Gerichtsverfahren in Kalifornien

Krankenhaus soll 1.800 Frauen bei gynäkologischen Operationen heimlich gefilmt haben

Kalifornien - 81 Frauen verklagen ein Krankenhaus, das sie ohne ihr Einverständnis bei frauenärztlichen Operationen gefilmt hat.

81 Frauen haben Klage gegen ein Krankenhaus im kalifornischen San Diego erhoben. Dort sollen sie mit versteckten Kameras heimlich bei frauenärztlichen Eingriffen gefilmt worden sein. In den gynäkologischen Operationssälen seien die Kameras versteckt worden, berichtet buzzfeednews.com. Rund 1.800 Frauen sollen in einem Zeitraum vom 17. Juli 2012 bis zum 30. Juni 2013 ohne ihr Einverständnis aufgenommen worden sein. 

Die Kameras selbst seien mit Bewegungsmeldern ausgestattet gewesen und haben die Gesichter einiger Frauen - auch während sie bewusstlos unterm Messer lagen - gefilmt, andere haben sie beim Ausziehen aufgenommen. Allison Goddard, die die 81 Frauen in ihrer Klage vertritt, ist fassungslos. "Das ist so ein schockierender Eingriff in die Privatsphäre", so die Juristin. 

Die meisten Videos wurden während der Eingriffe von hinter den Frauen gefilmt, auf ihnen erkennt man ihre Gesichter nicht, aber häufig die Bäuche und Beine. In einigen Videos könne man die Operationen mitverfolgen und Eltern sehen, die ihren Kindern zum ersten Mal begegnen. 

Ein Sprecher des Krankenhauses nahm bereits Stellung. Die Kameras seien auf den Anästhesiewägen installiert worden, um vorangegangenen Betäubungsmitteldiebstählen auf den Grund zu gehen, erklärte er buzzfeed gegenüber. "Der Zweck der Kameras war, die Sicherheit der Patientinnen zu garantieren und den Grund der verschwundenen Medikamente festzustellen", beharrte er. 

Bereits 2016 war Anklage gegen das Krankenhaus erhoben worden. Weil das Gericht damals den Fall nicht zuließ, erhoben die 81 Klägerinnen letzte Woche erneut Klage. Goddard erwartet, dass weitere Frauen sich anschließen werden. Nicht nur werde die Privatsphäre der Frauen verletzt, die Klinik habe die Aufnahmen auch grob fahrlässig ungesichert gelagert, werfen die Opfer den Zuständigen vor. Auf ganz normalen Computern habe man die Videos aufbewahrt, teilweise seien diese nicht mal mit Passwörtern geschützt gewesen. Zugriffe auf diese Computer seien auch nirgendwo vermerkt worden. Jeder im Krankenhaus habe also Zugriff auf die Aufnahmen gehabt.

jv

Rubriklistenbild: © picture alliance/Oliver Berg/dpa

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