Salamander, lebe hoch!

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Oberaudorf - Auch dem nicht so firmen Naturkenner ist er durch „Lurchis Abenteuer“ bekannt - der Feuersalamander (Salamandra salamandra). Auch bei uns ist er zu sehen.

Seine schwarz-gelb gefleckte Färbung ist sehr variabel und wird in Deutschland sogar in zwei verschiedene Arten aufgeteilt. In unserem Waldgebirge kommt er, zum Beispiel auf der Regauer Alm (Gemeinde Oberaudorf), bis auf 1200 Meter vor. Er ist weit verbreitet, aber nirgends häufig.

Die schwarz-gelbe Farbe bedeutet in der Natur für Fressfeinde: Vorsicht - ich bin ungenießbar. Der bis zu 20 Zentimeter lange und bis 55 Gramm schwere Lurch hat hinter den Ohren eine große Drüse sowie zwei Drüsenreihen auf dem Rücken, die bei einem Angriff ein giftiges ätzendes Drüsensekret absondern. So kam ein unerfahrener Deutscher Jagdterrier ums Leben, als er versuchte, einen Salamander zu fressen.

Hautfarbe und Hautgift sind für den Feuersalamander die Überlebensgarantie. Je nach Gefahrenlage sondert er sein "Salamandrin" langsam ab oder spritzt es bis zu einem Meter weit. Somit haben erwachsene Exemplare praktisch keine Fressfeinde. Wenn man einen Feuersalamander in der Hand gehalten hat, ist das weiter nicht schlimm, man sollte jedoch gründlich die Hände waschen.

Dank seiner Ungenießbarkeit kann sich der eher plump und behäbig wirkende Salamander nicht nur nachts aus dem Versteck wagen. Oft ist er auf Almflächen oder Waldwegen während oder nach einem warmen Sommerregen oder Gewitter anzutreffen. Tagsüber versteckt sich der eigentlich nachtaktive Lurch gerne in Mausgängen, unter Totholz oder großen Steinplatten. Seine Augen sehen nachts weit besser als unser menschliches Auge. Wenn wir bei Dunkelheit absolut nichts mehr erkennen, findet er immer noch sicher seine Beute. Gefressen wird, was er überwältigen kann. Nacktschnecken, Regenwürmer, Spinnen, Käfer und sogar kleine Frösche.

Der erwachsene Feuersalamander ist - außer wenn das Weibchen seine Larven im Wasser absetzt - ein reines Landtier. Er unterscheidet sich somit im Wesentlichen von den übrigen heimischen Amphibien. Mit vier Jahren erst wird er geschlechtsreif. Er paart sich nur an Land, während ansonsten alle Schwanzlurche zur Hoch- und Laichzeit geeignete Gewässer aufsuchen müssen. Die Paarungszeit spielt sich in unseren Bergen nach der Schneeschmelze bis September ab.

Bei einer innigen Umklammerung mit dem Weibchen setzt das Männchen ein Samenpaket ab, das den Duft von Odermenning (einem Rosengewächs) hat. Dieses wird vom Weibchen mit der Kloake aufgenommen und im Samenbehälter aufbewahrt, ehe die innere Befruchtung stattfindet. Mehrere Jahre hindurch kann ein Weibchen diesen Samen im Körper aufbewahren und so auch ohne Männchen jährlich für Nachwuchs sorgen.

Neun Monate trägt das Weibchen die Larven aus. Die voll entwickelten Larven sind noch von einer Eihülle umgeben, die bei der Geburt aufplatzt. Im Durchschnitt werden bis zu 30 Larven, verteilt auf mehrere Tage, ins Wasser abgegeben. Am geeignetsten sind Quellen mit tieferen Stellen sowie langsam fließende, kühle, sauerstoffreiche, schmale Bachoberläufe oder kleine Gumpen, die noch frei von Forellen oder Koppen sind, da die bei der Geburt drei Zentimeter großen und ungiftigen Salamander-Larven zum Nahrungsspektrum dieser Fische gehören. Auch Libellen-Larven bedienen sich. Die Metamorphose, also die Umwandlung von der Larve zum erwachsenen Tier, von der Kiemen- zur Lungenatmung, dauert in den Bergen vier bis sechs Monate.

Die lange Zeit bis zur Geschlechtsreife deutet auf eine hohe Lebenserwartung hin. Und in der Tat - Feuersalamander werden nachweislich in freier Natur über 20 Jahre alt. Da jedes gelb-schwarze Muster einmalig ist, sind die einzelnen Individuen eindeutig zu unterscheiden. Es hat sich dabei herausgestellt, dass Feuersalamander überaus standorttreu sind und immer wieder die gleichen Winterquartiere und Nahrungs-Lebensräume aufsuchen. Die wechselwarmen Tiere ziehen sich Ende Oktober in ihre frostsicheren Winterquartiere zurück. Dazu zählen tiefe Mauerspalten, Erd- und Felshöhlen.

Feuersalamander brauchen während der Metamorphose Quellgebiete, Rinnsale und kleine saubere Bäche. Doch viele dieser Gewässer sind verschwunden - sei es durch Drainage oder Schadstoffeintrag. Andere sind durch Düngemittel so belastet, dass den Larven keine Überlebensmöglichkeiten mehr bleiben. Auf der Roten Liste ist der Feuersalamander derzeit als nicht gefährdet eingestuft.

Früher glaubte man, dass er für Menschen tödliches Gift enthalte und dass Feuer erlöschten, wenn man ihn hinein werfe (darauf basiert auch sein Name). Heute wollen ihm die Menschen sicher nichts Böses mehr. Wie heißt es doch in den eingangs erwähnten Salamander-Hefterln, die mich durch meine Kindheit begleiteten und die es auch heute noch gibt: "Und lange schallt's im Walde noch - Salamander lebe hoch!"

Sepp Hoheneder (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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