafia 3 um einen Anwärter auf den Titel „Spiel des Jahres“ handelt. Das stimmt aber nur bedingt. Das Open-World-Game hat auch einige ganz schöne Mankos.

Als da wären:

  • Die hanebüchene KI der Gegner. Vor allem im Stealth-Modus kann man ganze Heerscharen killen. Und das funktioniert stets nach demselben Muster: Man lockt sie aus der Deckung mit einem Pfiff an (auch wenn zwei Gegner in der Nähe sind, kommt immer nur einer), dann bringt man sie mit einer ultra-brutalen Nahkampf-Attacke um die Ecke. Wer es geschickt anstellt, kann sich die Schießerei sparen. Ach ja: Clay kann die Gegner jederzeit auch durch Wände hindurch sehen. Was die Sache noch einfacher macht. Allerdings muss man zugeben: Die Ballereien machen durchaus Spaß.
  • Ein anders Manko: Abseits der Story-Missionen laufen die Missionen meist nach demselben Schema ab: Man kommt in ein feindliches Gebiet, meuchelt und ballert sich durch die Reiehen der Feinde - und das war es. So kämpft man sich Viertel für Viertel und Lagerhaus für Lagerhaus durch New Bordeaux. Im Großen und Ganzen bietet „Mafia 3“ überschaubar viele Herausforderungen für seine lange, lange Spielzeit.
  • Hinzu kommt, dass „Mafia 3“ wie viele andere Spiele der jüngsten Zeit technisch nicht ganz ausgereift ist. Sowohl auf dem PC als auch auf den Konsolen gibt es zahlreiche kleine und große Grafikfehler, fehlerhafte Animationen und sogar gelegentliche Komplettabstürze. Generell muss man aber zur Grafik auch sagen: New Bordeaux sieht im Spiel in der Regel sehr, sehr schön aus. 

Mafia 3: Das Fazit:

Das sagen unsere Tester Sebastian Tauchnitz und Franz Rohleder zu Mafia 3:

Sebastian Tauchnitz: Was für ein furioser Auftakt! In den ersten Spielstunden legt Mafia 3 die Latte für Erzählformen in Videospielen ein ganzes Stück höher. Die an eine Fernsehdokumentation erinnernden Zwischensequenzen machen neugierig und fesseln. Generell gibt Mafia 3 in den ersten Spielstunden Vollgas, ist abwechslungsreich, spannend erzählt, man fiebert der nächsten Mission entgegen. Im späteren Spielverlauf allerdings gerät der Motor des Spiels ins Stottern. Die offene Spielwelt ist zwar vollgestopft mit Aufgaben und Missionen, der rote Faden der Geschichte gerät allerdings mehr und mehr in den Hintergrund. Dazu kommen wirklich etliche Bugs bei der getesteten PS4-Version. Dessen ungeachtet ist „Mafia 3“ ein faszinierendes Spielerlebnis mit einem endlich mal spannenden Protagonisten und einer lebendigen Spielwelt. New Bordeaux macht ohne Zweifel Lust auf einen Abstecher ins echte New Orleans, das ganz offensichtlich das Vorbild des Spiels war.

Franz Rohleder: Ich gebe es zu: Ich bin ein bisschen voreingenommen. Ich liebe Action-Games mit (zeit-)historischer Thematik. Da das erste „Black Ops“ mit seiner sechziger Jahre-Thematik zu meinen Allzeit-Lieblingsspielen gehört, hat mich Mafia 3 auch sehr schnell in seinen Bann gezogen. Nach einer Schießerei in den Straßenkreuzer springen und mit „Paint it Black“ im Radio durch New Bordeaux brettern - hach, da schlägt mein Herz höher. Zuweilen nervt mich die Eintönigkeit des Spiels. Aber die starke Story mit den großartigen Charakteren hat mich noch mehr in den Bann geschlagen, als die zwar lustigen, aber dennoch recht oberflächliche Geschichte mit den eindimensionalen Charakteren bei GTA V. Ob Mafia 3 der GTA-Killer ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich kann einen Abstecher nach New Bordeaux nur empfehlen.

„Mafia 3“ ist wegen des hohen Gewaltanteils erst ab 18 Jahren freigegeben, kostet um die 60 Euro und steht für den PC, Playstation 4 und Xbox One in den Läden.

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