Buchmesse: Technik trifft Tradition

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Eine Auswahl aktueller E-Reader zum Lesen elektronisch gespeicherter Bücher wird am Mittwoch (06.10.2010) in Frankfurt am Main auf der Buchmesse vom Marketing- und Verlagservice des Buchhandels (MVB) gezeigt.

Frankfurt/Main - Die Grenze ist schon lange gefallen: Hier das traditionelle Buch aus Papier und Druckerschwärze, dort die neuen Medien aus Bits und Bites.

 

Auf der Frankfurter Buchmesse, die am Mittwoch für Fachbesucher begonnen hat, wird heftig an der Vereinigung dieser Welten gearbeitet. Die weltgrößte Bücherschau ist nicht länger nur ein Marktplatz für Autorenrechte, Drucklizenzen oder Übersetzungen, sondern auch ein Kontakthof. Dort sollen die Anbieter von Inhalten, also Autoren und Verlage, sowie Hersteller und Dienstleister von der technischen Seite ins Geschäft kommen.

Auf den ersten Blick sichtbar ist das nicht: Wie stets dominieren riesige Stellwände mit gedruckten Büchern die Messe. Auf 172 000 Quadratmetern präsentieren 7533 Aussteller aus 111 Ländern ihre Produkte. “Produkte“ sagen die Veranstalter bewusst, denn schon lange sind es nicht mehr nur Bücher, die auf der Buchmesse präsentiert werden. 1900 Aussteller haben explizit digitale Produkte mitgebracht, sagt Buchmessendirektor Juergen Boos, in Wahrheit seien es aber viel mehr. 450 Fachveranstaltungen beschäftigen sich an den fünf Messetagen mit der Frage, wie Inhalte künftig auch elektronisch an den Kunden gebracht werden können.

“Der Markt für digitale Inhalte und Dienstleistungen rund um das Buch wächst rasant“, stellt Messe-Projektleiterin Caroline Vogel fest, die hier ein “großes Potenzial für die Verlagsbranche“ schlummern sieht. Erstmals in diesem Jahr hat die Messe sechs Sammelstände - neudeutsch “Hot Spots“ genannt - eingerichtet, die mit knalligem Orange aus dem Messegrau herausleuchten. 

Am “Hot Spot Devices“ in Halle 8 können die Messebesucher gut zwei Dutzend neue E-Books testen. Am “Hot Spot Mobile“ in Halle 6 finden die Verlage Firmen, die ihre Inhalte so formatieren, dass sie vom Smartphone aus abgerufen werden können. Der “Hot Spot Education“ bringt Bildungsverlage und Techniker zusammen, die gemeinsam Unterrichtsmaterial entwickeln für “Whiteboards“, die in vielen Klassenzimmern die Kreidetafeln abgelöst haben. Am “Hot Spot Literature“ in Halle 3 präsentieren sich Autorenportale, auf denen Schriftsteller ihre Werke im Internet veröffentlichen können.

Während am Mittwoch kurz nach neun Uhr bereits die ersten Fachbesucher im messetypischen Stechschritt durch die Hallen eilen, schleppen die letzten Aussteller noch Drehständer durch die Flure oder ordneten die Dekoration an ihrem Stand. Auf dem “Blauen Sofa“ zwischen den Hallen 5 und 6, wo in halbstündigem Wechsel Autoren Interviews geben, nimmt als erster Gast Roger Willemsen Platz, gefolgt von der frisch gekürten Buchpreisträgerin Melinda Nadj Abonji. Am konkurrierenden orangefarbenen Sofa vor Halle 3 eröffnen zwei Jugendliche mit einem gerappten “Wake-up Slam“ die Messe.

Die Liste prominenter Autoren ist lang, die bis Sonntag in Frankfurt aus ihren Werken lesen, Bücher signieren oder Interviews geben. Unter ihnen sind Jonathan Franzen, Bret Easton Ellis und Ken Follett; Herta Müller, Günter Grass und Martin Mosebach; Ingrid Noll, Frank Schätzing und Martin Suter. Falls die Besucherzahlen nicht einbrechen, werden bis zum Sonntagabend wieder knapp 300 000 Menschen die Frankfurter Buchmesse besucht haben.

dpa

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