Die wahre Identität

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"Spektatoren", Mischtechnik von Kristiane Semar.

Stephanskirchen - In der Galerie "Pia Arce" stellt Kristiane Semar "Ansichtssachen oder Die hochgezogene Augenbraue" aus:

Wie Menschen in Mimik und Körpersprache kommunizieren, das zeigt die Künstlerin Kristiane Semar in ihrer Ausstellung "Ansichtssachen oder Die hochgezogene Augenbraue" in der Galerie "Pia Arce" in Stephanskirchen am Ziegelberg, Rohrdorfer Straße 180. In ihren Radierungen, Zeichnungen und dem Skizzenbuch deckt sie in den Gesichtern derer, die sie porträtierte, die Geschichten auf, die das Leben hineingeschrieben hat. Die unterschiedlichsten Charaktere finden sich auf ihren Blättern wieder und offenbaren in wortlosem Austausch viel ehrlicher, als in verbaler Kommunikation, ihre wahre Identität.

Ein bisschen assoziiert der Betrachter im ersten Augenblick Bele Bachems Figurinen, doch wird sehr schnell der eigenständige Stil von Kristiane Semar sichtbar. In ihren kreativen Tiefdruckarbeiten ritzt sie die Linien in die Druckplatte aus Plexiglas und greift dabei schon mal zur Bohrmaschine. Untergrundcollagen bestehen aus benützten Papieren, die wiederum Geschichten erzählen. Da finden sich aus Kontoren Schriften wie Heiratsverträge und aus einem Geschäft für Glühbirnen transparentes Einwickelpapier. Alle diese Papiere würfelt die Künstlerin neu zu formaler und ästhetischer Einheit zusammen. Die handkolorierten Unikate entstanden in Mischtechnik: Buntstifte mit Aquarell, Tusche auf Collage. Sie lassen die handschriftlichen Blätter in ihrer Transparenz durchscheinen. Da blicken zwei Profile in die gleiche Richtung und in den eingebundenen Texten liest man über das spontane Glück. Auch Liebesschwüre sind zu finden in der Vielfalt der Collagen.

In liebevoller Präzision schuf die Künstlerin, die unter anderem Bühnenbild studierte, feine Stoffmuster für die Hüte, Krägen, Kostüme ihrer Figuren. Beim "Tango fatale" wiegt sich ein erotisiertes Paar auf einer kleinen Tanzbühne und man ahnt das kommende Drama. Menschenansammlung setzt Kristiane Semar in Variationen auf den Zeichenuntergrund. Mal gruppiert sie diese in einer Reihe, mal stehen jene in lebendigem Durcheinander, völlig verschieden in Herkunft und Erscheinungsformen. Die Opernsängerin, die Marktfrau, ein kopfloses Wesen, eine Person mit Schild und viele weitere Figuren sind lebendig auf der weißen Fläche abgebildet. Die Radierungen auf Kupferplatte, im Säurebad geätzt, wurden auf der Radierpresse auf Bütten abgezogen. Auf kleinen, Hand kolorierten Zeichnungen drängen schöne Frauen die Männer wortwörtlich an den Rand. Paare oder einen dynamischen Radfahrer und Gesichter in mimischen Variationen wie eben einer hochgezogenen Augenbraue, einem ironisch verzogenem Mündchen oder gebleckten Zähnen hat die Künstlerin auf kleinen quadratischen Formaten festgehalten.

Kristiane Semar wurde in Freiburg im Breisgau geboren. Ihren Magister in Bühnenbild und Kostüm machte sie am Mozarteum in Salzburg, wo sie auch Kunstgeschichte studierte. Außerdem absolvierte sie in Augsburg ein Studium in Kommunikationsdesign und in Irland eine freie Ausbildung für Druckgrafik. Kristiane Semar gibt innerhalb ihrer freiberuflichen künstlerischen Tätigkeit als Zeichnerin und Grafikerin auch Workshops an der Kunstakademie La Cuna del Arte von Pia Hamberger und Katja Herdramm.

Margrit Jacobi/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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