Über Hirschhausen kann man nicht meckern

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„Liebesbeweise“: Eckart von Hirschhausen, gut gelaunter und begeistert angenommener Auftritt in Salzburg.

Salzburg - Der medizinische Kabarettist Eckart von Hirschhausen begeisterte am Donnerstagabend mit seinen „Liebesbeweisen“ eine gut gefüllte Salzburgarena.

Vicco von Bülow hätte seinen Spaß gehabt: Der feine, anständige, nie anzügliche Humor des Dr. med. Eckart von Hirschhausen, das wäre Loriots Sache gewesen, garantiert. Und auch in der Salzburgarena meckerte am Ende niemand. Der mal Laute, mal Leise, auch mal poetisch Abschweifende und nachdenklich Ernste, mal Ratgebende und manchmal einfach nur Blödsinn veranstaltende Frankfurter strapazierte nicht nur die Lachmuskeln seines Publikums.

Auch die Beifall klatschenden Hände kamen ins Schwitzen, wenn der 44-Jährige über die dann doch meist schwierigen Beziehungen zwischen Frauen und Männern und den Menschen im Allgemeinen loslegt. Doch er wäre nicht Arzt durch und durch, hätte er nicht stets ein ganzes Tipp-Arsenal parat. Ein etwas zu spät kommendes Pärchen nimmt er sofort in Beschlag, lässt den Spot auf sie richten und die beiden müssen sich vor versammelter Mannschaft erklären.

Seine Kabarettbesucher werden überhaupt fast pausenlos ins rund 180-minütige Programm mit eingebunden, müssen mitsingen, summen und brummen. Hirschhausens Ziel: Alle ein gutes Stück glücklicher, zufriedener machen. In der Pause beschäftigt er die Besucher mit Kartenausfüllen: Die eine Hälfte soll sich an den heftigsten Streit erinnern, die andere Seite an die schönste Liebeserklärung ihres Lebens. Kurios: Als Hirschhausen etliche der Notizen vorliest, wird bei den „Streitgesprächen“ herzlich gelacht, während die Herzensangelegenheiten mal zustimmendes Nicken, mal stilles Nachdenken hervorrufen – auch beim Künstler selbst. Einige „Stellungnahmen“ begeistern ihn derart, dass sie schnurstracks in die Best-of-Sprüche-Box wandern: „Zu einem Ehestreit gehören immer zwei, Du und Deine Mutter“.

Hirschhausens ersten beiden Bühnen-Ensembles „Sprechstunde“ und „Glück (kommt selten allein)“ folgte nun die „Liebe“ und ihre Beweise. „Sex allein kann’s nicht immer sein“, weiß er „denn da fehlen irgendwann die Überraschungsmomente, weil man es kommen sah“. Seine Gruppentherapie avanciert zum Feuerwerk an Gags, Pointen und dem gesprochen, gespielten Kurzwitz, aufgelockert mit selbstgetexteten Strophen zu meist altbekanntem Liedgut: Hirschhausen gibt Peter Maffay, Roland Kaiser sowie Heinz-Rudolf Kunze zum Besten und zeigt Bilder seines Salzburger Nachmittags. Er sprach vor Studenten und lud die Salzburger Clown-Doktors zu seiner Show in die Arena. Hirschhausen ist Gründer der bundesweit agierenden Stiftung „Humor hilft heilen“, er selbst muntert Patienten in Krankenhäusern als Clown mit der roten Nase auf.

Als die Bühnengäste von einem Auftritt bei einem Kind, das im Sterben lag, berichten, wird es still unterm Hallendach, und Hirschhausen einige Minuten ganz ernst. Um kurz drauf spielend den Übergang zurück zum Witz zu finden: „Humor als Überlebensstrategie“, sein Motto nehmen die Ticketinhaber gerne auf. Über den ewig schwelenden Kampf Männer – Frauen, aber auch jenen zwischen Österreichern und Deutschen, fachsimpelt der Moderator („Frag doch mal die Maus“) und Schriftsteller („Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“) und bringt ihn auch jenseits der Salzach gern auf den Punkt, bleibt seiner taktvollen Linie aber stets treu.

„Ihr seid witzig“, lacht Hirschhausen unter der Menge, in der er gern badet, weil gerade dort seine Spontaneität zur Hochform aufläuft, „Ihr nennt Eure Fluggesellschaft AUA“. Ohne Atempause jongliert er zum ewig jungen Streitpotenzial einer Ehe: „Wenn Frauen nicht mehr sprechen, ist uns Männern das nur schwer als unmittelbare Strafe zu vermitteln“.

Die Mozartstadt verließ Dr. med. Eckart von Hirschhausen so gut gelaunt wie er gekommen war – nicht ohne seinem Publikum reichlich positive Gedanken übertragen und den ganzen Saal frohgelaunt den Beatles-Song „All you need is love“ geschmettert haben zu lassen.

bit

Quelle: rosenheim24.de

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