Trotz Selbstverpflichtung

Hassreden: So lasch sind Facebook und Co. wirklich

New York - Facebook, Twitter und YouTube haben sich dazu verpflichtet, gemeldete Hassreden auf ihren Plattformen schnell zu prüfen und gegebenenfalls zu löschen. Doch die Wahrheit sieht ganz anders aus.

Nur etwas mehr als ein Viertel angezeigter Hassreden im Internet werden von den sozialen Netzwerken entfernt. Nach einer am Dienstag von der Kommission veröffentlichten ersten Analyse führte eine Benachrichtigung an den Betreiber nur in 28 Prozent der Fälle zum Löschen des Eintrags. Demnach führten insgesamt 600 Benachrichtigungen nur in 169 Fällen zum Löschen des betroffenen Eintrags. 40 Prozent der Anfragen wurden binnen 24 Stunden beantwortet, 43 Prozent binnen 48 Stunden.

In einer Vielzahl der Fälle ging es um ausländerfeindliche Hetzreden, darunter antimuslimische Äußerungen oder gegen die ethnische Herkunft oder Rasse von Menschen gerichtete Parolen, hieß es in einer Mitteilung der Kommission.

Untersucht wurde unter anderem die Reaktion von Facebook, Twitter und YouTube. Sie gehören zu den Unterzeichnern des im Mai verabschiedeten Verhaltenskodex. Er sieht unter anderem die Selbstverpflichtung zu klaren und effizienten Systemen für die Meldung von Hassreden vor, sowie deren Prüfung binnen 24 Stunden und anschließendem Löschen der fraglichen Inhalte.

Facebook bearbeitete demnach 50 Prozent der Anfragen binnen eines Tages, 41,9 Prozent innerhalb von 48 Stunden. Bei YouTube wurden 60,8 Prozent der angezeigten Inhalte in den ersten 24 Stunden analysiert, 9,8 Prozent innerhalb von zwei Tagen, bei Twitter wurde ein Großteil erst innerhalb von 48 Stunden beantwortet (56,1 Prozent), nur etwa knapp ein Viertel innerhalb des ersten Tages (23,5 Prozent).

„Richtige Richtung“, aber nicht genug

"Während die IT-Unternehmen sich in die richtige Richtung bewegen, zeigen die ersten Ergebnisse, dass sie mehr werden tun müssen", sagte die für Justiz, Verbraucherschutz und Gleichstellung zuständige EU-Kommissarin Vera Jourova.

Zu den an der Untersuchung beteiligten Organisationen gehören der Verein Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. sowie die Organisation jugendschutz.net in Deutschland. Weitere Nichtregierungsorganisationen aus Italien, Österreich, Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Belgien, Spanien und den Niederlanden waren ebenfalls an der Analyse beteiligt. Die Benachrichtigungen wurden im Oktober und November verschickt.

afp

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Zurück zur Übersicht: Netzwelt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser