Köstliche Verwechslungs-Komödie

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Ruhpolding - Joseph Haydns „Lo speziale“, besser bekannt als „Der Apotheker“, gehört nicht zu den häufig gespielten Bühnenstücken.

Eigentlich schade, denn die komische Oper, die 1768 entstanden ist, birgt ein köstliche, abwechslungsreiche und amüsante Geschichte in sich. Als einer der Höhepunkte der Ruhpoldinger Opern- und Konzerttage wurde sie unter der Regie von Nina Sengstschmid nun im Kurhaus aufgeführt. Zunächst stand aber Mozarts 9. Klavierkonzert in Es-Dur mit dem Ruhpoldinger Felix Nagl als Solisten auf dem Programm. Das Werk, das ein nicht geringes Maß an Virtuosität und technisches Raffinesse erfordert, wurde von dem jungen Pianisten erstaunlich souverän vorgetragen, ein wunderbarer Einstieg zur folgenden Opera buffa.

„Der Apotheker“ – auf den ersten Blick und nach dem Verlauf der turbulenten Handlung ist es nichts anderes als eine etwas unwahrscheinlich erscheinende Eifersuchts-Verkleidungs- und Verwechslungskomödie unter Bürgern. Zentrum des Geschehens und des erotisch-finanziellen Interesses dreier Männer ist das Mädchen Grilletta (Irma Mihelic), dessen Wert sich nicht nur nach seiner Schönheit, sondern auch nach seinem Reichtum bemisst.

Um ihre Gunst konkurrieren zwei Männer. Der eine von ihnen, der Apotheker Sempronio (Sergio Tallo Torres) und zugleich Vormund des Mädchens, nimmt zwar per Zeitungslektüre am Weltgeschehen teil, sein eigentliches Interesse, sein Mündel zu heiraten und ihren Reichtum vereinnahmen zu können, hat er aber immer fest im Blick. Der andere ist ein draufgängerischer und von sich selbst sehr eingenommener junger Mann namens Volpino (Manuela Leonhartsberger in einer Hosenrolle). Ein dritter, der bei Sempronio angestellte Mengone (Julian Alberto Henao Gonzales) muss sich nicht um Grillettas Gunst bemühen, denn sie liebt ihn. Aber aus Angst vor seinem Chef und zur Enttäuschung des Mädchens zögert der junge Mann, ihr seine Liebe offen zu zeigen. Nun nimmt Grilletta das Heft in die Hand und geht scheinbar ernsthaft auf den Heiratsantrag ihres Vormundes ein. Diese Absicht muss in einem Heiratsvertrag besiegelt werden. Zur Überraschung aller erscheinen gleich zwei Notare, denen Sempronio den Text diktiert. Was er nicht weiß: Er diktiert den Vertrag seinen beiden Konkurrenten, die sich als Notare verkleidet haben. Der Schwindel fliegt auf und das Geschehen nimmt seinen amüsanten Verlauf.

Der dritte Akt dieser Oper ist teilweise verschollen. Zur Vervollständigung wurde die bestehende Fassung von Robbins Landon eingefügt. Doch für die Inszenierung hatte die Regisseurin noch eine Überraschung parat. Als Volpino als Türke verkleidet auf die Bühne kommt, um Sempronio nach Konstantinopel zu locken, folgte ihm Dr. Gerhard Haubold als sein Page - eine Hommage an den Apotheker zum 75-jährigen Bestehen seiner "Adler-Apotheke".

Das Publikum dankte für die ausgezeichnete Aufführung mit langanhaltendem Applaus. Das Orchester der Ruhpoldinger Opern- und Konzerttage dirigierte souverän der Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Norddeutschen Philharmonie und des Volkstheaters Rostock, Florian Krumpöck. Die Kostüme hatte Stephanie Sandner von der örtlichen "Stoffwerkstatt" geschaffen, und für Bühne und Projektionen zeichnete Bernhard Schunack verantwortlich.

Die Kombination aus Klavierkonzert und Opernaufführung wird am Sonntag, 26. August, um 19 Uhr im Ruhpoldinger Kurhaus wiederholt. Karten gibt es bei der Touristinfo Ruhpolding unter Telefon 08663/88060 und in Monika Nagls Atelier und Kulturwerkstatt, Telefon 08663/ 2574; Restkarten an der Abendkasse.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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