Was Facebook-Interaktionen verraten

Social Media-Experten: "Clinton gewinnt die US-Wahl!"

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Laut dem österreichischen Social-Media-Analysten Storyclash lässt sich bei Facebook ein Vorsprung Hillary Clintons ablesen.
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Washington/Arbing - Auf eine ungewöhnliche Weise will ein österreichisches Unternehmen einen Vorsprung von Hillary Clinton bei der US-Wahl festgestellt haben. Die Social-Media-Experten von Storyclash werteten dazu Facebook-Interaktionen aus.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Laut dem österreichischen Social-Media-Analysten Storyclash lässt sich bei Facebook ein Vorsprung Hillary Clintons ablesen.
  • Das Unternehmen hat dazu die Beitragsinteraktionen zu hunderten von Beiträgen in dem sozialen Netzwerk abgelesen.
  • Analysen des Unternehmens in der Vergangenheit zur Bundespräsidentenwahl in Österreich waren bereits sehr präzise.

Ungewöhnliche Analyse-Methode

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Die Augen der Welt sind dieser Tage auf die USA gerichtet. Erhielten Wahlen im mächtigsten Land der Welt hierzulande in der Vergangenheit je nach Kandidatenauswahl nur mehr oder minder viel Aufmerksamkeit, fiebert derzeit so ziemlich jeder mit. Hillary Clinton oder Donald Trump? - Regelmäßig wird analysiert, welcher der beiden Kandidaten derzeit die Nase vorn hat. Das beliebteste Mittel dabei sind Umfragen. Doch es geht auch anders. 

Das österreichische Unternehmen Storyclash, ein Anbieter von Social Media Monitoring Tools für Websitenbetreiber, erklärte nun an Hand einer Social Media-Analyse einen Vorsprung von Hillary Clinton. Das klingt erstmal nach einer seltsamen Methode. Doch diese hat sich in der Vergangenheit bereits bewährt, etwa in einer Analyse der Facebook-Interaktionen zum TV-Duell der österreichischen Bundespräsidenten-Kandidaten van der Bellen und Hofer. Jene Analyse wurde im Mai von diversen österreichischen Medien zitiert, darunter auch der größten nationalen Nachrichten- und Presseagentur Österreichs APA. Doch was genau hat das Unternehmen herausgefunden?

2.186 Artikel ausgewertet

Kurz zusammengefasst hat Storyclash im Rahmen einer “Social Media Impact”-Studie 180 Millionen Facebook-Reaktionen von US-Bürgern zur Präsidentschaftswahl ausgewertet, um daraus eine Prognose für den Wahlausgang abzuleiten. Als Datenbasis dienten dabei 2.186 Artikel, die zur Präsidentschaftswahl erschienen sind, so Lukas Huber und Manuel Brosch, die Autoren eines Blogposts des Unternehmens über diese Analyse. Ziehe man dabei alle Auswertungsergebnisse heran, dann führt Hillary Clinton momentan mit 53% aller Facebook-Interaktionen gegenüber Donald Trump, der sich mit 47% knapp geschlagen geben muss.

Wahlprognose basierend auf “Social Interactions”

"Analysiert man die Anzahl der Artikel zur Präsidentschaftswahl bezüglich der politischen Lager, so kann hier ein knapper Vorsprung Donald Trumps verzeichnet werden", erklären Huber und Brosch."Ganze 964 Artikel (44,1%) sind als pro-Trump zu werten, während „nur“ 945 Artikel (43,2%) Clinton zuzuordnen sind." 277 Artikel (12,7%) dagegen konnten nicht eindeutig zugeordnet werden. Ein ganz anderes Bild ergäbe sich jedoch bei der wesentlich relevanteren Gesamtzahl an Facebook-Interaktionen. "95,3 Millionen pro-Clinton Interaktionen (52,8%) stehen lediglich 85,0 Millionen pro-Trump Interaktionen (47,2%) gegenüber", erläutern Huber und Brosch.

Interaktionen im Zeitraum der TV-Debatten:

Gegen Ende des Wahlkampfs stellten sich die beiden Kandidaten den Wählern in drei TV-Debatten. Die erste Debatte am 26. September avancierte mit ungefähr 84 Millionen Zusehern zur erfolgreichsten amerikanischen TV-Debatte aller Zeiten. Nicht nur in den Analysen der meisten Polit-Experten, sondern auch was die Interaktionen auf Facebook anbelangt, ging Clinton in der ersten Debatte als klare Siegerin hervor. Am Tag nach der Debatte verbuchten Clinton-Artikel über 3,35 Millionen Interaktionen, Trump-Artikel jedoch nur rund 1,14 Millionen Interaktionen. Die zweite Debatte wiederum konnte Trump auf Facebook mit rund 53,4% aller Interaktionen am Folgetag knapp gewinnen. Die dritte und letzte TV-Debatte wurde in beiden Lagern weniger stark rezipiert, der Sieg um die Interaktionen ging jedoch abermals eindeutig an Clinton, so Huber und Brosch.

Bedeutung für den Wahlkampf

Betrachte man die Gesamtzahl der Interaktionen, ließen  sich mehrere Trends im Verlauf des Wahlkampfs herauskristallisieren. Während Clinton Anfang April noch knapp 66% aller kumulierten Interaktionen für sich verbuchen konnte (siehe Beginn der blauen Linie in der Grafik unten), schmolz ihr Vorsprung in den Folgemonaten sukzessive dahin. 

Kumulierte Interaktionen im Zeitverlauf. 

Demnach trennten die beiden Kandidaten am 1. Juni gerade einmal 4,8%. In der ersten Julihälfte gelang es dem demokratischen Lager allerdings wieder, deutlich an Interaktionen hinzugewinnen, "wobei Clinton am 12. Juni erneut 57,6% aller kumulierten Interaktionen auf sich ziehen konnte", so Huber und Brosch. "Diese vermeintliche Trendwende fand jedoch bald darauf ein jähes Ende, denn die zweite Junihälfte und die ersten Juliwochen standen ganz im Zeichen Trumps." Am 22. Juli gelang es Trump, Clintons Vorsprung in den kumulierten Facebook-Interaktionen auf 0,85% zu reduzieren. Das Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Kandidaten (Abstand geringer als 2,2%) währte jedoch gerade einmal 18 Tage, denn im August zog Clinton erneut davon. Bemerkenswerterweise lag Trump ab August auch in den meisten Umfragen klar auf dem zweiten Platz hinter Clinton.

"Anhand der Ergebnisse der durchgeführten Studie lässt sich gut ablesen, welch immense Bedeutung die sozialen Netzwerke inzwischen in der heutigen Gesellschaft eingenommen haben", erklären Huber und Brosch. So sei es auch kein Wunder, dass die Politik immer häufiger soziale Plattformen wie Facebook als politische Bühne für sich nutzt, um nicht Tausende, sondern Millionen von Menschen zu erreichen. Anhand des diesjährigen US-Wahlkampfes und den damit zusammenhängenden 180 Millionen Interaktionen ließe sich zudem gut erkennen, dass sich die sozialen Netzwerke längst als ernstzunehmender Stimmungsbarometer etabliert haben. "Die Social Media Trends auf Facebook und Co. können dabei als Gesamtheit von Millionen einzelner Individuen verstanden werden, die die Ansichten einer immer breiter werdenden Bevölkerungsschicht widerspiegelt."

hs

Quelle: rosenheim24.de

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