Sängerkrieg der Dogen

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Szene aus "Die Seufzerbrücke" mit (von links) Catarina Cornani (Danielle Zuber), Cornarino Cornarini, Doge von Venedig (Michael Clemens Frey), Amoroso, Page (Miriam Galonska).

Maxlrain - Der Aiblinger Verein "Die Opernbühne" agiert Jahr für Jahr als Opern-Trüffelsucher.

Er sucht für die jährlichen Opernaufführungen in der Reithalle von Schloss Maxlrain nach nicht mehr oder noch nicht aufgeführten kleineren Opern, die auch mit jungen Kräften oder musikliebenden Amateuren aufzuführen sind.

Dabei fanden die Verantwortlichen des Vereins oft sehr schmackhafte, scharf gewürzte oder süße Trüffel. Die heurige, französische Trüffel heißt "Die Seufzerbrücke" und ist vom Altmeister der Operette, Jacques Offenbach. Diese "Opéra bouffe" verwurstet alle Venedig-Klischees nach dem Motto von Karl Kraus über die Operette: "Chaos ohne Kausalität": Die Seufzerbrücke, die Dogen, der verliebte Page, der finstere Verwandte als Bösewicht, die echt venezianischen "Sbirren", die Gerichtsbüttel, der - hier senil vertrottelte und dezimierte - Rat der Zehn, der Venedig in Wahrheit regiert, Gondoliere, der Karneval. Der Inhalt ist deswegen auch relativ egal, es geht um Liebe, Ver- und Entführung, politischen Verrat, scheinbaren Mord, einen Gondelwettbewerb und einen Sängerkrieg der Dogen und um den alles einebnenden Karneval.

Der Regisseur Götz Schuricke hat die deutschen Dialoge geschrieben und eine Rahmenhandlung mit modernen Venedig-Touristen dazugeschrieben, die sich immer wieder kommentierend und agierend ins Geschehen einmischen. Ein hübscher Einfall - der aber die ursprüngliche Operette verlängert und damit in die Länge zieht, noch dazu, wenn die beiden Straßensänger (Rose Bihler Sha und Christoph Rebelein) Strophe um Strophe um Strophe singen. Und er lässt das Chaos zu wenig chaotisch sein, lässt den albern-witzigen, ja doch gewollten Un-Sinn der Handlung oft zu gespreizt ausspielen, statt ihn durch Tempo, witzsprühendes Temperament und übersprudelnde Beschleunigung hoch- und zum überkochen zu bringen.

Die Bedingungen wären nämlich dagewesen: James Barnes hat eine wirklich schöne Venedig-Kulisse mit Brücke und Kanal und Mini-Dogenpalast gebaut, in dem sich die außerordentlich ansehnlichen Sänger gut bewegen können. Aber sogar im am Schluss überschäumenden Karneval tanzen die hübschen Gondelmädchen vorsichtig-zögernd statt Cancan-mäßig ausgelassen. Es ist doch eine Pariser Operette! Und wenn schon ein Canal piccolo die Bühne durchquert, möchte man, wenn schon ein Gondelwettrennen stattfindet, wenigstens eine Gondel durchs Bild fahren sehen! Eine Augenweide waren dafür die bunten Kostüme (Michaela Reinel), die die Sänger ins beste Licht rückten.

Die waren durchwegs erfreulich: Andreas Stauber ist ein glänzend aufsingender Tenor-Bösewicht mit Koloraturkompetenz, der dem Dogen (Michael Clemens Frey) so überlegen ist, dass man ihm die hübsche Dogaressa fast gönnt: Diese ist Heidi Manser mit flackerndem Koloratursopran, die geliebt wird von ihrem Pagen (anmutig singend und zum Anbeißen: Miriam Galonska) und überwacht wird von zwei Sbirren im Panzerknacker-Outfit (lustig: Andreas Fimm und Josef Schmid). Erwähnt sei noch Armin Stockerer als sauber singender ehrlicher Knappe des Dogen. Richard van Schoor bemühte sich mit seinem Orchester um die süffige Süße der Offenbach'schen Operettenmusik, die mit weniger Musikern vielleicht besser zu erreichen gewesen wäre.

Quelle: rosenheim24.de

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