Runterladen und Anhören: Die Musik der Zukunft

Cannes - Die Musik der Zukunft spielt im Internet: Auf der weltweit größten Messe der Branche in Cannes überbieten sich die Aussteller in neuen Techniken für das Web.

Nach einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts Nielsen hören die Menschen weltweit ihre Lieblingslieder inzwischen mehr auf den Webseiten von YouTube oder Dailymotion als von der CD in ihrer Stereoanlage.

Mit etwas Verspätung wollen die großen Konzerne ihren Kunden nun ins Netz folgen. Denn die Musik der Zukunft muss sich in den sozialen Netzwerken finden, sie muss überall zu hören sein und die Nutzer auch noch beteiligen. Die Fans wollen gleichzeitig zum Lied den Text mitlesen können und den Alltag ihres Idols verfolgen. Viele aktuelle Stars sind durch ihre Online-Gemeinschaft erst groß geworden. So hat es der Star-DJ David Guetta zu bislang 15 Millionen Fans auf seiner Facebook-Seite gebracht und verkauft von dort aus auch seine Platten und Konzerte.

Die schnelle Entwicklung schafft Platz für gute Ideen: Ein Drittel der Aussteller in Cannes sind Startups. Sie gründen zum Beispiel Websites, auf denen wie bei eBay privat CDs und Musikvideos getauscht werden können. Oder sie erfinden neue Anwendungen für Mobiltelefone, über die Stars mit ihren Anhängern kommunizieren können.

Die großen Musikkonzerne scheinen allerdings die rasante Online-Entwicklung verschlafen zu haben. Sie stehen etwas hilflos vor der vor allem jungen Mehrheit der Hörer, die heute illegal ihre Musik aus dem Netz zieht. Der Sony-Konzern will nun die bislang "digital vernachlässigten Menschen? für sein Produkt interessieren. Seit dem vergangenen Wochenende können Abonnenten von Q Unlimited Music sechs Millionen Songs legal und unbegrenzt auf dem Fernseher und Computer anhören. Eine Technik, die andere Firmen schon in ähnlicher Form verkaufen. "Wir konkurrieren nicht mit anderen Anbietern, sondern mit der weltweiten Piraterie", sagte Tim Schaaff, Chef von Networking Entertainment des japanischen Weltkonzerns.

Auch die Musiker müssen online gehen. Von guten Ohrwürmern und Konzerten in schummerigen Clubs kann heute kein Künstler mehr leben. "Es ist nicht mehr die Frage, ob Künstler online gehen, sondern wie erfolgreich sie dies tun", sagt Ariel Hyatt, amerikanische Marketing-Expertin für das Internet. Inzwischen sei YouTube nach Google die zweitgrößte Suchmaschine ? und der wichtigste Musiklieferant. "Vergesst den klassischen Verkauf Eurer CDs", rief Hyatt den Musikern zu. Künstler verstünden sich nur ungern als schnöde Manager und vernachlässigten deshalb ihre Einnahmequellen. "Die Musik muss kreativ und spontan sein ? das Marketing aber systematisch und wissenschaftlich", sagt Hyatt.

Nach Ansicht von vielen Musikmanagern in Cannes herrscht aber heute noch Chaos und wenig System im Web: Die vielen weltweiten Technologie passen nicht zusammen, Anwendungen auf Mobiltelefonen können manchmal nicht im Ausland genutzt werden. Noch fehlt ein globaler Standard. Und vor allem eine Idee, wie mit den vielen Angeboten auch Geld verdient werden kann. "Wir sind noch ganz am Anfang", prophezeite Mark Mulligan von dem internationalen Marktforschungsinstitut Forrester Research in Cannes. "Wenn die zukunftsweisende Musik ein Auto ist, so fahren wir heute noch mit der Kutsche", sagt Mulligan.

dapd

Quelle: rosenheim24.de

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