Gemeindeland in Narrenhand

Berchtesgaden - Bis Aschermittwoch liegt die Regentschaft von Berchtesgaden beim Prinzenpaar der Faschingsgilde. Bürgermeister Franz Rasp übergab am Donnerstag den Schlüssel in närrische Hände.

Der Empfang ist geplant, der Sekt steht bereit. 1. Bürgermeister des Marktes Berchtesgaden, Franz Rasp, empfängt eine Abordnung der Berchtesgadener Faschingsgilde, die bereits in die fünfte Jahreszeit gestartet ist und nun die Herrschaft übernehmen möchte. Zumindest über das Rathaus, energetisch saniert, fit für die Zukunft. Blickt man in das neu gestaltete Büro des Bürgermeisters, kann man das Anliegen der Faschingsgilde gut nachvollziehen. Schick steht er im Raum, der riesige Nussbaumschreibtisch, dahinter eigens gefertigtes Mobiliar, die Schnitzschule zeichnet verantwortlich. Indirekte Lichtquellen an der Decke, ein LCD-Monitor in Klavierlack- Schwarz wertet die weiße Wand auf. Franz Rasp bückt sich, greift in ein Fach des edel wirkenden Eckschrankes. Dort liegt der Schlüssel, symbolhaft stellt er die „Herrschaft über das Rathaus“ dar. Ihre Lieblichkeit Prinzessin Loredana I., die Fröhliche, aus dem Watzeland nimmt den Schlüssel entgegen. Das Treiben kann beginnen.

Ludwig Schröer hat schon einige Auszeichnungen, darunter den höchsten Orden überhaupt. Darauf ist er sichtlich stolz.

Die Abordnung ist überschaubar, die Präsidentin der Berchtesgadener Faschingsgilde ist anwesend, Karin Schröer, die den Prinzen entschuldigen lässt. Andere Verpflichtungen. Kein Problem. Die Faschingssaison ist lang, dieses Jahr wird er noch oft genug gefordert werden. Die Prinzessin ist dafür anwesend, groß gewachsen, im feschen Kleid, die anderen Gildenmitglieder im roten Ornat, mit Orden behangen. Ludwig Schröer sagt, er habe mehr als tausend Orden bei sich zu Hause. Ein Museum könne er damit ausstatten. Das ist wahr. Tragen kann er aber nicht alle. Er hat sich daher für eine Handvoll entschieden. Gute Wahl - dem Anlass entsprechend. Die Schlüsselübergabe wartet, die Prinzessin nimmt den Schlüssel entgegen, den der Bürgermeister ihr überreicht, bedankt sich artig. Ein bisschen groß ist er schon, der Schlüssel, denkt sie sich vermutlich. Der Bürgermeister dankt, spricht ein paar Grußworte. Symbolisch liegt die Rathaus-Herrschaft nun in Händen der Faschingsgilde, symbolisch versteht sich. Alles andere wäre narrisch, närrisch, wie dem auch sei. Was nun? Der Sekt! Er ist bereitgestellt, des Gemeindevorstehers Sekretärin eilt ins Nebenzimmer, holt ein Tablett, ein paar Gläser, prickelndes Sprudelwasser, die Fotos sind im Kasten, „Prost allesamt“.
Den Holztisch, Marke Nussbaum, „ein Rechteck im Rund“, würde man nun aber schon noch gerne austesten, probesitzen auf den neuen Stühlen, weiß bezogen, hervorragende Sitzqualität. Gesagt, getan, die Faschingsgilde nimmt Platz, auch der Bürgermeister setzt sich, ein wenig Smalltalk, „beiläufige Konversation ohne durchdringenden Tiefgang“, so nennt man das, Franz Rasp hat heute noch einiges zu tun, die Zeit drängt. Das Faschingsjahr wird lang, viele Termine stehen auf dem Terminkalender, etwa der „Große Hofball“ im Kongresshaus Berchtesgaden im Februar, diverse Gildenbesuche außerhalb, neue Orden warten, Ludwig Schröers Sammlung wird weiterwachsen und auch für die Prinzessin beginnt ein buntes, ereignisreiches Jahr. Bevor die Abordnung den Nachhausemarsch antritt, müssen aber noch zweierlei Orden den Besitzer wechseln. Franz Rasp ist der Auserwählte, Präsidentin Karin Schröer hat sie mit dabei in ihrer Tüte. Die Prinzessin überreicht sie, artig vollführt der Bürgermeister einen Knicks, der Kopf senkt sich, mit Feingefühl wird das kleine Bildnis um den Hals des Gemeindevorstehers gelegt. So, nun ist aber Schluss, man sieht sich wieder - am Hofball der Gilde. Bis dahin: „BGD Juche!“

Pfeiffer

Rubriklistenbild: © kp

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