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For Honor im Test: Schlachtenplatte, blutig

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Im „For Honor“ treffen Wikinger, Ritter und Samurai aufeinander.

Es ist ein bisschen wie damals in der Schule: Wenn Ritter, Wikinger und Samurai aufeinandertreffen, wer würde gewinnen? „For Honor“ von Ubisoft will der Frage nun auf den Grund gehen. Ob die dabei auf PC, PS4 und XBox One kredenzte Schlachteplatte bekömmlich ist, klärt unser Test.

Eine kleine Warnung zu Beginn: Die USK, die neu erscheinenden Spielen eine Altersfreigabe erteilt, ist in letzter Zeit deutlich milder gestimmt. Spiele, die früher umgehend auf dem Index gelandet wären, schaffen heute locker die Altersfreigabe ab 18. Was damit gemeint ist: Die Altersfreigabe ab 18 bei „For Honor“ ist kein bloßer Richtwert, sondern blutiger Ernst. Das Spiel gehört nicht in die Hände von Minderjährigen.

Denn beim Aufeinandertreffen von Rittern, Samurai und Wikingern geht es ordentlich zur Sache. Da schon die Grundprämisse - Ritter, Wikinger und Samurai lebten nicht nur in unterschiedlichen Ecken der damals noch riesigen und unbekannten Welt, sondern auch noch zu ganz verschiedenen Zeiten - ziemlich an den Haaren herbeigezogen ist, braucht man sich um Logik in der Story nicht sonderlich zu kümmern. Dem Spaß an der Frage „Was wäre, wenn?“ ordnet sich alles andere unter. Und so nimmt man halt hin, dass die mysteriöse Apollyon die drei Kriegsparteien, die kaum einen Steinwurf voneinander wohnen, aufeinanderhetzt. Und schon polieren die Wikinger die Streitaxt, die Ritter ölen das Langschwert und die Samurai schärfen das Katana.

Einzelspielermodus ist ein überlanges Multiplayer-Tutorial

Die Einzelspieler-Story, die in insgesamt 18 Kapiteln mit hübschen Zwischensequenzen und guten Sprechern erzählt wird, ist nicht der Rede wert. Dabei schlüpft man nacheinander in die Rollen verschiedener namen- und gesichtsloser Kämpfer von allen drei Seiten. Und dann läuft man den einzelnen Markierungen hinterher und erledigt nach und nach die gestellten Aufgaben.

Das klingt jetzt nicht übermäßig spannend und ist es auch nicht. Der Spaß steigt, wenn man mit einem Freund gemeinsam im Koop die Missionen erledigt. Allerdings kann man die Einzelspieler-Kampagne am besten als ein sehr ausdehntes und durchaus gut gemachtes Tutorial für den Multiplayer, das Herz von „For Honor“ betrachten. Ein Tutorial, das sich ganz dem eigentlich Star des Spiels - der Spielmechanik - widmet.

For Honor: Besseren Schwertkampf gab es in noch keinem Videospiel

Denn diese ist schlichtweg phänomenal. Noch nie wurde Schwertkampf so taktisch anspruchsvoll in einem Action-Spiel präsentiert. Prinzipiell gibt es drei Grundhaltungen, die der Spielcharakter einnehmen kann. Diese lassen sich ganz einfach wechseln, in dem man den rechten Stick nach links, rechts oder oben drückt. Auf diese Weise ist man in der Lage, nach links, rechts oder oben zu schlagen oder Schläge aus der entsprechenden Richtung abzuwehren. Das klassische Schere-Stein-Papier-Prinzip also. Allerdings aufgebohrt durch viele taktische Kniffe. 

So hat man die Wahl zwischen schnellen, leichten Schlägen und Angriffen, die zwar langsam sind und leichter abgewehrt werden können, aber dafür in Erfolgsfall massiv am Lebensbalken des Kontrahenten knabbern. Garniert mit Ausweichrollen und Remplern, die den Gegnern aus dem Gleichgewicht bringen, entsteht so ein simpel zu erlernendes, aber schwer zu meisterndes Kampfsystem. Verliert man, dann weil man schlechter ist als der Gegner, nicht flexibel genug agiert hat, sich nicht schnell genug auf seine Attacken eingestellt hat. Selten wurde der Kampf Mann gegen Mann so glaubhaft in einem Spiel umgesetzt.

For Honor: Offline geht gar nichts

Wie von Ubisoft mittlerweile gewöhnt, sieht „For Honor“ (getestet wurde die Version auf der Playstation 4 Pro) wirklich atemberaubend aus. Dennoch ist es technisch nicht über jeden Zweifel erhaben. Das Geschehen auf dem Bildschirm ist schön anzuschauen (wenn man sich nicht an den Blutfontänen stört) und läuft flüssig. Aber die Server von Ubisoft hatten in der Startphase immer wieder Schluckauf. Und das beeinträchtigt nicht nur das Spielerlebnis im Multiplayer, sondern auch in der Einzelspielerkampagne. Denn wenn „For Honor“ nicht mit einem Server verbunden ist, kann nicht gespielt werden. 

For Honor im Test: Das Fazit

„For Honor“ zeigt, wie Schwertkampf in Videospielen aussehen muss. Die Spielmechanik und die Steuerung sind über jeden Zweifel erhaben. Allerdings ist „For Honor“ in seinem Kern ein Multiplayerspiel wie Battlefield oder Overwatch. Allein für die Einzelspielerkampagne lohnt sich die Ausgabe meiner Meinung nach nicht, dafür fehlt es dieser deutlich an Abwechslung und einer spannenden Geschichte. Wer sich jedoch gern in vielen unterschiedlichen und spannenden Modi mit anderen menschlichen Spielern misst und schon immer mal wissen wollte, ob nun die Ritter, die Wikinger oder die Samurai gewonnen hätten, der kann bedenklos zugreifen.

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