Traditionelles Volkstheater erhält Kulturpreis

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Werner Schroller, Tourismusdirektor Kaiser-Reich, Andreas Bleier, Ausschussmitglied Volkstheater, dahinter mit Helm Florian Larcher, Ausschussmitglied Volkstheater, davor Robert Berberich und Christina Pfaffinger vom Kulturausschuss des Wirtschaftlichen Verbandes, dahinter Phillip Kurz, 1. Vorstand Volkstheater, Sebastian Bleier, 2. Vorstand Volkstheater, Andreas Fuchs mit Helm und rechts außen, der zweite Stellvertretende Vorsitzende des WV Paul Adlmaier

Kiefersfelden - Seit 1833 prägen die Ritterschauspiele das regionale Kulturleben. Dafür wurde das Volkstheater nun vom Wirtschaftlichen Verband der Stadt Rosenheim ausgezeichnet.

Die erstmals 1618 als Dorftheater erwähnte Spielgemeinschaft widmet sich ausschließlich nach 1800 entstandenen ländlichen Ritterschauspielen. Diese gewinnen in der Comedihütte auf der historischen Drehkulissenbühne aus dem frühen 19. Jahrhundert mitreißende Gestalt. Damit stellen die Ritterschauspiele Kiefersfelden und ihre „Comedihütte“ (eröffnet 1833) in der beeindruckenden Dichte religiöser und weltlicher Theaterensembles zwischen Bad Endorf und Telfs einen einmaligen Akzent dar. Mehr noch: Das Archiv mit dem riesigen Bestand an Ritterschauspiel-Handschriften des 19. Jahrhunderts ist eine weitgehend unerschlossene Schatzkammer. Die altertümlichen Proben- und Spielformen stehen im Dienst einer weitgehend verloren gegangenen Theaterkunst, deren Themen und Inhalte vom Humanismus eines aufgeklärten Katholizismus geprägt sind.

In den vergangenen Jahren hat die Theatergesellschaft Kiefersfelden an öffentlicher Präsenz gewonnen und ist auf dem besten Weg, ihren früheren legendären Ruf zurückzuerobern: In Stücken wie „Ezzelin der Grausame“ (Spieljahr 2011) befinden sich Schauplätze immer in übergeordneten Dimensionen zwischen Himmel und Hölle, Orient und Okzident. Figuren wie Ezzelin, Ludovico und Olimpia bewegen sich zwischen hochgestimmten Liebensschwüren, abgrundtief bösen Intrigen oder unerschütterlichem Vertrauen auf eine höhere Gerechtigkeit: Die Ritterschauspiele Kiefersfelden stehen als Kulturphänomen einmalig zwischen Volkskunst, Märchen und Brauchtum – ihre im 19. Jahrhundert während des Behördenkriegs um den Fortbestand entwickelten Statuten sind auch ein soziokulturelles Phänomen.

Zwei wichtige Kultur-Feierlichkeiten stehen in den nächsten Jahren für die Gemeinde Kiefersfelden an: 2018 findet das Jubiläum „400 Jahre Dorftheater“ statt, für das bereits jetzt die Vorbereitungen beginnen. An verschiedenen Spielstätten ist in Kiefersfelden eine lückenlose, lebendige Theatertradition seit 1618 - vom Barock bis Goethezeit, Romantik, Gründerzeit - nachweisbar. Stilelemente des Sakraltheaters jesuitischer Prägung, des alpenländischen Passionsspiel und der Volksposse waren Voraussetzung für die Wende zum Ritterschauspiel, wie es vor allem die Spielleiter und Bühnenautoren Johann Wolfgang Schwarz und Josef Georg Schmalz entwickelten.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts spielt die 1787 zusammengeschlossene Musikkapelle Kiefersfelden vor und zwischen den haarsträubenden und herzzerreißenden Momenten der Ritterschauspiele. Nicht wenige Mitwirkende wechseln bis heute in den Vorstellungen zwischen Rüstung und Tracht und greifen von der Trompete zum Schwert. Sylvester Greiderer, der durch seine Stück-Bearbeitungen und Bühnenmusiken die Ritterschauspiele in ihrer bis heute bewahrten Form prägte, und Martin Tiefenthaler waren in Personalunion Spielleiter in der Comedihütte und Kapellmeister der Musikkapelle, die 2012 ihr 225-jähriges Jubiläum feiert.

Pressemitteilung Wirtschaftlicher Verband der Stadt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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