Wilderer, Räuber, Frauenheld

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Viel Gesang und Musik: Dieter Gruber, Karl Korn und Lorenz Bauer (von rechts) präsentierten Jägers- und Wilderer-Lieder. Viel Beachtung fand das Hinweisschild, das Walter Jani im Stadtarchiv aufgetan hatte. Es zeigt den Bayerischen Hiasl von 1936, gestaltet von Kunstmaler Paul Schwaiger, der auch den Wilderer und Räuber in eben diesem Jahr gemimt hatte.

Neumarkt-St. Veit - Das "Hiasl-Gspui" hat eine lange Tradition. In regelmäßigen Abständen findet das Spektakel seit 1865 in der Rottstadt statt - so auch in diesem Jahr.

Rottalia-Präsident Dieter Gruber erläuterte am Dienstag beim Hiasl-Abend im Herzoglichen Kasten die Geschichte des bayerischen Hiasls im Speziellen und gab Informationen zur Jagd und Wilderei im Allgemeinen.

Viel Musik und Gesang, Jäger- und Wilderer-Lieder - mal in Dur, mal in moll - dargeboten von Karl Korn, Vroni Bauer und Dieter Gruber sowie Lorenz Bauer an der Ziach, prägten diesen beschwingten Abend, an dem Mitsingen ausdrücklich erwünscht war. Etwa 150 Besucher nahmen diese Einladung dann auch gerne an. Zwischen Liedern wie dem "Jäger aus Kurpfalz" und "Heid gibt's an Hiasl-Abend" auf die Rehragout-Melodie brachte Dieter Gruber immer wieder interessante Fakten rund ums Jagen und Wildern. Etwa, dass im 18. Jahrhundert, zur Zeit des Bayerischen Hiasls, die Jagd alleine Fürstenangelegenheit war. Wilderern drohten laut Gruber zur Abschreckung drakonische Strafen, abgesehen von der Hinrichtung etwa die Verfrachtung auf Galeeren oder das Tragen von festgenieteten Eisenmasken. Bei der Vollstreckung der Todesstrafe sei nicht gerade zimperlich umgegangen worden. Der Bayerische Hiasl etwa starb am Strang, wurde dabei gerädert und schließlich auch gevierteilt. Seine Gliedmaßen dienten über ganz Schwaben verteilt ebenso der Abschreckung.

Erstmals gab der Bayerische Hiasl seine Identität in der Öffentlichkeit preis. Die Rottalia-Größen entließ er nach seinem Auftritt wieder in die Freiheit.

Doch gerade Wilderer genossen in der Bevölkerung Heldenstatus, wie Gruber weiter in launigen Worten erläuterte. "Zum einen herrschte Schadenfreude darüber, dass den Lehensherren etwa abgeluchst wurde." Zum anderen hatte die arme Bevölkerung etwas zu essen. Die Heroisierung der Wilderer führte sogar dazu, dass jedes Jahr zum Todestag des Wildschützen Georg Jennerwein, eine Gemse die Gedenkstelle am Peißenberg schmücke, erläuterte Gruber.

Aufwendig als Bildgeschichte gestaltet gab Gruber die Moritat vom Räuber Kneissl (Mathias Kneißl) zum Besten, der selbst am Tag seiner Hinrichtung an einem Montag im Februar 1902 Galgenhumor bewies: "Die Woch geht scho guat o."

Bayerischer Hiasl in Neumarkt-St. Veit

Gruber besang schließlich auch die Geschichte des Bayerischen Hiasl, die seit 1865 bereits siebenmal in Neumarkt-St. Veit aufgeführt wurde, 1936 unter dem Eindruck der Nazi-Herrschaft, als im Stück ein Überfall auf einen jüdischen "krummnasigen Burschen" dazugedichtet wurde, hatte Gruber recherchiert. Bilder des Schauspiels von 1962 sowie ein Film der Darbietung von 1988 bereicherten den Abend, der vom Besuch des Bayerischen Hiasls von 2013 unterbrochen wurde. Von der Geiselnahme der Protagonisten sah der Hiasl zwar ab. Doch für Gruber stand nach diesem Überfall fest: Es braucht schon eine schlagkräftige Armee von Soldaten, um dem Hiasl am Faschingssonntag Herr zu werden. Derzeit gibt es noch zu wenige, Interessenten mögen sich unter Telefon 08639/708582 melden.

je/Neumarkter Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

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