Sex löst die Spannung

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Eine Ehefrau kommt in Fahrt: Klaus Schöberl als Andrew und Lilli Fischer als seine Gattin Adrian.

Rosenheim - "Sex löst die Spannung - Liebe verursacht sie" sagt Andrew (Klaus Schöberl) in Woody Allens "Mittsommernachts-Sex-Komödie" und das ist nur eine von vielen herrlichen Kommentaren daraus.

In der Inszenierung von Stefan Hanus startete das Theater am Markt-Ost mit diesem Stück seine Jubiläums-Spielsaison zu seinem 25-jährigen Bestehen.

Freilich hat sich Allen an Shakespeares "Sommernachtstraum" orientiert und der Geschichte dann seinen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt. Die Paare wechseln ihre Zusammengehörigkeit wie in Arthur Schnitzlers "Reigen", oder Ingmar Bergmanns " Das Lächeln einer Sommernacht". Die Thematik des Partnertausches ist zeitlos aktuell.

Optisch bestechend und raffiniert in der Veränderung durch ein die Bühne auskleidendes Tuch, oder eine vorgezogene bemalte Stoffwand, schuf Bernhard Bindl das Bühnenbild. Hübsch strampeln gleich zu Beginn zwei rot besockte Männerbeine in der Luft. Wird der ganze Kerl sichtbar mit Fliegermütze, hampelndem Gestus und ausgeprägter Mimik, ist Woody Allens Alter ego in der Figur des Andrew durch Klaus Schöberl von Anfang an köstlich gelungen. Da sitzt jede Pointe, der Rhythmus von Sprache und Bewegung. Schöberl schlüpft in die Rolle wie in eine zweite Haut, in der er sich pudelwohl fühlt. Ist Lilli Fischer bis zur Pause in ihrer Rolle als zickige Ehefrau Adrian eingebunden in Verklemmtheit, so darf sie nachher als beschwipst Enthemmte richtig aufdrehen. Um Sex geht es vor allem in der Komödie und genau den entbehrt Andrew seit geraumer Zeit schmerzlich. So steckt er seine aufgestaute Energie in eigenwillige Er-findungen wie zum Beispiel einen Grätenentfernungsapparat.

Wenn die Gäste der Eheleute zu einem Wochenende auf dem Land eintrudeln, lädt sich die Luft bald "hormonell" auf. Viel dazu trägt augenblicklich Andrews alter Kumpel Maxwell bei. Mit Kreissäge und schick in Weiß gekleidet gibt Gerd Meiser hinreißend den Draufgänger und Schürzenjäger, den schließlich noch die Liebe ereilt, in allen Facetten der Emotionen mit unwiderstehlicher Komik. Der Arzt hat sich die freizügige Krankenschwester Dulcy mitgebracht. Claudia Loy spielt sie herzerfrischend locker als ein echtes Naturkind. Adrians Cousin, der Philosophie- und Kunstprofessor Leopold komplettiert mit seiner zukünftigen Gattin Ariel das "Sextett". Sichtlich genießt Herbert Prechtl die Rolle des arroganten und scheinmoralischen Besserwissers, der letztendlich das triebhafte Tier in sich entdeckt.

Elegant, erotisch, flirtend, charmant, verwirrt und wunderschön, all das ist Susanne Brauner als bezaubernde Ariel. Kein Wunder, dass der frustrierte Andrew seine einmal verpasste Chance bei ihr, seiner Jugendliebe nachholen und Maxwell, der ambitionierte Vogelkundler, sich diesen Schmetterling einfangen will.

Gespickt mit amüsanten Gags serviert Regisseur Stefan Hanus mit seinen famosen Schauspielern diese Mittsommernachts-Sexkomödie temporeich, schwungvoll und spritzig. Nicht zuletzt bietet schließlich auch Woody Allens köstlich geistreiches Textmaterial die entsprechende Basis für einen überaus gelungenen und sehr erheiternden Theaterabend. Waren es die wundersamen Pilze, oder die schwülstige Atmosphäre der Sommernacht, die den Professor zum wild gewordenen Eber wandelten und Herbert Prechtl in dieser Rolle dem "Affen Zucker geben" ließen? Können Männer Sex immer besser von der Liebe trennen, als Frauen? Ist es sinnvoll, eine verpasste Chance nachzuholen? Hingehen, selbst herausfinden und viel Spaß dabei haben, lautet die Empfehlung. Das Premierenpublikum jedenfalls feierte den Regisseur und seine Darsteller mit riesigem Applaus.

Quelle: rosenheim24.de

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