Gold und Gigahertz: PC-Mythen auf dem Prüfstand

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Beim Notebook muss man längst nicht mehr mit dem Anstecken des Netzkabels warten, bis der Akku ganz leer ist. Foto: Inga Kjer

Den PC nach dem Runterfahren nicht gleich wieder neu starten oder einen Bildschirmschoner aktivieren, um Schaden von Rechner und Monitor abzuwenden: Halten solche Regeln einer näheren Prüfung stand? Oder gehören sie ins Reich der Fabeln?

Frankfurt/Main (dpa) - Machen mehr Prozessorkerne den PC wirklich schneller? Muss Windows regelmäßig fragmentiert werden, damit der Rechner nicht langsamer wird? Viele Regeln und Mythen halten sich hartnäckig seit die Geräte Einzug ins tägliche Leben gehalten haben. Welche davon stimmen? Ein Überblick:

Der Rechner kann kaputt gehen, wenn man ihn mitten im Betrieb ausschaltet: Jein. Die Hardware stecke so etwas problemlos weg. Allerdings könnten das Betriebssystem oder ein Programm beschädigt werden, wenn durch plötzliches Ausschalten ein Schreibprozess unterbrochen wird, erklärt Christoph de Leuw von der "Computerbild".

Man sollte 15 Sekunden warten, bis man einen PC neu startet: "Dafür gibt es keinen Grund", sagt Michael Schmelzle von der "PC Welt" - es sei denn, der BIOS-Chip soll zurückgesetzt werden. "Dieser benötigt etwa 15 Sekunden, um sich zu entladen." Ansonsten brauche man sich bei heutigen Rechnern keine Sorgen machen.

Je mehr Kerne und Gigahertz ein Prozessor hat, desto schneller ist er auch: Im Prinzip sei das schon richtig, sagt Thomas Rau von der "PC Welt". Es sei aber immer die Frage, ob die jeweilige Software überhaupt mehrere Kerne nutzen kann. Bei einem aktuellen Rechner, auf dem häufig viele Programme gleichzeitig laufen, seien mehrere CPU-Kerne aber eigentlich immer von Vorteil. Viel hängt aber auch vom Aufbau eines Prozessorkerns und der Taktfrequenz ab.

Mit Stromsparprozessoren spart man auf jeden Fall Energie:"Nein. Sie sind auf geringe Abwärme bei geringer Rechenleistung getrimmt, spielen aber fast nur bei Notebooks eine Rolle", sagt Georg Schnurer vom "c't"-Magazin. Solche Prozessoren seien ein Hinweis darauf, aber keine Garantie dafür, dass das Gerät eine lange Akku-Laufzeit hat. Denn selbst wenn der Prozessor sparsam ist, könne der Rechner immer noch so schlecht designt sein, dass die übrige Komponenten den Akku schnell leersaugen.

Um zu verhindern, dass der PC immer langsamer wird, muss man von Zeit zu Zeit die Festplatte defragmentieren:Das war früher einmal, heute machen das Microsoft-Betriebssysteme ab Windows 7 wunderbar im Hintergrund. Man muss also nicht mehr aktiv werden. Bei SSDs sollte man es sogar tunlichst unterlassen, warnt Michael Schmelzle. Diese "reinigten" sich auf eine andere Art selbstständig.

USB-Speicher können kaputtgehen, wenn man sie ohne Abmelden vom Rechner abzieht:"Ein typischer Mythos, den ich mit einem Jein beantworten würde", sagt Georg Schnurer. "Die Geräte selber können in der Regel nicht kaputtgehen." Die Daten aber sehr wohl - nämlich dann, wenn gerade noch ein Schreibvorgang läuft, vielleicht auch unsichtbar im Hintergrund. Die Schäden könnten so weit gehen, dass das Laufwerk überhaupt nicht mehr lesbar ist und der USB-Stick neu formatiert werden muss: "Dann sind die Daten futsch."

Mit einem Magneten kann ich USB-Sticks und Festplatten zerstören:"Einen USB-Stick kann ich so unter keinen Umständen zerstören", erklärt Schnurer. Bei Festplatten sei das etwas anders. Zwar könnten zumindest haushaltsübliche Magnete Harddisks nichts anhaben, wenn man aber besonders starke Magneten nimmt, etwa Neodym-Magneten, dann könnten Daten unter Umständen tatsächlich verloren gehen.

Nur ganz leere Notebook-Akkus dürfen wieder aufgeladen werden:"Nein, für Lithium-Ionen-Akkus gilt das nicht mehr", sagt Thomas Rau. "Notebook-Hersteller empfehlen eine einmalige komplette Entladung bei einem neuen Akku nur deshalb, damit sich die Ladestandanzeige des Betriebssystems oder von Software-Tools mit dem neuen Akku kalibrieren kann."

Man muss einen Bildschirmschoner nutzen, um zu verhindern dass sich auf dem Bildschirm ein Bild festbrennen kann:"Wenn ich einen alten Röhrenmonitor habe, dann ist das eine supergute Idee, weil es da tatsächlich Einbrenneffekte gibt", sagt Georg Schnurer. "Bei Flachbildschirmen gibt es das nur in sehr abgeschwächter Form." Nötig sei ein Bildschirmschoner deshalb nicht. In jedem Fall sinnvoll ist es aber, in den Energieoptionen des Betriebssystems einzustellen, dass sich das Display bei Nichtnutzung nach einiger Zeit abschaltet.

HDMI-Kabel mit Goldstecker bieten ein besseres Bild: "Die sehen vielleicht besser aus, aber an der Bildqualität ändert das nichts", sagt Christoph de Leuw.

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